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Dormagen: Currenta investiert in Azubis

Dormagen : Currenta investiert in Azubis

Der Chempark-Betreiber erweitert bis Frühjahr 2013 sein Ausbildungszentrum und schafft für fast eine halbe Million Euro neue Anlagen und Räume. Die sollen vor allem Chemikanten ideale Lernbedingungen bieten.

Wirklich still sitzen kann man auf dem Mobiliar des Schulungsraumes im Currenta-Ausbildungszentrum nicht. "Die Stühle sind fürs aktive Sitzen gedacht — darauf kann man nicht einschlafen", sagt Chempark-Leiter Walter Leidinger und lacht. Hellwach soll er sein, der Nachwuchs für den Industriestandort, der hier unter optimalen Bedingungen ausgebildet werden soll — möglichst praxisnah, wie die Räume das Technikums zeigen.

Eine Gruppe angehender Chemikanten demonstriert gerade im Wassertechnikum, wie Kalk und Schwefelsäure zu Calciumsulfat werden — also Gips. Die Mini-Chemieanlage vermittelt den Auszubildenden von der Pike auf, was chemische Produktion eigentlich bedeutet. "Das fängt damit an, dass sie sich an die Umgebung und Geräusche gewöhnen müssen", sagt Ausbildungsleiter Helmut Knoch.

Die "einfache Anlage für Einsteiger", die für Laien schon recht kompliziert aussieht, dient dazu, alles buchstäblich "begreifen" zu können. "Es darf auch mal was passieren", sagt Peter Toll, "Ausbilder naturwissenschaftlich", als er eine Lache auf dem Boden entdeckt — eine Dichtung fehlt. "Hier wird nur mit Wasser hantiert", beruhigt er. Entscheidend sei, dass die Azubis verstehen, was Systeme und Anlagen leisten. "Sie müssen immer wissen, was sie tun", betont Helmut Knoch.

Um die Qualität der Ausbildung weiter zu steigern und an das sich ständig verändernde Berufsbild des Chemikanten anzupassen — immer kleinere Teams müssen immer speziellere Aufgaben übernehmen — erweitert Currenta das Ausbildungszentrum. Bis Frühjahr 2012 wird das Wassertechnikum um drei Kessel auf 13 Anlagen aufgestockt.

Bis Frühjahr 2013 soll ein neues Extechnikum mit fünf Produktionsanlagen entstehen. Danach ist die Automatisierung geplant, die auch in der realen Produktion zunimmt. 470 000 Euro nimmt Currenta dafür in die Hand. Mit den noch besseren Ausbildungsbedingungen will Currenta das Berufsbild des Chemikanten so attraktiv wie möglich gestalten — vom ersten Tag der Ausbildung an. "Keiner will in den Betrieb", beklagt Walter Leidinger — immer noch zieht es zu wenig junge Leute in die Industrie oder in Berufe, die Interesse an Technik und Naturwissenschaften voraussetzen.

Dazu kommt der demografische Wandel, der die Zahl potenzieller Bewerber reduziert, während an der oberen Altersgrenze Fachkräfte verloren gehen. Der Bedarf an Chemikanten jedenfalls wird steigen: Der Chempark braucht schon bald 60 Azubis pro Jahr, 2011 starteten 44. "Auf einen Ausbildungsplatz zum Chemikanten kommen aber nur noch rund drei Bewerber, früher waren es etwa zehn ", erläutert Knoch, der verstärkt für den Beruf wirbt — mit Erfolg. "Für die letzten Schnupperkurs-Wochen in den Sommerferien hatten sich über 100 Teilnehmer angemeldet."

(NGZ/rl)