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Corona in Dormagen: Modemacherin näht Atemmasken statt Tanzgarden-Röcke

Corona in Dormagen : Modemacherin näht Atemmasken statt Tanzmariechen-Röcke

Normalerweise näht Isabell Herzogenrath Kleidung – jetzt vor allem Atemschutzmasken. Die Delhovenerin hat in Zeiten des Coronavirus mit ihren drei Mitarbeiterinnen von „Herzogenrath – Mode nach Maß“ die Produktion auf dem Hubertushof umgestellt.

Die Idee kam ihr nach Gesprächen mit einer Hebamme und einer Behindertenwerkstatt, für die sie sonst Kleidung für Leute mit Handicap schneidert: „Der Mangel an Atemschutzmasken ist ja offensichtlich, da wollte ich gegenhalten“, erklärt sie.

Und so nähte sie mit ihren Mitarbeiterinnen vorigen Freitag nach einem selbst hergestellten Prototyp schnell 20 wiederverwertbare Atemschutzmasken für den Mann der Hebamme, der sie am Samstag in seinen drei Frisörsalons einsetze. „Er darf sie ja jetzt nicht mehr öffnen, ist aber sehr zufrieden mit den waschbaren Masken“, gibt Isabell Herzogenrath das positive Feedback wieder. Nachdem sie die Atemschutzmasken auf Facebook gestellt hatte, kamen viele Aufträge – von der Ergotherapie-Praxis über Privatleute bis zum Pflegedienst. „Die Menschen freuen sich darüber, einen gewissen Schutz zu haben“, sagt sie und betont sofort: „Es ist natürlich kein medizinischer Schutz, aber besser als gar keiner.“

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So ganz wohl ist Isabell Herzogenrath nicht dabei, dass sie Selbstkosten-Preise für ihre Atemschutzmaske nimmt: „Ich will mich ja nicht an der Corona-Krise bereichern, aber es ist eine Chance, meine Mitarbeiterinnen vorerst weiter beschäftigen zu können“, sagt sie. Ansonsten liegen ihr noch Aufträge für etwa einen Monat vor.

Es gibt die Atemschutzmasken in zwei Varianten: doppellagig für fünf Euro und mit einer offenen Seite, um noch Einlagen einzufügen, für sechs Euro. Sie sind bei 90 Grad waschbar und aus reiner Baumwolle. „Für eine OGS haben wir große Masken für die Mitarbeiter und kleine für die Kinder angefertigt“, erklärt sie. Auch kleinere Stückzahlen können bestellt werden – die Aufträge liegen zwischen 1 und 70 Exemplare (für einen Pflegedienst).

Und ein Vorteil: Die Atemschutzmasken sind schnell lieferbar und abholbar: Bis zum Wochenende sollen 300 Schutzmasken hergestellt sein, die meisten für Dormagener, aber auch für Menschen aus anderen Städten, an die dann die Masken per Post verschickt werden. „Wir sind ganz vom karnevalistischen Tellerrock-Modus umgeschwenkt“, erzählt Herzogenrath, die eine „kleine Produktionsstraße“ mit dem nötigen Abstand entwickelt hat: Sie schneidet die Masken zu, eine Mitarbeiterin bügelt sie, die zweite Näherin fasst mit der Maschine die Kanten mit den Bändern ein und die dritte macht die Endkontrolle und verfeinert die Masken.