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Erik Lierenfeld: "Der Bürgermeister muss motivieren"

Erik Lierenfeld : "Der Bürgermeister muss motivieren"

Beim Talk auf dem blauen NGZ-Sofa in der VR Bank verriet SPD-Bürgermeister-Kandidat Erik Lierenfeld den 50 Gästen neben Persönlichem auch, wie seine Ziele für die Kommunalwahl sind und welche Qualifikationen der Bürgermeister haben muss.

Herr Lierenfeld, Sie sind 27 Jahre alt. Warum möchten Sie nicht 2025 Bürgermeister werden, sondern jetzt?

Erik Lierenfeld Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, habe ich das Gefühl, einiges verändern zu können. Ich möchte das Leben in Dormagen aktiv gestalten. Fünf Jahre habe ich als Vize-Bürgermeister vieles kennengelernt, was ich jetzt anwenden möchte. Nachdem Genossen mich angesprochen haben, ist meine Entscheidung gereift: Das kannst Du, und das möchtest Du machen.

Wie ist die Entscheidung Ihrer Kandidatur genau gefallen?

Lierenfeld Die SPD hat voriges Jahr eine Findungskommission eingerichtet, der ich am Anfang auch angehört habe. Das gehört als Stadtverbands-Vorsitzender auch zu meinen Führungs-Aufgaben. Als dann klar war, dass ich ein potenzieller Kandidat bin, habe ich mich aus der Kommission zurückgezogen. Während meiner Teilnahme ging es nur um Qualifikationen, als es konkret auch um meine Person ging, war ich dann nicht mehr mit dabei.

Welche Qualifikationen muss ein Bürgermeister denn haben?

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Lierenfeld Es ist förderlich, wenn man weiß, wie Verwaltung funktioniert. Als Diplom-Verwaltungswirt habe ich das gelernt. Wichtig ist ein positives Menschenbild und die Wertschätzung der Bürger. Der Bürgermeister muss Menschen miteinander verbinden: in der Verwaltung, im Stadtrat und in der Bürgerschaft. Er muss Menschen motivieren und führen können.

Sie sind jung. Ist das ein Vorteil oder eher ein Nachteil?

Lierenfeld Das Alter ist nicht entscheidend. Wenn Sie in ein Flugzeug einsteigen, fragen Sie ja auch nicht, wie alt der Pilot ist. Wichtig ist es, die Menschen mitzunehmen. Der Vorteil der Jugend ist, auch mal eigene Wege zu gehen, statt in Strukturen verhaftet zu sein.

Bürgermeister sein ist mehr als nur repräsentieren wie als Vize-Bürgermeister. Sind Sie darauf vorbereitet?

Lierenfeld Ich muss täglich als Führungskraft im Jobcenter Mitarbeiter leiten und Entscheidungen treffen. Auch jetzt habe ich meine Arbeit, dazu das Ehrenamt des Vize-Bürgermeisters und die Führung der Dormagener SPD mit weit über 300 Mitgliedern.

Ihre Freizeit kann nicht üppig ausfallen. Fühlen Sie sich zu verplant?

Lierenfeld Nein, da bleibt noch Raum für Spontanität. Und mir macht das, was ich mache, sehr viel Spaß. Ich mag Begegnungen mit Menschen und bin ein Vereinsmeier, in ca. 25 Vereinen bin ich Mitglied. Für meine Familie, meine Eltern und meine vier Geschwister, habe ich aber immer Zeit. Ich bin glücklicher Single. So muss ich die zahlreichen Termine zurzeit auch nicht mit einer Partnerin abstimmen. Das würde es sicherlich etwas schwieriger machen.

Sie haben im Jobcenter Neuss den Mord an Ihrer Kollegin erlebt. Wie haben Sie das verarbeitet?

Lierenfeld Das war eine sehr schlimme Krise für mich, die mich sehr erschüttert hat. Die ermordete Kollegin kannte ich gut. Zwar war ich am Mordtag nicht dort, bin aber danach eingesprungen, als Kollegen gesucht wurden, die am nächsten Tag im Kundenbereich arbeiteten. Zwei Tage habe ich nur funktioniert, dann habe ich mir selbst Seelsorge geholt, um es zu verarbeiten. Verdrängen wäre falsch, inzwischen habe ich es verarbeitet, auch wenn mich die Krise geprägt hat.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Lierenfeld Ich habe immer gern diskutiert. Darunter mussten früher meine Eltern leiden. Dazu habe ich gern Verantwortung übernommen, als Schülersprecher mitgestaltet und organisiert. Das wollte ich auch in der Politik — mit einem Schulfreund wollte ich sogar eine eigene Partei gründen, was an den Hürden scheiterte. 2004 hat mich dann das Wahlprogramm der SPD überzeugt, dass die Partei für Jugend aufgeschlossen ist. Bei der Stichwahl, die Heinz Hilgers gewonnen hatte, war ich als neuestes Mitglied dabei.

Sie sind im Moderatoren-Pool der Bundes-SPD. Wie kam es dazu?

Lierenfeld Als Absolvent der Kommunalakademie habe ich mich beworben, und durch meine Erfahrung als Moderator bei Stadt- und Integrationsratsfesten kam ich zum Casting in Berlin. Aus 15 Bewerbern wurden acht ausgewählt, die dann an einem Wochenende erklärt bekamen, was sie alles falsch machen... Mit Peer Steinbrück vor 4500 Leuten in Münster aufzutreten, war eine tolle Erfahrung.

Welche Ziele haben Sie für die Kommunalwahl am 25. Mai?

Lierenfeld Ich will Bürgermeister werden. Und die SPD wird eine starke Fraktion werden — mit einem besseren Ergebnis als bei der Kommunalwahl 2009.

Da hatte die SPD aber nur 27 Prozent. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Lierenfeld Wir haben als SPD gute fachliche Arbeit geleistet, stellen uns der Verantwortung. Wir sind gut aufgestellt, haben ein tolles Team und ein gutes Wahlprogramm.

Wer werden Ihre Koalitionspartner? Denn die werden Sie brauchen.

Lierenfeld Sicher. Ich bin nicht so vermessen, eine absolute Mehrheit für die SPD anzunehmen. Die wird allerdings auch keine andere Partei erreichen. Wir werden nach der Wahl über Partner und sachliche Übereinstimmungen sprechen.

Klappt die Haushaltsentlastung, wie im Haushaltssicherungskonzept geplant, schon 2018?

Lierenfeld Das ist fraglich. Das Gewerbegebiet Silbersee muss kommen, allerdings darf das nicht der einzige Ansatz bleiben.

Was möchten Sie gegen das strukturelle Defizit von fünf Millionen Euro tun?

Lierenfeld Nach der Wahl machen wir einen großen Kassensturz. Die Stadt setzt ihr Geld nicht überall richtig ein. Manchmal ist es günstiger, wie beim erfolgreichen Dormagener Modell, mehr Geld in Prävention zu stecken, um dann Kosten zum Beispiel bei der Heimunterbringung zu sparen. Auch mit interkommunaler Zusammenarbeit lassen sich Kosten senken. Zudem möchte ich kreative Spar-Ideen der Verwaltung fördern.

CARINA WERNIG FASSTE DAS INTERVIEW ZUSAMMEN.

(NGZ)