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Daniel Koch ist seit 1. Juli NRW-Standortleiter bei Covestro.

Interview mit Daniel Koch : Covestro-Chef: „Fehler können Ansporn sein“

Daniel Koch hat am 1. Juli die Leitung der drei nordrhein-westfälischen Standorte des Unternehmens übernommen.

Herr Koch, Sie haben am 1. Juli die Nachfolge von Klaus Jaeger, der nach China gewechselt ist, als NRW-Standortleiter bei Covestro angetreten und sind damit für Dormagen, Krefeld-Uerdingen und Leverkusen zuständig. Welche Aufgaben hat ein Standortleiter?

Daniel Koch Ich bin in erster Linie dafür verantwortlich, dass unsere Anlagen sicher, umweltfreundlich und zuverlässig laufen. Dabei werde ich von einem 14-köpfigen Team unterstützt, und an allen drei Standorten arbeitet mir jeweils ein Produktionsleiter als Vertreter zu. Ich selbst habe mein Büro in Dormagen, wo ich übrigens 1999 meine berufliche Laufbahn begonnen habe, damals in der Polyurethan-Verfahrensforschung. Von Dormagen und von meinem Wohnort Düsseldorf aus kann man die NRW-Standorte gut erreichen, das ist ein Vorteil. Neben den internen Kontakten sind mir aber auch die externen wichtig – zum Beispiel zu Behörden, Politikern und den Menschen, die in der Nachbarschaft der Chemparks leben. Der Input von außen bedeutet mir viel, und er macht auch einen Teil des Reizes meiner neuen Aufgabe aus.

Repräsentative Aufgaben hatten Sie auch zuletzt als Covestro-Geschäftsführer und Standortleiter in Thailand, von 2008 bis 2013 waren Sie für das Unternehmen in China. Was können deutsche Firmen von asiatischen lernen?

Koch Mich hat in Asien vor allem die Dynamik beeindruckt. Die Leute dort wollen sich verbessern, in vielen Dingen bewundern sie uns sogar. In Deutschland sind wir dagegen aus meiner Sicht zu oft von Zweifeln geplagt. Dabei haben wir an unseren Standorten in NRW höchste Kompetenz. Ich finde, wir sollten unsere Fehlertoleranz verbessern. Wenn wir organisatorische Dinge neu ausprobieren, Abläufe beispielsweise moderner organisieren, und sie gehen erst einmal schief, ist das doch keine Katastrophe. Vielmehr kann das doch auch ein Ansporn sein.

Was sind die Vorteile in Deutschland gegenüber asiatischen Ländern?

Koch Wir haben hier ein verlässliches Rechtssystem. Da weiß man: Wenn man alle Anforderungen erfüllt und alle Genehmigungen eingereicht hat, kann man seine Projekte umsetzen. In China und Thailand ist man viel stärker allein auf das Wohlwollen der Behörden angewiesen.

In Deutschland wird derzeit viel und kritisch über Kunststoff und Plastik diskutiert. Wie verhält sich Covestro als einer der wichtigsten Kunststoffproduzenten der Welt dazu?

Koch Die Schonung der Umwelt ist für uns Verpflichtung, da tragen wir eine hohe Verantwortung. Ich möchte aber auch vorausschicken, dass Covestro kein Billigplastik herstellt wie Einkaufstüten oder Trinkflaschen. Wenn aber unsere hochwertigen Kunststoffe richtig eingesetzt werden, helfen sie der Umwelt. Sie machen Autos leichter und wirken als Dämmmaterial energiesparend, um nur zwei Beispiele zu nennen. Im Unternehmen haben wir das Programm „Operation Clean Sweep“ eingeführt. Hauptziel ist es, mit geeigneten Vorkehrungen den Abfall in der Kunststoffherstellung zu reduzieren. Es soll verhindert werden, dass Kunststoffgranulate verschüttet werden und so in die Umwelt gelangen – etwa beim Be- oder Entladen unserer Silo-Trucks. Wir versuchen, das Programm auch auf unsere Kunden auszuweiten. Das nehmen wir sehr ernst.

Ein großes Thema ist auch die Digitalisierung...

Koch Das sehe ich positiv. Die Digitalisierung gibt uns viele Möglichkeiten. Früher wussten wir: Wir haben da eine Pumpe im Einsatz, die wird irgendwann ausfallen. Wann genau, konnten wir nur vermuten. Mithilfe digitaler Prozesse können wir das viel präziser vorhersagen – und gleichzeitig schon eine neue Pumpe bestellen, während die alte noch läuft. Das verhindert oder verkürzt Stillstände von Maschinen und Anlagen.

Sie sind promovierter Chemiker, haben aber offenbar auch Interesse an Informatik...

Koch Sogar im privaten Bereich. In meiner Freizeit schreibe ich gerne Programme fürs Smartphone, das entspannt mich. Gerade bin ich dabei, mir eine Nachrichten-App anzulegen.

Wie schalten Sie sonst ab?

Koch Ich segele gerne und hatte mir in Thailand auch ein Boot gekauft. Das hat sich offenbar hier schon herumgesprochen. Der Monheimer Segelclub hat sich schon gemeldet und vorgeschlagen, dass ich mal vorbeikomme.