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Dormagen: Das Duell: Wimmer gegen Schmitt

Dormagen : Das Duell: Wimmer gegen Schmitt

Selten waren sich die Vorsitzenden der beiden großen Ratsfraktionen, Wiljo Wimmer MdL (CDU) und Bernhard Schmitt (SPD), so einig: Nur der Bau eines neuen Hallenbades ist sinnvoll. Im NGZ-Interview äußerten sich beide zum Haushalt, zum Gaspreis-Streit und zur Schulstruktur.

Herr Wimmer, Herr Schmitt, die finanzielle Situation Dormagens ist ausgesprochen schwierig. Welcher Kurs ist 2012 der richtige?

Wiljo Wimmer Wir leben in einer durch das Land verursachten ungeklärten Finanzsituation und mit der Prognose von einem Defizit in diesen Jahr von acht bis zehn Millionen Euro. Weil uns die Gemeindeordnung die Möglichkeit gibt, den Haushaltsausgleich auf zehn Jahre zu strecken, halten wir es für richtig, weiter in die Zukunft zu investieren. Entsprechende Ausgaben, zum Beispiel im Bereich Bildung, sehen wir als Invest in die Zukunft an.

Bernhard Schmitt Wir beurteilen den Haushalt kritisch, denn mit etwas konzentrierterer Arbeit wäre ein geringeres Defizit möglich gewesen. Richtig ist es, die Investitionen nicht zurückzuschrauben, sondern notwendige Investitionen vorzunehmen.

Nach den Haushaltsberatungen wurde dem FC Straberg Hoffnung auf einen neuen Kunstrasenplatz gemacht. Kommt der?

Wimmer Da stehen wir politisch in der Pflicht. Mit dem Modell in Hoeningen, einer Mischfinanzierung von Gemeinde und Verein, gibt es ein sehr interessantes Vorbild. Nach meinem Verständnis müssen Kommune und Bürger künftig an einem Strang ziehen, um solche oder ähnliche Projekte umzusetzen. Da setze ich auch auf bürgerschaftliches Engagement.

Halten Sie unter dem Aspekt Sparen und Synergien auch interkommunale Kooperationen für sinnvoll?

Schmitt Da muss man gut hinsehen. Es muss für beide Kooperationspartner eine Win-Win-Situation entstehen. Nur eine neue Organisationseinheit zu schaffen, das alleine reicht nicht. Eine Kirchtumpolitik betreibt Dormagen schon lange nicht mehr.

Wimmer Kooperationen können sinnvoll sein. Allerdings dort, wo es keine Bürgerkontakte gibt. Ich wäre beispielsweise gegen eine Fusion mit der Kreismusikschule. Denn die Stadt muss selbst eine Grundversorgung leisten. Einzelunterricht wäre natürlich auch durch Private möglich. Zweckverbänden mit anderen Kommunen kann ich mir durchaus vorstellen.

Sehen Sie noch Einsparpotential beim Rathaus-Personal?

Wimmer Wenn ich durchs Rathaus gehe, sehe ich keine zwei, drei Mitarbeiter in der Teeküche herumstehen. Die haben alle gut zu tun.

Schmitt Spart man dort ein, muss man den Bürgern auch sagen, dass es Leistungs-Einschnitte gibt.

Kritik gab es an der Haltung von Stadt und evd, zu viel gezahlte Gaspreise nicht zurückzuerstatten. Warum tragen CDU und SPD die Entscheidung?

Schmitt Die evd vertritt die richtige Linie. Die Kunden haben eine Leistung für angemessenes Geld erhalten. Wer jetzt Geld zurückfordert, erwartet, dass die evd unter dem Einkaufspreis verkauft.

Wimmer Sie müssen auch mal sehen, wie viele es sind, die nicht klagen, sondern einverstanden sind.

Wie viele Bäder will und kann sich Dormagen leisten?

Wimmer Bei dieser Frage muss man einfach auch die demographische Entwicklung mit zurückgehender Bevölkerungszahl im Blick haben. Nach meiner persönlichen Auffassung reicht ein Hallenbad für Dormagen aus, um das Grundbedürfnis Schwimmen zu bedienen.

Schmitt Die Sanierung beider Bäder ist nicht finanzierbar.

Wimmer Meine Präferenz geht in Richtung Bau eines neuen Hallenbades. Das ist sinnvoller, als sieben oder acht Millionen Euro für Sanierungen auszugeben.

Schmitt Das sehe ich auch so.

Sind CDU und SPD dafür, das Baugebiet Nievenheim IV für Wohnbebauung zu erschließen?

Wimmer Wenn Sie sich Dormagen einmal auf der Karte ansehen, werden Sie feststellen, dass es eine Stadt zwischen Wasser und Wald ist. Mit diesem Pfund müssen wir werben. Ich kann mir gut vorstellen, die Nievenheimer und Straberger Seenplatte mit maritimem Charakter zu entwickeln. Nebenbei bemerkt: Dort könnte ich mir auch gut ein neues Hallenbad vorstellen. Kurzum: Um ein solches Gebiet herum können sich die Orte gut sortieren und entwickeln.

Schmitt Wir benötigen eine gute Idee, wie wir die Orte zusammenbringen können. Das erfordert ausführliche Gespräche mit allen Beteiligten.

Wimmer Wir wollen eine dezentrale Wohnraumentwicklung, aber auch eine innerstädtische Verdichtung, also Baulückenschluss.

Schmitt Nievenheim IV kann erst entwickelt werden, wenn der Autobahnanschluss Delrath kommt.

Letztes Thema: Braucht Dormagen eine neue Gesamtschule?

Schmitt Das sehe ich so, weil sie wegen der Oberstufe mehr Vorteile hat als die Sekundarschule.

Wimmer Viele der an der Gesamtschule abgelehnten Schüler haben eine Real- oder Hauptaschulempfehlung. Eine Sekundarschule, die mit einem Gymnasium kooperiert, ist für Dormagen richtiger.

(NGZ)