City-Buchhandlung Dormagen: Eine Bildungsreise zu Ringelnatz

City-Buchhandlung Dormagen: Eine Bildungsreise zu Ringelnatz

Gut besuchte Lesung in der City-Buchhandlung Dormagen.

Damit hatte Jorgos Flambouraris, Inhaber der City-Buchhandlung, wohl nicht gerechnet, dass das Interesse an seinem Ringelnatz-Abend so groß sein würde. Er und sein Team mussten erstmal Stühle heranschaffen, um genügend Plätze zu bieten. Eingeladen war der vielseitige Schauspieler und Autor Achim Amme (69), der seit einiger Zeit mit einem Ringelnatz-Programm „Echt verboten!“ durch Deutschland tourt. Es sollte sich herausstellen, dass ihn viel mit dem Porträtierten verbindet, und das nicht nur, weil er für seine Lyrik 1986 den neu geschaffenen Joachim-Ringelnatz-Preis erhielt.

Der Schriftsteller, Kabarettist und Maler Joachim Ringelnatz (1883 – 1934) wurde als Hans-Gustav Bötticher geboren. Er hatte nicht viel Glück in seinem Leben, flog als Quintaner bereits vom Leipziger Staatsgymnasium, fuhr als Schiffsjunge unter erbärmlichen Umständen zur See und wurde Lehrling in einer Dachpappenfabrik. Als er skurrile Gedichte, etwa um seine bekannte Kunstfigur „Kuttel Daddeldu“, schreibt und Erfolge im Kabarett feiert, nennt er sich nach einem Seepferdchen 1919 Ringelnatz.

Achim Amme erzählt das Leben chronologisch, bereichert es mit Texten aus den zwischen Tiefsinn und Unsinn pendelnden „Turmgedichte“, amüsiert mit schwarzhumorigen Anweisungen aus „Geheimes Kinder-Spiel-Buch“ (1931) und unterhält mit eigenen Songs, perfekt auf der Gitarre intoniert. Die Texte seiner Songs passen kongenial zur Ringelnatz-Lyrik. So heißt es im Lied „Provisorium“ am Ende „Die Moral von der Geschicht weiß ich leider selber nicht!“ Das hätte auch wie das „Chanson vom großen Publikum“ Ringelnatz sein können.

Begleitet wurde Achim Amme vom Akkordeonisten und Komponisten berühmter Filmmusiken Ulrich Kodjo Wendt (57). Der Hamburger spielte ein wunderbares diatonisches Organetto mit verziertem Holzkorpus aus der Akkordeonwerkstatt Castagnari im italienischen Castelfidardo. Auf diesem Instrument klang auch „La Paloma“ brillant. Es wurde bei Ringelnatz’ Beerdigung in Berlin gespielt. Die Nazis hatten ihn 1933 mit Auftrittsverboten belegt, die meisten seiner Bücher mit „grotesker Unsinnspoesie“ wurden beschlagnahmt oder verbrannt. Ein Jahr später starb Joachim Ringelnatz.

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