1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Corona-Krise in Dormagen: Kammertheater bangt um seine Existenz

Corona-Krise in Dormagen : Kammertheater bangt um seine Existenz

Der Kulturbetrieb ist wegen des Coronavirus zum Erliegen gekommen. Das bedroht die privaten Betreiber.

Für die Betreiber des Kammertheaters Dormagen, Sabine Misiorny und Tom Müller aus Broich, steht ihr Lebenstraum auf dem Spiel. Vor fünf Jahren haben sie aus dem alten Kino am Niederfeld durch tatkräftigen Umbau und liebevolle Einrichtung ein gemütliches kleines Theater für ihre tollen Komödien geschaffen, die Dormagener und andere Zuschauer zum Lachen gebracht haben. Durch Schließung wegen des Coronavirus entgeht den beiden Theatermachern viel Geld, wie Tom Müller hochgerechnet hat: „Wenn wir bis Ende der Spielzeit am 30. Mai nicht mehr öffnen dürfen, verlieren wir rund 40.000 Euro.“ Dann ist die Existenz des privaten Theaters bedroht: „Wir wissen nicht, ob es dann im Herbst weitergehen kann“, meint er.

Die beiden Schauspieler, Autoren und Regisseure geben nicht auf: „Wir hoffen auf finanzielle Unterstützung durch den Bund und das Land“, erklärt Müller. Sonst müsste das Ehepaar mit seinem Privatvermögen haften. Von Überbrückungskrediten hält er nicht viel: „Die müssen wir ja zurückzahlen – und wir können unsere Zuschaueranzahl nicht groß steigern, das gibt der Platz nicht her“, weist er auf 4000 Zuschauer in guten Jahren hin, die ins Kammertheater an der Ostpreußenallee 23 kommen.

  • Seit Beginn der Pandemie sind 11.413Corona-Fälle
    Corona im Kreis Viersen : Inzidenz-Wert im Kreis Viersen sinkt auf 43
  • Corona in Remscheid : Corona: Weiteres Opfer, Inzidenz bleibt dreistellig
  • Das Drive-In-Testzentrum schließt am Freitag und
    Zu lange Staus in Schwalmtal : Corona-Schnellteststelle zieht zum Rösler-Areal

„Wir sind ja nicht allein betroffen – überall leiden Kulturschaffende, Gastronomen und andere Unternehmen unter den Schließungen und wegbrechenden Einnahmen. Da muss es staatliche Hilfe geben, sonst bleiben ganz viele Betriebe dicht“, meint er. Da hofft er auf Ausfall-Geld nach dem Schließungs-Erlass des Landes. Er sieht „ganz klar Land und Bund in der Verantwortung, um die Unterhaltungskultur am Leben zu erhalten“. Da das Kammertheater von sich aus am vorigen Wochenende drei Vorstellungen von „Zartbitter“ abgesagt hat, um die Zuschauer nicht zu gefährden, befürchtet Müller, dafür keine Kompensation zu erhalten: „Es war richtig, abzusagen, allerdings hätte uns eine Anordnung der Stadt mehr Sicherheit gegeben.“

In seinen beiden „Facebook Live“-Chats am Montag und Dienstag hatte Bürgermeister Erik Lierenfeld erklärt, dass er auf Unterstützung von Land und Bund für Betriebe und Kulturschaffende setzt: „Die Bundesregierung will dafür sorgen, dass kein Unternehmen an Corona kaputtgeht“, zitierte er Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Dass die Sorgen der Betreiber groß seien, könne Lierenfeld verstehen: „Da sind klare Signale und Sofortprogramme nötig.“ Es müsse nach der Krise mit Theater und Konzerten weitergehen.

Schon zu Beginn der Corona-Krise war eine Zurückhaltung bei den Karten-Buchungen im Kammertheater zu spüren, aber es gab kaum ausbleibende Gäste. „Trotzdem wird uns wohl von Februar bis Ende Mai rund 40 Prozent unseres Jahresumsatzes wegbrechen“, bedauert Tom Müller. Denn zu den Nicht-Einnahmen kommen Ausfälle aus der Gastronomie und dazu Personalkosten, Miete und Produktionskosten, die weiterlaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass das zweite Standbein von Misiorny/Müller, die Tantiemen anderer Theater für ihre selbst geschriebenen Stücke durch die Schließungen gleichzeitig auch weggebrochen sind.

Noch gibt es keinen neuen Spielplan ab Herbst – und keine Proben für die eigentlich für den 17. April – genau den fünften Jahrestag der Kammertheater-Eröffnung – geplante Premiere von „Hormonstress 2: Er soll so bleiben, wie sie will“: „Wir sitzen alle einzeln zu Hause und lernen den Text“, berichtet Müller, der mit seiner Frau Sabine Misiorny die Premiere nach der Absage städtischer Veranstaltungen bis 19. April um eine Woche verschieben möchte: „Aber da befürchten wir eine längere Schließzeit.“

Was beide sehr rührt, ist die große Solidarität, die viele Kunden ihnen gegenüber geäußert haben: „Einige haben uns sofort mitgeteilt, auf eine Rückerstattung des Kartengeldes für die ausgefallene Vorstellung zu unseren Gunsten zu verzichten“, sagt Müller. Das helfe, die Schauspieler zu bezahlen. „Es ist wirklich toll, wie viel positive Resonanz wir erfahren, hoffentlich gilt das auch für andere Kulturschaffende und Betriebe.“ Gutschein-Käufe würden nur helfen, wenn es definitiv weitergehe, so Müller: „Aber da schweben wir noch in der Luft.“