Dormagen: Currenta: Energiewende bedroht Chempark-Jobs

Dormagen: Currenta: Energiewende bedroht Chempark-Jobs

Der Chempark-Betreiber schlägt Alarm wegen der Pläne zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Auch der Betriebsrat ist besorgt.

Dass sich die Geschäftsführung und der Betriebsrat eines Unternehmens einig sind, ist eher die Ausnahme. Beim Chempark-Betreiber Currenta aber teilen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter zurzeit zumindest eine Sorge: Dass dem Unternehmen durch die von Energieminister Siegmar Gabriel geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) massive Nachteile entstehen. Der größte Knackpunkt: Zurzeit wird diskutiert, künftig auch sogenannte Bestandsanlagen, die der Energie-Eigenerzeugung an den Unternehmensstandorten dienen, mit einer Umlage zu belasten. Nach Darstellung von Currenta würde dies an den Chempark-Standorten Dormagen, Leverkusen und Uerdingen "eine Mehrbelastung mit einem zweistelligen Millionenbetrag bedeuten".

Besorgt: Currenta-Betriebsrat Bernhard Schmitt. Foto: on

Schon jetzt seien die bestehenden Erzeugungsanlagen kaum noch wirtschaftlich, eine Belastung des eigenerzeugten Stromes mit der Ökostrom-Umlage würde zu einer weiteren Verschärfung der Situation führen, hieß es in einer gestern von Currenta verbreiteten Stellungnahme zu den Plänen. Currenta-Geschäftsführer Günter Hilken wird mit den Worten zitiert: "Es ist für uns absolut unverständlich, warum selbst erzeugter und genutzter Strom aus umweltfreundlichen und höchst effizienten Kraftwerken zusätzlich belastet werden soll — zumal genau diese Anlagen unverzichtbar für das Gelingen der Energiewende sind." Investitionen in neue Anlagen sieht Hilken wiederum durch eine mögliche, noch wesentlich höhere Belastung für neue Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) gefährdet. Und der Geschäftsführer verweist auf einen Widerspruch, der sich aus seiner Sicht ergibt: Einerseits würden neue KWK-Anlagen gefördert, andererseits würde diese Förderung dann in Zukunft durch eine EEG-Belastung wieder unterlaufen. "Darüber hinaus würden die deutschen Standorte im internationalen Vergleich weiter an Attraktivität einbüßen", warnt Hilken.

Die Belastung existierender Anlagen mit der EEG-Umlage würde einen zweistelligen Millionenbetrag kosten, prognostiziert Currenta. Foto: K.H. HALBERSTADT
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Der Dormagener Currenta-Betriebsrat Bernhard Schmitt kann Hilkens Befürchtungen nachvollziehen. Zwar würden bestehende Anlagen aufgrund der EEG-Reform sicher nicht abgebaut, doch bei den zukünftigen Investitionen stehe Currenta im internationalen Wettbewerb mit anderen Unternehmen. Bei jeder neuen Anlage gebe es Konkurrenz, da sei die Angst vor dem Verlust von Investitionen erklärbar. Und wenn tatsächlich die EEG-Umlagen-Befreiung für eigenerzeugten Strom in schon existierenden Anlagen aufgehoben werde, "dann wären wir extrem betroffen", unterstreicht Bernhard Schmitt. "Dass unsere Geschäftsführung dagegen jetzt Stimmung macht, ist klar, aber auch richtig so. Für die eigenen Interessen zu trommeln, ist gerechtfertigt. Man sollte eine klare Meinung haben und die auch kundtun."

Hilken betonte, dass Currenta und die Chemiepark-Partner die Energiewende unterstützten. Dazu trüge zum Beispiel die Entwicklung und Produktion von Werkstoffen für EEG-Anlagen oder Dämmstoffe bei. Doch auch die KWK-Kraftwerke seien wegen ihrer Effizienz ein wichtiger Beitrag zur Energiewende.

(NGZ)
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