Dormagen: Christian Christls exklusiver Boogie-Workshop

Dormagen: Christian Christls exklusiver Boogie-Workshop

So recht will der wollweiße Pullunder überm langärmeligen Hemd nicht zu 25 Grad Außentemperatur passen. Aber: Christian Christl ist Profi, die beschriebene Montur sein Bühnenoutfit und der gestrige Auftritt des Pianisten im Internationalen Phonomuseum quasi ein Lehrauftrag. "Ihr arbeitet's, und ich mach mir a schöne Zeit", so begrüßt der gebürtige Bayer die rund 25 Zuhörer, die zum Vintage Blues Piano-Workshop erschienen sind.

Es kommt dann natürlich anders. Christl greift selbst in die Tasten, spielt überlieferte Blues- und Boogie-Stücke nebst selbstkomponiertem Ragtime, samt und sonders ohne Noten. Zwischen der Musik parliert er leichtfüßig über Anfang und Entwicklung des Blues in den USA. "Das mit der linken Hand gespielte Stampfen, der Stomp, ist dem Rhythmus afrikanischer Trommeln nachempfunden", erzählt der Musiker. "Blues" wurden die von Schwermut getränkten Melodien wohl genannt, weil man sie zur blauen Stunde, der Abenddämmerung, in den Sklavenquartieren der Plantagen spielte. Auf dem Klavier wird daraus später der Stil Barrelhouse Piano, jene Musik, die im 19. Jahrhundert in Amerikas Kneipen gespielt wird. Mit nur drei Akkorden kommt der Blues aus, weswegen Jazzpianisten mit ihren elaborierten Stücken ein wenig despektierlich auf das Genre schauen, sagt Christian Christl. Er erklärt die Unterschiede von Ragtime und Boogie Woogie verständlich und auch hörbar. Keine dröge Unterrichtsstunde, sondern ein interaktiver Lernnachmittag, bei dem immer wieder die Tanzpaare durch den Raum fegen.

"Einen Workshop wie diesen gibt er eigens hier bei uns", sagt Volkmar Hess, Direktor des Phonomuseums, nicht ohne Stolz. Live zu erleben ist Christl am 2. Oktober bei der ersten Boogie Woogie-Nacht in der Kulle. Dort spielt er für Tanzpaare, die ausganz Europa eingeladen werden.

(NGZ)