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Serie: Berufe in der Chemie: Der Forscher mit dem Blick fürs Detail

Serie: Berufe in der Chemie : Der Forscher mit dem Blick fürs Detail

Jürgen Arras ist seit drei Jahren bei Bayer Material Science (BMS) und leitet bereits ein Team mit fünf Mitarbeitern. Mit ihnen arbeitet der 32-Jährige daran, Produktionsverfahren besser zu machen, um Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen.

Wenn im Büro von Jürgen Arras das Telefon klingelt, ist nicht selten ein Gesprächspartner von einem anderen Kontinent in der Leitung. Mitarbeiter von Bayer-Werken von den USA bis China schätzen den Rat des promovierten Chemikers. Der 32-Jährige ist Laborleiter bei Bayer Material Science (BMS) im Bereich Verfahrensforschung Polyurethane. Gemeinsam mit seinem fünfköpfigen Laboranten-Team arbeitet er daran, Prozesse bei der Herstellung von MDI - einer Komponente für harten Schaum - zu verbessern und neue zu entwickeln. Diese Schaummaterialien finden in vielen Anwendungen Platz: zum Beispiel im Dämmmaterial von Kühlschränken und in Kühllastern.

Das Arbeiten hat mitunter spielerischen Charakter, sie gleiche "chemischer Detektivarbeit", sagt Arras. Denn wenn er keinen Fragestellungen von Kollegen auf den Grund geht, entwickelt er gemeinsam mit seinem Team neue Ideen. Am Besprechungstisch in seinem Büro entstehen bei einer Tasse Kaffee Ansätze, die später im Labor auf ihre Anwendbarkeit geprüft werden. Arras hat dabei die Aufgabe, die Experimente anzuleiten, daraus Rückschlüsse zu ziehen und die weitere Vorgehensweise zu ermitteln. "Das größte Glücksgefühl ist es, wenn ich denke, dass ich einen Prozess verbessern kann und dann abwarte, ob ein Versuch gelingt", sagt Arras. Der Naturwissenschaftler muss dabei kreativ sein. Viele Einfälle hat er zum Beispiel beim Pendeln zwischen seinem Arbeitsplatz im Chempark und seinem Zuhause in Köln-Nippes: "Beim Autofahren habe ich die besten Ideen", sagt er.

Auf ihre Eignung werden die Ansätze dann im Labor überprüft. Um Abläufe größerer Anlagen zu simulieren, erfolgt der Transfer vom kleinen Labormaßstab auf sogenannte Miniplants. Dabei handelt es sich um große Anlagen im Miniaturformat oder der "Märklin-Variante", wie es Arras beschreibt. Schließlich muss sichergestellt werden, dass bei dem Betrieb einer großen Anlage — wie zum Beispiel der TDI-Anlage, die derzeit im Chempark entsteht — keine Probleme auftreten. Für diesen Aufwand gibt es weitere gute Gründe. "Unter anderem sollen die Prozesse so effizient wie möglich sein, damit die Produktion günstiger wird", sagt Arras. Zudem trage seine Arbeit dazu bei, dass die Herstellung umweltfreundlicher wird. So führt eine effizientere Produktion dazu, dass weniger Restmittel anfallen und auch die CO2-Emissionen verringert werden.

Um die Verfahren vor Ort in Augenschein nehmen zu können, ist Arras auch ein- bis zweimal im Jahr im Ausland. Nachdem der Chemiker von der Technischen Universität Darmstadt zu BMS wechselte, führte ihn die erste Reise ins spanische Tarragona. Seitdem kamen viele weitere Arbeitsreisen hinzu. So international wie die Standorte sind auch die Mitarbeiter von BMS in der Verfahrensforschung. "Die Zusammenarbeit mit ihnen schätze ich sehr", sagt Arras. Als positiv habe er es empfunden, dass er als Berufseinsteiger in einer Führungsposition anfangen konnte. Für den weiteren Berufsweg könnte sich der 32-Jährige die Arbeit als Betriebsleiter vorstellen. Auch eine Karriere im Patentwesen sei denkbar. Dass der Hesse in Sachen Fußball im Rheinland ankommt, ist hingegen eher unwahrscheinlich. Seine Sympathie gehört dem SV Darmstadt 98.

(NGZ)