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Corona in Dormagen: Das Virus macht aus Zons eine echte Festung.

Corona in Dormagen : Das Virus macht aus Zons eine echte Festung

Am Karfreitag musste das Ordnungsamt noch mit erbosten Besuchern diskutieren. Danach hatte sich die Schließung der Altstadt herumgesprochen. Die Stadt Dormagen sieht sich in ihrer Entscheidung, Zons zu sperren, bestätigt.

Die historische Altstadt von Zons ist ein Touristenmagnet in der Region. Jährlich kommt rund eine halbe Million Menschen, um die lauschigen Gassen zu erkunden. Zu Ostern blieb Zons jedoch nahezu besucherfrei. Anwohner hatten Platz und Muße, ein Osterbrunch vor ihren Häusern anzurichten; natürlich mit gebotenem Abstand zueinander.

Angesichts der formidablen Wetterprognose für das Osterwochenende hatten Bürgermeister Erik Lierenfeld und das Ordnungsamtsteam um Leiter Jürgen Grunewald entschieden, die Zonser Altstadt für auswärtige Besucher komplett zu sperren. „In der Zonser Altstadt leben rund 500 Bürger, die sich mehr oder weniger mit dem Tourismus arrangiert haben. In den engen Gassen ist es aber auch in den letzten Tagen schon schwer gewesen, den Mindestabstand einzuhalten. Deshalb mussten wir befürchten, dass es an Ostern noch schwieriger wird“, sagt Erik Lierenfeld in einem Video-Statement, das er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat. So könnten sich Menschen aus den Risikogruppen nicht vor die Tür trauen, weil das Infektionsrisiko zu groß sei. Ein harter Schnitt! „Zum Schutz aller, da Appelle – wie zuletzt gesehen – nicht ausreichend sind.“

Nachdem der Besucherandrang am Karfreitag noch sehr groß war, konnten sich Thomas Rütten und die übrigen Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die sich an allen Zugängen zur Zonser Altstadt postiert hatten, über die ruhige Atmosphäre freuen: „Am Karfreitag mussten wir etliche Diskussionen führen und erklären, warum Touristen keinen Zugang zur Altstadt haben. Auch einige Gastronomen, die Außer-Haus-Verkauf anbieten, sahen die Entscheidung kritisch.“ Doch bereits am Karsamstag kamen schon deutlich weniger Menschen nach Zons, ebenso am Sonntag. „Wir wollen mit dieser Maßnahme auch die Zonser schützen, die das sehr begrüßen.“ Am Sonntagvormittag hatten einige Familien vor ihren Häusern in der Altstadt ein Frühstücksbuffet aufgebaut und so gemeinsam mit dem gebührenden Abstand den Tag begonnen – an einem coronafreien Ostersonntag wäre dafür kein Platz gewesen. Nur wenige Menschen waren am Nachmittag in der Altstadt zu sehen, hier ein Gassigänger, da ein spazierendes Ehepaar, ansonsten präsentierte sich der Altstadtkern so ruhig wie nie an solch sonnigen Feiertagen.

Auch für den großen Parkplatz am Deich hatte sich das Ordnungsamt etwas einfallen lassen: Er war lediglich für Dormagener Besucher vorgesehen und dementsprechend leer. Auf dem Deich tummelten sich nur wenige Sonnenanbeter, die zu zweit oder im Familienverbund eine Pause auf ihrer Radtour einlegten oder ein Eis mit Blick auf das Wasser genossen. „Ich muss zugeben, ich hatte ein bisschen Bauchschmerzen gerade wegen Ostersonntagnachmittag. Aber die Maßnahmen haben gewirkt. Wir haben das Gelände sogar mit der Drohne überprüft und nach Menschenansammlungen oder jenen, die am Rhein grillen, geschaut. Aber wir konnten keine Verstöße feststellen“, sagte Thomas Rütten. Lediglich auf der Rheinfähre herrschte Hochbetrieb, aber auch dort waren bereits vorher Maßnahmen für die Abstandsregelungen getroffen worden.

Ebenso wie die Bürger hofft auch die Stadt Dormagen, die Maßnahmen bald lockern zu können. „Das Team ist arg belastet, wir arbeiten täglich in Schichten bis 22 Uhr und sind mit rund 20 Leuten im Einsatz – müssen uns sogar mit Mitarbeitern aus der Verwaltung verstärken“, fasste Ordnungsamtsleiter Jürgen Grunewald die Situation zusammen. Eine Prognose will er allerdings nicht wagen, da die Entscheidungen der Bundesregierung maßgeblichen Einfluss auf das weitere Vorgehen in den Städten haben. „Wir danken aber den Bürgern, die sich an allen Hotspots in der Stadt – ob in Zons, am Rhein, in der Innenstadt oder im Tannenbusch – an unsere Vorgaben gehalten haben.“