Dormagen: Das Zonser Waschweib

Dormagen : Das Zonser Waschweib

Sie ist ein Zonser Original, hat reichlich Bühnen- und auch Fernseherfahrung. Als Waschweib wird Angelika Dappen ab April Führungen durch Zons anbieten. Anekdoten und Fakten wird sie präsentieren – und das in Mundart.

Ihre erste Rolle spielte sie bereits im Kindergarten. Da musste sie allerdings nicht viel Text lernen. Denn Angelika Dappen war eine Sonne, schön gelb und strahlend. Auch in der Schule gehörte die heute 55-Jährige stets zu denen, die etwas vortrugen. Sich ohne Scheu und Lampenfieber vor vielen Menschen hinzustellen und etwas zum Besten zu geben, das lag ihr einfach im Blut. Und mit Mundart ist sie groß geworden. "In unserem Haushalt lebten meine Oma und meine Tante. Die sprachen nur Mundart", erzählt Angelika Dappen. So sind sie und ihre vier Geschwister "zweisprachig" aufgewachsen – eben mit Mundart und Hochdeutsch, worauf die Mutter viel Wert legte.

In den Genuss ihres komödiantischen Talents kamen lange nur Freunde und Verwandte bei Feiern. Mit Anfang 40 dann trat die Mittfünfzigerin erstmals im Zonser Karneval bei der Sitzung der kfd auf, zunächst mit tänzerischen Einlagen, dann gemeinsam mit ihrer Schwester Christa als Frau Reinlich und Frau Schmuddelich. Auch als Brautpaar oder als zwei Damen auf Wellness-Tour ernteten die Schwestern viel Beifall. Schließlich übernahm Angelika Dahmen den Vorsitz der kfd, elf Jahre lang. "Nebenbei" war sie aber auch im Mundarttheater der Zonser Kultur- und Heimatfreunde aktiv. "Wenn Karneval vorbei war, gingen die Proben fürs Theater los", berichtet die Zonserin. Alle zwei Jahre ein neues Stück, das sie als Mundartexpertin für die weniger Geübten in Lautschrift umschrieb, damit die die Texte besser lernen konnten. Zusätzlich hatte sie Auftritte in Fernsehproduktionen wie "Das Strafgericht" oder "Ritas Welt", nachdem sie beim "RTL-Familienduell", wo sie gemeisam mit ihren Geschwistern aufgetreten war und gewonnen hatte, in die Liste einer Casting-Agentur gewandert war.

Vor vier Jahren beschloss die Mutter zweier erwachsener Söhne, kürzer zu treten und sich mehr um ihr Privatleben zu kümmern. Denn einen Büroservice bietet die ausgebildete Kauffrau auch an. Nach vier Jahren "Pause" entschied sie sich, bei den Zonser Kultur- und Heimatfreunde aktiv zu werden. Und dort übernahm sie im vergangenen Jahr direkt den Vorsitz. Im Vorstand wurde schließlich auch die Idee geboren, Mundartführungen anzubieten. Als es darum ging, wer denn dafür geeignet sei, lag die Antwort auf der Hand. Jetzt ist das Kostüm fertig, das Frühlingswetter da, die erste Führung geplant. Doch warum als Waschweib? "Die Waschweiber arbeiteten früher in Zons auf dem jetzigen Kirmesplatz", erklärt Angelika Dappen, "dem Bleichplatz". Wenn die Wäsche dort zum Trocknen ausgebreitet war, war genug Zeit zum Tratschen – "Häste schon jehoht? ..., und los ging's. Und Angelika Dappen kann einiges zum Besten geben, historische Fakten sind übrigens auch dabei.

(NGZ)