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Dormagen: Der beste Zons-Kenner aus der Eifel

Dormagen : Der beste Zons-Kenner aus der Eifel

Als Nachtwächter führt der Zonser Karl-Heinz Stumps Besucher durch die ehemalige Zollfeste. Gebürtig kommt Stumps von der Mosel. Während seiner Jahre in Dormagen ist er jedoch zum ausgewiesenen Zons-Experten geworden.

Ein Besuch im Haus von Karl-Heinz Stumps in Zons versetzt die Gäste sofort in die Vergangenheit der Zollfeste zurück: Bilder des alten Zons zieren die meisten Wände. Sie zeigen die ehemaligen Zonser Mühlen und Ansichten auf die mittelalterliche Zollfeste von den Rheinwiesen aus. Karl-Heinz Stumps kann zu vielen dieser Zeichnungen und Malereien seiner Wahlheimat eine eigene Geschichte erzählen. Seit er 1968 nach Zons kam, hat er den im Mittelalter bedeutenden Ort kennen und lieben gelernt wie nur wenige andere. Als Nachtwächter und Stadtführer gibt Stumps sein Wissen über das alte Zons mit Begeisterung weiter — auch nach inzwischen 13 Jahren Führungen.

Karl-Heinz Stumps sitzt zurückgelehnt in seinem großen Sessel im Wohnzimmer. Der 73-Jährige lässt keinen Zweifel daran, dass er Zons ganz genau kennt. Dabei kam der gebürtige Moselaner erst durch die Arbeit nach Dormagen. "Ich habe bei Bayer im Labor gearbeitet. Als dann durch die Ölkrise Stellen abgebaut wurden, bin ich zur Zuckerfabrik gewechselt", blickt er auf sein Arbeitsleben zurück.

Für Geschichte interessierte sich Stumps schon immer. "Ebenso für alte Berufe", sagt er und schaut über die Terrasse hinaus in den Garten. Dort bewahrt er einen Teil seiner eigentlichen Heimat auf. "Ich sammele Artikel aus alten Handwerksberufen", erklärt er.

Vorrichtungen, um volle Weinfässer mithilfe einer Winde aus Kellern zu ziehen, ein Holzbottich als traditioneller Gärbehälter sowie Werkzeuge und Hilfsmitteln aus anderen Handwerksberufen finden sich in Stumps Garten. Dass er Rentner ist, ist dem 73-jährigen Ehemann nicht anzumerken.

Die Liste der Hobbys des ehrenamtlichen Denkmalschutzbeauftragten der Zollfeste erinnert eher an eine Vollzeitbeschäftigung. Für Stumps sind diese Hobbys Berufung. "Ich habe die Kultur- und Heimatfreunde Stadt Zons mitgegründet und dann schnell Anschluss gefunden", berichtet er. Stumps hat gelesen und gelesen, viele Informationen, Hintergründe und Anekdoten in Gesprächen aufgeschnappt.

"Beschäftigt habe ich mich besonders mit dem Rhein, dem Zons viel zu verdanken hat", erinnert er an die Bedeutung der Stadt als Standort des Rheinzolls im Mittelalter. Aber auch der Kölner Erzbischof Friedrich von Saarwerden, der nun als Statue vor dem Rheintor steht, hat Stumps interessiert.

"Während meiner Führungen erzähle ich auch über das Nachtwächterwesen im Allgemeinen über vergangene Brände, Pest, Landwirtschaft sowie den 30-jährigen Krieg", erläutert er. Schreitet Stumps durch die mittelalterlichen Mauern von Zons, geschieht dies stets mit wachem Blick. "Der Denkmalschutz ist mir wichtig. Sehe ich Stellen, an denen Handlungsbedarf besteht, informiere ich den Denkmalschutzbeauftragten der Stadt, Jürgen Waldeck", sagt der Zons-Kenner, der auch im Rahmen der Lebenden Krippe aktiv ist und das Mundarttheater leitete. "Da sollen nun aber jüngere ran", meint Stumps und ergänzt: "Ich habe mich etwas zurückgezogen, organisiere aber weiterhin einiges", erklärt er.

Karl-Heinz Stumps Engagement für seine Wahlheimat Zons scheint jedoch nur wenig gebremst. "Ist kein Geld vorhanden, reinigen wir auf private Initiative hin zum Beispiel den Wehrgang", sagt der sachkundige Bürger des Kulturausschusses des Rhein-Kreises Neuss. "Den Politikern dort bin ich schon das ein oder andere Mal auf den Senkel gegangen. Doch nur wenn man lange genug bohrt, dann kommt man auch durch", weiß Stumps. Gebohrt hat er vor allem für den Denkmalschutz des Ortes, der ihm so viel bedeutet. "Zons liegt mir fast schon zu sehr am Herzen", gesteht der 73-Jährige.

(NGZ/url)