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Dormagen: Delhovenerin besitzt 202 Kaffeemühlen

Dormagen : Delhovenerin besitzt 202 Kaffeemühlen

Seit 20 Jahren frönt Andrea Nelsen ihrem liebsten Hobby: Sie sammelt Kaffeemühlen. Mehr als 200 der drehbaren Kunstwerke aus Holz, Keramik oder Metall stehen bei der Delhovenerin im Regal. Fast alle funktionieren noch.

Der Großmutter aus Otfried Preußlers Kinderbuch-Klassiker "Der Räuber Hotzenplotz" sieht Andrea Nelsen nicht ähnlich: Und zum Glück hat ihr auch noch kein Räuber die Kaffeemühle aus den Händen gerissen. Allerdings hätte sie in dem schlechten Fall eines Raubs — anders als Kasperls Oma — auch immer eine weitere Mühle als Ersatz zur Hand. Denn Andrea Nelsen sammelt seit 20 Jahren Kaffeemühlen aller Form und Farbe. Seit vorigem Wochenende hat sie genau 202 Exemplare.

Angefangen hat es mit der ersten Kaffeemühle, die ihr Mann Ludwig ihr schenkte, als dann die zweite dazukam, "begann das Elend", erklärt Andrea Nelsen lachend. Denn dann hatte sie die Sammelleidenschaft gepackt — und sie schaut intensiv auf Trödel- und Antikmärkten in der Umgebung nach neuen "Schätzchen". Stolz zeigt die 56-Jährige ein Schnäppchen: "Die hier habe ich auf acht Euro heruntergehandelt", sagt Andrea Nelsen, deren Tochter Heike (29) sie begleitet und für ihre Mutter mithandelt. Dafür schaut die dann nach Geißböcken und Trikots vom 1. FC Köln, der großen Leidenschaft ihrer Tochter. Wenn es ihr zu teuer wird, fragt sie die Händler, ob sie nur ein Foto machen kann.

"Wir sind schon überall bekannt", berichtet Andrea Nelsen davon, dass viele Händler für sie schon eine neue Kaffeemühle bereitliegen haben, um sie ihr zu präsentieren. Aber nicht bei allen "schlägt" sie zu, sondern schaut nach bezahlbaren, besonders schönen Stücken, die zu ihrer Sammlung passen. Und die stellt sie in "Öhrchens Kaffeestube" aus, so heißt ihr Sammelzimmer, in dem fünf Regale die Mühlen gerade noch aufnehmen können. "Ich überlege schon, ob ein weiteres Regal ins Zimmer passen würde", sagt die Sammlerin, die verschiedene Mühlen aus Deutschland, den Niederlanden, Tschechien und Frankreich besitzt.

Fast alle Kaffeemühlen funktionieren, allerdings hat sie noch keine von den 202, von denen nur zwei doppelt sind, auch benutzt: "Ich trinke zwar gern Kaffee, mahle ihn aber nicht auf einer meiner Mühlen", erklärt Andrea Nelsen: "Die sind nur zum Angucken und erfreuen." Bei einigen Kaffeemühlen wäre eine Zubereitung allerdings auch unmöglich: Auch kleine Spitzer, Puppenstuben-Zubehör und Setzkasten-"Stehrümchen" in Form einer Kaffeemühle sind bei der Delhovenerin zu finden.

Bunte Blumenmotive im Keramikgehäuse stehen ebenso wie blau-weiße Kachel-Mühlen, metallene Versionen und uralte Holzmodelle auf den Regalen oder hängen an der Wand, auf der die Tapete natürlich auch ein Kaffee-Motiv zeigt. Bei den wenigsten Kaffeemühlen weiß Andrea Nelsen, wie alt sie sind. Eine von 1823 ist verbürgt, das Alter anderer ist durch Schenkung, Erbschaft und Verkauf nicht nachzuvollziehen. "Das macht aber nichts, da es mir vor allem auf die Schönheit und Besonderheit der Mühlen und nicht auf den Wert ankommt", betont die Sammlerin, die in Köln geboren wurde und seit 27 Jahren mit ihrer Familie in Delhoven lebt. Die gelernte Arzthelferin fährt gern Fahrrad und fotografiert leidenschaftlich gern — vor allem Menschen, aber auch Landschaften und besondere Naturstimmungen.

Nur ab und zu wünscht sich Andrea Nelson doch ein anderes Hobby: Dann, wenn sie spätestens jedes Vierteljahr nicht nur mit dem Staubwedel über die Regale geht, sondern jede einzelne Kaffeemühle putzt, die Schrauben lockert und wieder glänzend ins Regal packt. "Das ist viel Arbeit, aber danach strahlen meine Mühlen wieder so schön", sagt die Sammlerin.

(NGZ)