In Dormagen werden 600 Stellen abgebaut: "Das wird ganz bitter für viele Familien"

In Dormagen werden 600 Stellen abgebaut : "Das wird ganz bitter für viele Familien"

Von Chris Stoffels

Von Chris Stoffels

Die Bayer AG baut im Zuge der weltweiten Restrukturierung in Dormagen noch bis zum Jahresende 2005 insgesamt 600 Stellen ab. Das bestätigte Bayer-Personalvorstand Dr. Richard Pott auf Anfrage der NGZ. Damit wird jeder zehnte Arbeitsplatz im Werk eingespart. Der Dormagener Betriebsratsvorsitzende Karl-Josef Ellrich sieht es gelassen: "Das ist weitgehend normale Fluktuation." Im Dormagener Bayerwerk fällt jeder zehnte Arbeitsplatz fort.

Eine bittere Pille, die Personal-Vorstand Dr. Richard Pott in der Leverkusener Konzernzentrale auf Anfrage bestätigt. Damit konkretisiert er die Zahlen, die seit geraumer Zeit in Rede stehen: Ein Abbau von 12.000 Stellen weltweit bis Ende 2005 - Bayer beschäftigt insgesamt rund 120.000 Mitarbeiter. In der deutschen Bayer AG werden 5.500 Stellen eingespart, die 600 für Dormagen ist laut Pott immer noch eine "Schätzzahl" ohne konkrete Spezifizierung.

Es ist kein Geheimnis mehr, dass Bayer Industry Services 190 Stellen abbaut, die Bayer Polymers von konjunkturellen Entwicklung stärker betroffen ist als andere Betriebe wie zum Beispiel der Pflanzenschutz der CropScience. Das Leverkusener Werk muss 3.100 Beschäftigte abbauen, Uerdingen ist mit 1.100 Mitarbeiter betroffen, Wuppertal mit 500 Mitarbeiter und Brunsbüttel mit 200 Beschäftigten. Über dieses Paket ist Pott zufolge mit dem Gesamtbetriebsrat Einigkeit erzielt worden.

Laut Pott ist die Bayer AG auch über das Ende der Standortsicherungs-Vereinbarung Ende kommenden Jahres hinaus bemüht, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Mehr noch: "Wenn die Rahmenbedingungen es zulassen, werden wir über die Verlängerung der Standortsicherungsvereinbarung verhandeln." Zeitliches Fenster dafür: Frühestens Ende diesen Jahres. Altersteilzeit, Frühpensionierung, Teilzeit-Arbeit - das Unternehmen wird das gesamte Instrumentarium aufbieten, um die Zielzahlen zu erreichen.

Nach den Worten des Personalvorstands kommt es jetzt darauf an, die globale Wettbewerbsfähigkeit von Bayer zu behaupten. Und das werde zunehmend schwieriger angesichts der weltweiten Konkurrenz. "Wir nähern uns in einigen Märkten in der chemischen und der Pharma-Industrie der Sättigung." Dennoch gelte weiterhin die Maxime: "Durch den Stellenabbau können wir auch weiterhin vielen Menschen sichere Arbeitsplätze bieten."

Und weiter: "Wir hoffen, irgendwann wieder neue Stellen schaffen zu können." Schließlich hebt Pott hervor, Bayer bilde mit 800 Lehrlingen weit über den Bedarf von 500 Plätzen aus. Auch die Unternehmensleitung sieht derzeit eine "schwierige Zeit" für die Belegschaft, zum einen hervor gerufen durch den Stellenabbau, zum anderen durch die Neuausrichtung des Konzerns auf die Holding und die vier selbständigen AG, den Geschäftsfeldern HealthCare, CropScience, Polymers und Chemicals.

Dabei müsse auch Abschied genommen werden von manchem, was langjährige Mitarbeiter unter dem Begriff "Altes Bayer" verstehen. Es gelte, sich weiter und intensiver für den Weltmarkt zu wappnen. Der Stellenabbau bei Bayer sei im übrigen ein langfristiger Entwicklungsprozess: Bereits in den vergangenen 15 Jahren sind rund 20.000 Arbeitsplätze in der AG abgebaut worden, Stellen die aber zum Teil nach dem Outsourcing unter anderer Flagge erhalten blieben.

Für den Dormagener Betriebsratsvorsitzenden Karl-Josef Ellrich, auch Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat, stellt sich die genannte Zahl als nicht so dramatisch dar. Es sei bereits eine Reihe von Mitarbeitern ausgeschieden, das Restprogramm sei überschaubar, weitgehend durch Fluktuation zu erreichen. "Das ist ganz bitter für viele Dormagener Familien", so Bürgermeister Reinhard Hauschild, "das geht nach den Einbußen bei den erfolgsabhängigen Entgelt-Komponente in manchen Familien an die Substanz. Das wird auch das kommunale Geschehen in Dormagen beeinflussen."

(NGZ)