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Das Phono- und Radiomuseum in Dormagen ist deutschlandweit einzigartig

Kultur in Dormagen : Das Museum für den guten alten Klang

Das Phono- und Radiomuseum ist in dieser Form deutschlandweit einzigartig. Hunderte Exponate erzählen spannende Musikgeschichte.

Wer den äußerlich eher schmucklosen Bau an der Bahnhofstraße betritt, taucht ein in eine völlig andere Welt, die er überhaupt nicht mehr verlassen möchte. Vorausgesetzt, der Besucher interessiert sich nicht nur für Musik, sondern auch dafür, wie sie weit vor dem digitalen Zeitalter zu hören gewesen ist – aus dem Radio, von Tonband, Cassetten- und Schallplattenspieler. (Fast) alles dazu erfahren kann man im Internationalen Phono- und Radiomuseum. Da warten über tausend Ausstellungsstücke darauf, neu entdeckt zu werden. Die Geschichte zu jedem einzelnen Exemplar erzählen Volkmar Hess und Helmut Dietsch, Gründer dieses einzigartigen, privaten Museums. Sie sind leidenschaftliche Sammler und zeigen dort eine Vielzahl ihrer Schätze.

Das Duo ergänzt sich perfekt: Hier der Dormagener Dietsch, der seit Jahrzehnten Rundfunk-, Tonband- und Kassettengeräte sammelt, dort der Grammophonsammler und Fan von Schellackplatten, Volkmar Hess, aus Viersen-Dülken. Dort hat Hess übrigens einen weiteren Standort, wo er seine Sammlerstücke zeigt. Zur Einordnung: Dietsch spricht von 6770 „Positionen“, die er sein Eigen nennt, tausend davon sind an der Bahnhofstraße zu sehen. Hess wiederum hat in den vergangenen Jahrzehnten über 30.000 Schellackplatten gesammelt, die Vorläufer der späteren Vinylplatte, sowie rund 500 Grammophone, „60 davon sind ausgestellt“.

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Es sind unglaubliche Stücke, die das Duo zeigen kann: Zum Beispiel die erste Boogie-Woogie-Platte der Welt aus dem Jahr 1928, mit dem vom amerikanischen Pianisten Pinetop Smith gespielten „Pinetop Boogie Woogie“, der Musikgeschichte schrieb. Smith wurde später Opfer eines Mordes, er wurde erschossen. Oder die mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern größte Schallplatte der Welt aus dem Jahr 1912. „Sie ist vier Minuten lang, und darauf ist Tenormusik zu hören“, erzählt Hess. Mit rund 500 Quadratmetern sind die Räumlichkeiten nicht groß genug, um die Sammlungen komplett präsentieren zu können. Daher zeigt das Museum in einem kleineren Teil eine Dauerausstellung. Der Hauptraum mit 150 Quadratmetern wird regelmäßig mit wechselnden Themenschwerpunkten neu gestaltet. Hinzu kommt das Foyer, das auf 50 Quadratmetern Platz für Vorträge und musikalische Vorführungen bietet.

Auf Flohmärkten, im Internet, auf Reisen, auf Auktionen oder durch private Haushaltsauflösungen sind die Exponate zusammengetragen worden. Daher sind sie alle mit einer Geschichte verbunden. Zum Beispiel, so erzählt Helmut Dietsch, wenn er nach stundenlanger Autofahrt zu einem Verkäufer kommt, „den dann doch plötzlich Wehmut überfällt und der sich nicht von seinem alten Radio trennen will“. Wenn Radio-Spezialist Dietsch erzählt, dann ist Aufmerksamkeit wichtig, besser noch ein gewisses technisches Verständnis. Denn es ist spannend, von ihm die Entwicklung des Radios mit all seinen technischen Finessen und Forscher-Glücksmomenten zu erfahren.

Dann steht der Besucher plötzlich vor einer Wand mit einer Vielzahl von sehr alten Radiogeräten, die manche noch aus Großmutters Zeiten kennen. „Rundfunkgeräte aus der ersten Dekade“, nennt Dietsch die Apparate aus den Jahren 1923 bis 1929, die aus den USA, England, Frankreich, Kanada und Deutschland stammen. Die Exponate sind gleichsam Spiegel der Zeit und von gesellschaftlichen Veränderungen. Da steht ein Tonbandgerät im Regal, das 1995 in Russland produziert wurde und mit dem abgehörte Telefonate aufgezeichnet wurden. Oder Hess zeigt einen transportablen Plattenspieler, der mit einer Kurbel mechanisch betrieben wurde. Das Stück aus dem Jahr 1928 wurden von betuchten Leuten mit zum Picknick ins Grüne genommen.

Regelmäßig gibt es im Phono- und Radiomuseum Veranstaltungen, meist zum Mitmachen und Mittanzen. Der Eintritt ist stets frei, ein Hut geht herum. Das ist am Samstag, 26. Januar (20 Uhr), anders: Dort steht der Abend (ausnahmsweise) in der Kulturhalle unter dem Titel „Swingin’ Boogie Woogie“. Es spielt das Jörg-Hegemann-Trio. Hegemann gilt als eienr der besten Boogie-Woogie-Pianisten Deutschlands. Der Erlös des Getränkeverkaufs geht zugunsten der Bürgerstiftung Dormagen. Karten für 18 Euro (Abendkasse 25 Euro) gibt es unter Telefon 02162 45128. Kontakt auch per E.Mail: volkmar@grammofon.de.