Dormagen: Covestro wählt Betriebsrat im Wohnmobil

Dormagen: Covestro wählt Betriebsrat im Wohnmobil

Mit innovativer Idee soll die Wahlbeteiligung erhöht werden. Wahl läuft von heute bis Donnerstag.

Es schwingt ein wenig Stolz mit, wenn Uwe Kuckertz von der Betriebsratswahl spricht, die heute bei Covestro im Chempark beginnt: "Wir sind wahrscheinlich das einzige Unternehmen in Deutschland, das seine Wahl in Wohnmobilen organisiert", sagt der amtierende Vorsitzende der Arbeitnehmer-Vertreter.

Gestern rollten pünktlich drei schmucke Wohnmobile durch das Tor 10. Rechtzeitig, weil von heute bis Donnerstag die über 1500 Beschäftigten die Möglichkeit haben, 17 Mandate zu verteilen - 34 Bewerber stellen sich zur Wahl, darunter auch erneut Kuckertz und dessen Stellvertreterin Nicole Neubauer. Sie ist eine von drei weiblichen Kandidaten. Kuckertz erklärt eine weitere Besonderheit: "Es ist eine reine Persönlichkeitswahl, denn es gibt, anders als bei anderen Betrieben, keine Listen, die sich bewerben."

Warum aber Wahl in Wohnmobilen? Davon verspricht sich der Betriebsrat eine noch höher Wahlbeteiligung als die 71 Prozent im Jahr 2016. "Damals waren die Organisation und die Verhältnisse in den Wahllokalen schon beengt", sagt Neubauer. Bei Landtagswahlen in Schleswig-Holstein, wo eben solche Wahl-Wohnmobile zu den Menschen in abgelegenen Dörfern gefahren sind, schauten sich die Covestro-Leute die Idee ab.

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In Wuppertal wurden sie nach langem Hin und Her fündig und fanden schließlich drei baugleiche Mobilheime mit der gleichen Innenausstattung. "Der Wahlvorstand muss darin ja viel Zeit verbringen, deswegen muss das alles auch anständig sein", so Kuckertz. Die Mobile eröffnen auch eine große Flexibilität: Sie können zu verschiedenen Standorten fahren und bieten so den rund 700 Mitarbeitern, die in Wechselschicht arbeiten, einen guten Service. "Mit einer hohen Wahlbeteiligung hat der Betriebsrat auch einen besseren Stand beim Arbeitgeber", verdeutlicht der Vorsitzende. "Es wäre auch ein Vertrauensbeweis für den Betriebsrat", ergänzt Thomas Freitag.

Das Gremium betont die hohe Zufriedenheit der Beschäftigten mit dem Unternehmen, dem es wirtschaftlich ausgesprochen gut gehe. "Andere schrumpfen, wir wachsen", so Kuckertz. In den letzten beiden Jahren seien 48 Auszubildende übernommen worden. Als Erfolg der bisherigen Mannschaft stellt der Vorsitzende die Beschäftigungssicherung bis 2020 heraus, diese Vereinbarung müsse verlängert werden. Als ein Thema der Zukunft habe man die Mobilität ausgemacht. Dazu gehört neben einem "Job-Ticket" auch ein Fuhrpark mit Fahrrädern oder Bike-Leasing. "Der Arbeitgeber ist gesprächsbereit", heißt es.

(schum)