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Sperrung der A57: Der Dauer-Kollaps ist programmiert

Sperrung der A57 : Der Dauer-Kollaps ist programmiert

Die A57 zählt zu den wichtigsten Verkehrsadern von Nordrhein-Westfalen. Muss sie gesperrt werden, droht dem Land endgültig der Stau-Infarkt. Schon jetzt stehen täglich Autofahrer in NRW im Stau – der ADAC spricht von 135.000 Kilometern im Jahr.

Seit der Nacht zum Dienstag geht nichts mehr. Weil eine Brücke einsturzgefährdet ist, bleibt die Autobahn 57 zwischen Neuss und Dormagen in beiden Fahrtrichtungen mindestens 24 Stunden gesperrt. Experten gehen inzwischen sogar davon, dass die Brücke eine Woche lang gesperrt bleiben muss.

Sollten sich die Annahmen bewahrheiten, wird der heutige Notstand für tausende Pendler zur Regel. Die Hauptschlagader am linken Niederrhein, die neben der A3 wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Köln und Düsseldorf, sie wäre abgeklemmt.

Stau in NRW schon ohne Sperrung an der Tagesordnung

Schon ein kurzer Blick in die Statistik verdeutlicht die zentrale Bedeutung der Strecke: Mehr als 100.000 Fahrzeuge sind darauf nach Angaben des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen täglich unterwegs. Auf 128 Kilometern Strecke finden sich 30 Anschlussstellen, acht Autobahnkreuze, zwei Raststätten. Stau ist auf der A57 im Berufsverkehr an Werktagen die Regel. Sie gehört zu den stauträchtigsten Autobahnen in Nordrhein-Westfalen. Besonders bei Neuss kommt der Verkehr auf den jeweils zwei Fahrspuren regelmäßig zum Erliegen. Zwischen den Kreuzen Meerbusch und Köln-Nord wird daher ein Ausbau auf sechs Fahrstreifen notwendig, der im Jahr 2005 begonnen hat.

Fällt die Autobahn 57 aus, müssen Autofahrer auf Parallel-Routen ausweichen. Doch die Nord-Süd-Achsen A1, A59, A61 und A3 sind schon jetzt chronisch überlastet. Die Polizei in Neuss geht davon aus, dass sich Pendler unter diesen Umständen darauf einstellen müssen, viel Zeit im Stau auf den Straßen zu verbringen. Schon am Dienstag zeigte sich: Der Rückstau erfasst auch die Landstraßen.

Mit 60.000 Staus trauriger Spitzenreiter

Noch mehr Stau in NRW. Dabei musste der ADAC schon zuletzt immer wieder mit neuen Rekordzahlen hantieren. 2011 ging er pro Jahr von 135.000 Kilometer Stau in NRW aus – 370 Kilometer Stau pro Tag. In Deutschland ist Nordrhein-Westfalen mit 60.000 Staus trauriger Spitzenreiter in Deutschland.

Verkehrsexperten nennen dafür drei Hauptursachen: Unfälle, Baustellen und Verkehrsdichte. In NRW kommen alle drei Faktoren zusammen: So stieg die Zahl der Autobahn-Unfälle mit Toten und Verletzten seit 2006 um mehr als drei Prozent. Zu den Unfallursachen zählen auch die rund 150 Autobahn-Baustellen, die den Verkehr in der Region derzeit behindern. Andreas Roth, Sprecher von Straßen NRW, sagt: "Die Verkehrsdichte bei uns ist europaweit einzigartig."

Schon jetzt pfeifen die Verkehrsmanager aus dem letzten Loch. Nahezu jedes Mittel ist recht, von dem sich eine Linderung der Not erhoffen lässt. Angedacht war 2011 etwa eine einheitliche Geschwindigkeitsbegrenzung. Die Verkehrsplaner von Straßen NRW arbeiten daran, die Verkehrsleitung mit digitalen Hinweistafeln und Ampeln an den Auffahrten zu optimieren. Auch die Diskussion um eine Pkw-Maut ist noch längst nicht beendet.

Das Fazit von Werner Kühlkamp, Verkehrsexperte der Industrie- und Handelskammer in NRW, mit Blick auf die Verkehrssituation fällt eindeutig aus: "Wir sind das Stauland Nummer eins", lautet sein Urteil in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Milliardenkosten für die Wirtschaft

Das aber kostet nicht nur Zeit und Geduld, sondern auch bares Geld. Kühlkamp geht von massiven, staubedingten Benachteiligungen der Wirtschaft aus. "Wenn nichts mehr geht auf den Straßen, gerät irgendwo ein logistischer Ablauf ins Stocken", sagt Kühlkamp. Experten rechnen mit einem jährlichen Verlust von 60 bis 100 Milliarden Euro für deutsche Wirtschaftsunternehmen. "In NRW können wir von zwölf bis 20 Milliarden Euro Verlust ausgehen", meint der IHK-Verkehrsexperte.

Die Perspektiven sind nicht dazu geeignet, Pendler frohlocken zu lassen. Bis 2020 soll allein der Güterverkehr in NRW um 80 Prozent steigen. Der ADAC forderte vor diesem Hintergrund den Ausbau weiterer Autobahnkreuze, um Rückstau zu verhindern. "Wenn die Politik keine Antwort auf die aktuelle Problematik findet, wird NRW ein massives Standortproblem bekommen", prognostizierte damals Werner Kühlkamp.

(pst)