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Dormagen: Der Bienenfreund

Dormagen : Der Bienenfreund

Alfred Reimer aus Nievenheim ist seit mehr als 30 Jahren Hobby-Imker – und immer auf dem neuesten Stand der Bienenzucht. Am Herzen liegt ihm, Kindern Wert und Bedeutung der Bienen zu vermitteln.

Bei diesem Wetter ist sogar Alfred Reimer etwas vorsichtiger als sonst. Bei seinen Bienen kommt die Schwüle auch nicht gut an – aber wer nicht gerade permanent in der Einflugschneise der Bienenstöcke steht oder sich laut und hektisch den Bienen nähert, kann völlig entspannt in nächster Nähe der Honigproduzenten stehen und ihnen bei der Arbeit zuschauen. Zufrieden beobachtet Alfred Reimer das Treiben rund um seine neueste Errungenschaft: Im Winter hat der 75-Jährige, dessen Bienen überwiegend an der alten Kläranlage in Nievenheim und an der Ausbürgerungsstation auf dem Gelände der Ehemaligen Mülldeponie am Ortsausgang stehen, einen neuen Bienenstock gebaut. Beim so genannten "Oberträger-Bienenkasten" handelt es sich um einen Hohlraum mit schrägen Wänden, der einfach herzustellen ist. Das Vorbild für diese Form der Bienenhaltung kommt aus Äthiopien.

Auf dem Hohlraum liegen 28 schmale Holzscheite, an die das Bienenvolk seine Waben andockt – nach dem immer gleichen, perfekten Bauplan. "Mit nur zehn bis zwölf Tagen beginnt eine Honigbiene, mit dem Wachs aus dem eigenen Körper Waben zu bauen. Aus 100 Gramm Wachs macht eine Biene 8000 Zellen mit etwa 125 000 Plättchen", rechnet Reimer vor.

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Seine Faszination teilen nicht nur die 25 Bienenliebhaber aus dem Nievenheimer Imkerverein, sondern weitere 81 000 Kollegen in Deutschland, die 600 000 Bienenvölker halten. Viel? "Wir produzieren in Deutschland nur 20 Prozent des Honigs, den wir verbrauchen", sagt Reimer. Zur wichtigsten Aufgabe der Imker gehört der Schutz der Tiere – vor allem vor der Varroa-Milbe, die ein Grund ist für das gehäuft auftretende Bienensterben. 20 Prozent der Völker haben den letzten Winter nicht überlebt. Die Milbe aber ist nur ein Feind der Bienen. Monokulturen aus Raps- oder Maisfeldern, die Bienen keine Nahrung bieten, ein anderer. "Wir Imker müssen nachfüttern, weil die Blüten fehlen. Geschwächte Bienen aber sind anfälliger für Krankheiten", sagt Reimer. Bei aller Sorge: Er weiß auch von der Produktivität und Energie der Bienen zu berichten, von ihrer faszinierenden Arbeitsteilung, die er gerne Kindern erklärt.

Gestern besuchten zehn junge Dormagener Umwelt-Scouts den Imker. Reimer erklärt ihnen die Unterschiede zwischen Bienen, Wespen und Hornissen und lässt sie Pollen probieren. Danach führt er seine neue Bienenunterkunft vor. Ohne jeden Schutz hebt er die Hölzer mit den Waben an, auf denen sich tausende Bienen tummeln, ein einziger, großer Organismus. "Die Biene", sagt er, "steht über allem."

(NGZ)