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City-Offensive Dormagen will Konzept für die „Kö“

Innenstadt Dormagen : City-Offensive will Konzept für die „Kö“

Wohnen soll im südlichen Teil möglich sein, ein Wohnquartier St. Michael entstehen. Stadt mahnt zur Vorsicht.

Siebenhundert. Eine Zahl, mit der manche in der Innenstadt etwas anfangen können und mit der sie hadern. Denn so viele Meter misst die Haupteinkaufsstraße von Dormagen – die „Kö“. Deutlich zu lang, findet die Händlergemeinschaft City-Offensive Dormagen (CiDo) schon seit Jahren. Weil weder Politik noch Stadt in diese Richtung aktiv werden, will die CiDo mittels eines Bürgerantrags eine Diskussion in der Politik anstoßen. Darüber wird in einer Vorstandssitzung am heutigen Mittwoch gesprochen. Vorsitzender Guido Schenk fordert: „Ein städtebauliches Konzept für die südliche Kölner Straße ist dringend erforderlich.“

Das fiese Wetter tut derzeit sein Übriges. Aber wer gestern oder heute die „Kö“ ab Nettergasse Richtung Süden geht, den verlässt schnell jeglicher Spaß an einem „Erlebniseinkauf“. Leerstand, fehlende „schöne“ Fachgeschäfte, triste Atmosphäre – so zieht es sich bis zur Europastraße. „Von der Florastraße bis zur Nettergasse haben wir kein Problem“, sagt Schenk. Für die CiDo läge eine Lösung darin, die südliche Kölner Straße schon ab der Nettergasse auch mit Wohnen im Erdgeschoss stärker zu beleben. Für eine Veränderung ist auch Ralf Kerp, Betreiber des „Café Toni“. Ihn stört, dass viele seiner älteren Kunden, die mitunter nicht mehr so mobil sind, ihr Stammcafé nicht gut erreichen können. „Warum kann dieser Teil der Kö nicht befahren werden? Das würde auch für eine Belebung sorgen.“

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Bürgermeister Erik Lierenfeld mahnt zur Zurückhaltung. Er sagt: „Solange nicht klar ist, wie es mit dem Zuckerfabrikgelände weitergeht, sollten am Südende der Kölner Straße keine Fakten geschaffen werden. Das bedeutet nicht, dass wir als Verwaltung nicht gewillt wären, über neue Ideen und Konzepte zu diskutieren. Es bedeutet nur, dass wir den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen sollten.“

Mit der Umwandlung von Geschäftsräumen in den Erdgeschossen in Wohnraum würde, so sagt Lierenfeld, aus dem Bereich der südlichen Kölner Straße ein reiner Wohnbereich. „Das bedeutet, dass nicht nur der Bebauungs-, sondern auch der Flächennutzungsplan entsprechend geändert werden müsste.“ Mit möglichen Auswirkungen auf das, was künftig auf dem Zuckerfabrikgelände passieren kann (oder nicht). Eine weitere Auswirkung gäbe es durch eine Änderung des Einzelhandelskonzepts und eine Umverteilung der Einzelhandelsflächen. Der Bürgermeister weist auch auf die Erschließung hin: Soll die Fußgängerzone aufgehoben und für den motorisierten Verkehr geöffnet werden? Lierenfeld: „Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu viele lose Enden für eine zielführende Diskussion.“

Einen anderen Ansatz verfolgt Jorgos Flambouraris, der mit seiner „City-Buchhandlung“ in dieser Schnittstelle zwischen dem belebten und dem deutlich weniger frequentierten Teil der Kölner Straße liegt. Dem Buchhändler hat die Weihnachtszeit gut gefallen. Aus diesem Grund: „Als der Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz aufgebaut war, mussten dienstags und freitags die Marktbeschicker mit ihren Ständen nach Norden und Süden weiter in die Kö ausweichen. Dadurch war es dort viel belebter als üblich.“ Bei ihm direkt gegenüber stand der Fischhändler – „das war super“. Flambouraris stört der Fokus, der von der Stadt auf den Rathausplatz gerichtet wird. „Dort profitiert im Wesentlichen die Gastronomie. Dort liegt das Herz der Kö, die Extremitäten werden nicht versorgt.“

Ein lang gezogener, mehr dezentraler Markt? „Mehr Marktstände wären natürlich wünschenswert“, sagt CiDo-Vorsitzender Guido  Schenk. der darauf verweist, dass der freitägliche Wochenmarkt der größte seiner Art im Rhein-Kreis Neuss sei. „Dort haben wir in der Spitze über 50 Stände.“ Ein Wochenmarkt lebe aber, so Schenk, von seiner Kompaktheit, „Lücken darf es dort nicht geben.“