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Dormagen: Der Elefant in der Bibliothek

Dormagen : Der Elefant in der Bibliothek

Knechtsteden Der erste Elefant, der je im Rheinland gesichtet wurde, ist in einem alten Folianten der alt-ehrwürdigen Bibliothek des Klosters Knechtsteden zu bewundern.

"Emblematum Ethico-politicorum Centuria" (Emblemenbuch der ethisch-politischen Jahrhunderte) lautet der Titel des Werkes, das 1629 geschrieben wurde und in Schweinsleder ge gebunden ist.

Ein Schatz unter vielen, den jetzt der Rektor der Knechtstedener Basilika, Pater Hermann-Josef Reetz, und Bibliothekar Heiner Gehrken ans Licht der Öffentlichkeit holen. Sonntag morgiwird der neu gestaltete Bibliotheks-Raum geweiht und offiziell seiner Bestimmung übergeben.

"Hier ist eine neue Perle im Geschmeide des Rhein-Kreises Neuss entstanden", sagt Reetz über die gut 120 Quadratmeter messende Bibliothek am Kreuzgang. Die alte, muffige Bücherei des Klosters wurde entkernt und neu gestaltet. Sie beherbergt jetzt die wertvollen Bücherschätze von 1490 - und damit aus der Zeit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg - bis 1800. Rund 3600 Bände bewahrt diese museale Bibliothek.

Darunter sind kostbare Raritäten. Das älteste Werk allerdings wird im Panzerschrank vor tatschenden Händen und Klimaschwankungen im Panzerschrank geschützt.

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Das Lielingsbuch von Pater Reetz ist ein Werk von 1548: Karl der Fünfte sieht, wie sein Reich auseinander bricht und die Kirche nichts dagegen unternimmt. Der Kaiser verfasst neue Reformvorschläge. Das Kompendium enthält diese Anregungen, die das Reich verändern sollten.

Ein weiterer Schatz ist eines der ersten gedruckten Bücher über die Architektur: "Ausführliche Anleitung zu der ganzen Civil-Baukunst, Augsburg 1777", das in weiten Teilen Europas für lange Zeit zum Standardwerk der Baumeister werden sollte. Aber auch das Kloster selbst ist beschrieben: "Die Fundatio Knechtstedensis" von 1723 beschreibt die Gründung des Klostersdurch die Prämonstratenser im Jahre 1130.

Einige Experten vermuten sogar, dass Teile des Nibelungenliedes in den alten Folianten verborgen sind. Sie glauben, dass die früheren Mönche weltliche Schriften wie die Nibelungen-Saga zerschnitten und mit den Papierstreifen ihre frommen Bücher geleimt und gebunden haben.

Ursprünglich umfasste die Bibliothek rund 85 000 Bände und diente vor allem der theologisch-philosophischen Hochschule der Spiritaner, die 1966 geschlossen wurde. Die Spiritaner hatten das Kloster 1895 übernommen. Ein Schwerpunkt lag auf theologischen Abhandlungen und Berichten aus den Missionsgebieten in aller Welt.

In mühsamer Kleinarbeit und mit viel Liebe zum Detail hat Bibliothekar Heiner Gehrken, ein früherer Immobilien-Manager, seit 2001 in dem Chaos der Klosterbücherei Ordnung eingeführt und mit Hilfe des Klosters, einiger engagierter Ehrenamtler und geschickter Handwerker ein wahres Schmuckstück geschaffen. Finanziert wurde der Umbau durch großzügige Spender und dem Erlös aus dem Verkauf überflüssiger Bücher .

Gußeiserne Säulen stützen die Statik, moderne Leuchten geben ein angenehmen Licht - die Besucher dürfen sich freuen, in diesem Saal auch Vorträge zu hören oder zu musikalischen Abenden zusammen zu kommen. Knechtsteden ist um eine Attraktion reicher.

Führungen für Gruppen und nach Anmeldung. Telefon 02133/8690

(NGZ)