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Zons: Das Zonser Dreigestirn bastelt Orden selbst

Zons : Das Zonser Dreigestirn bastelt Orden selbst

Karnevalsorden sind stets Unikate, in Zons werden sie von den Tollitäten sogar selbst hergestellt. 600 dieser Orden werden verliehen.

Sie blinken und blitzen – Karnevalsorden sind immer eine Zierde. Überall sind es Unikate, die an jecken Hälsen baumeln, bestimmt von den Tollitäten oder den Karnevalsgesellschaften. In Zons werden die Orden sogar vom Dreigestirn höchstselbst produziert, durch ihre "Töpfer-Optik" stechen sie aus den anderen strahlenden Orden heraus. Insgesamt 600 Exemplare bringen Prinz Markus Extra, Bauer Stephan Zelder und Jungfrau Markus "Marcia" Voigt unters närrische Volk.

"Die Pappnase ist so immer dabei", erklärt der närrische 33 Jahre alte Prinz Markus I. die Eigenkreation: Der Zonser Rheinturm mit runder, roter Nase und grinsendem Gesicht ist in dieser Session nicht nur das Logo der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß "Feste Zons", sondern auch das Motiv des Dreigestirn-Ordens. Jedes Tollitäten-Trio sucht sich ein Wahrzeichen Zons aus, so gab es auch schon mal die Skyline von Zons und das Kapellchen. Zum ersten Mal wurden die Sessionsorden auf dem CDU-Neujahrsempfang in der Pfarrscheune verliehen, jetzt am Wochenende mit Gardefestival, Kinderkarneval und Schlüsselübergabe wechseln mehr als 200 Zonser Orden den Besitzer.

Entstanden sind sie bereits in der Vorweihnachtszeit: Während andere Zonser Plätzchen gebacken haben, trafen sich Prinz Markus I., Bauer Stephan und Jungfrau Marcia an mehreren Abenden, um die traditionell handgefertigten Sessionsorden herzustellen. "Das hat Spaß gemacht, während des Bemalens konnten wir auch das Wurfmaterial besprechen", sagt Bauer Stephan Zelder (40) mit Blick auf die Vorbereitungen. Mit einem Holzrohling wurde das Motiv als Negativ in Silikonmasse gedrückt. Mit Abdruckmasse erhielten die Rheintürme ihre jetzige Form und mussten nach dem Aushärten noch lackiert und mit roter Nase versehen werden.

Die Geschichte der "Töpferorden" entstand Ende der 1970-er Jahre. Damals sei es üblich gewesen, dass das Prinzenpaar durch Vater und Tochter Zonser Familien gestellt wurde, wie Dörthe Zelder, Pressereferentin der KG Rot-Weiß Feste Zons, berichtet: "Auf die Frage, wie es mit der finanziellen Belastung durch die Karnevalswürde stehe, wurde den Anwärtern stets mitgeteilt ,Et sull nit mieh wie e joot Fahrrad koste!'" Da mehrere hundert Orden an verdiente Karnevalisten, Freunde und Familie verteilt wurden, kamen Waltraud und Stephan Nüsing sowie der ehemalige Präsident der KG, Peter Schrills, die alle das Töpferhandwerk beherrschten, auf die Idee, die Auszeichnungen eigenhändig herzustellen.

Schnell wurde aus den Töpferabenden, die meist in den Werk-Kellern der Schulen und Kindergärten stattfanden, gesellige und lustige Stunden im Kreise der Helfer. Die ursprüngliche Gipsform, die als Vorlage für die Töpferorden diente, wurde in jedem Jahr beim Fischessen der KG demonstrativ vom Prinzenpaar zerschlagen. "So wurde sichergestellt, dass die Sessionsorden, deren Motive traditionell Zonser Sehenswürdikeiten oder Embleme sind, auch Unikate bleiben", sagt Dörthe Zelder.

Heute wird die Zollsfeste durch Prinzenpaare oder Dreigestirne regiert, allerdings pflegen alle gern auch weiterhin die Tradition, die Orden in Handarbeit herzustellen. "Die Auszeichnung der Zonser Tollitäten sticht durch ihre einzigartige Machart aus der Masse der maschinell hergestellten Orden heraus", meint Dörthe Zelder: "So wurde aus einer Entscheidung, die einst aus Kostengründen getroffen wurde, heute ein Kultobjekt."

(NGZ)