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Dormagen: Deichgräf hilft Barschel-Witwe

Dormagen : Deichgräf hilft Barschel-Witwe

Der Tod des ehemaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel wird derzeit wieder aufgerollt. DNA-Spuren könnten dem Fall eine neue Wendung geben. Barschels Ehefrau Freya hat nun einen Dormagener um Hilfe gebeten.

Das Bild hat sich im kollektiven Gedächtnis fest eingebrannt: Ein Mann — weißes Hemd, dunkle Krawatte — liegt in einer Badewanne, als schliefe er. Seine Augen sind geschlossen, der Mund ist geöffnet, sein Kopf leicht zur Seite geneigt. Entstanden ist das Foto im Genfer Hotel Beau-Rivage, Es ist das Jahr 1987, und der Mann schläft nicht, er ist tot. Sein Name: Uwe Barschel, ehemaliger Ministerpräsident von Schleswig-Holstein.

Foto: Beau Rivage, Genf

Wie Barschel sein Leben ließ, wurde nie richtig aufgeklärt, doch in diesen Tagen, nach fast 25 Jahren, wird der Fall neu aufgerollt. Ermittler haben die DNA eines Unbekannten auf der Kleidung des Toten sichergestellt.

"Barschel wurde umgebracht"

Für Eduard Breimann, Deichgräf in Dormagen und Autor des Barschel-Buchs "Das Projekt Hannibal", ist klar: "Barschel wurde umgebracht, für das Foto in der Badewanne wurde er drapiert." Ursprünglich habe der Tote mit dem Gesicht im Wasser gelegen. Die Selbstmord-Theorie will Breimann anhand verschiedener Fakten widerlegen. Zu dem Zeitpunkt, als Uwe Barschel der Giftcocktail verabreicht worden sei, sei er schon völlig kraft- und willenlos gewesen, glaubt Breimann. Das habe auch die Obduktion ergeben. "Unerträglich" für Breimann: Der Leichnam sei noch vor der Obduktion geschminkt worden.

Inzwischen hat auch Barschels Witwe Freya den Kontakt zu dem Dormagener gesucht. Vor einer Woche habe er einen Brief erhalten, berichtet Breimann. Frau Barschel habe ihn darin gebeten, ihr die Ergebnisse seiner Recherche für "Das Projekt Hannibal" zur Verfügung zu stellen. Auch in den kommenden Tagen wolle er wieder mit Freya Barschel telefonieren.

Auch heute noch glaubt Eduard Breimann, dass der israelische Geheimdienst Mossad Barschel getötet hat. Demnach soll sich der damalige Ministerpräsident gegen die "Operation Hannibal" gesperrt haben, gemeint war damit die Lieferung von Flugzeugteilen an den Iran, um diesen im Kampf gegen den Irak zu unterstützen. Außerdem habe Barschel der Ausbildung iranischer Piloten durch Israel auf einem still gelegten Sportflughafen in der Nähe von Kiel ein Ende setzen wollen. Breimann glaubt gar: "Der Mossad durfte nicht alleine entscheiden, wer eliminiert wird, das musste der damalige israelische Ministerpräsident unterschreiben." Auch der Journalist Werner Kalinka, der die Untersuchungen wieder angestoßen hat, hat Verdachtsmomente in diese Richtung. Er hinterfragt, warum der damalige Mossad-Agent Victor Ostrovsky nicht verhört worden sei. Der hatte in einem Buch von Verwicklungen des Mossad gesprochen.

Eduard Breimann, der für seine Recherche selbst im Hotel Beau-Rivage war, hat noch ein weiteres morbides Detail in Erinnerung: "Kaiserin Sissi ist auch in diesem Hotel gestorben, ihr blutiges Kleid wird im Foyer noch ausgestellt."

(NGZ)