Chor Vox Bona gastierte beim Festival Alte Musik Knechtsteden

Festival Alte Musik Knechtsteden: „Vox Bona“ verbindet exzellent Altes und Neues

Der Kammerchor „Vox Bona“ der Bonner Kreuzkirche gastierte beim Festival Alte Musik in Knechtsteden.

„Krieg und Frieden“ hatten Kirchenmusikdirektorin Karin Freist-Wissing und ihre 48 Sängerinnen und Sänger von „Vox Bona“, dem Kammerchor der Bonner Kreuzkirche, ihr anspruchsvolles Programm benannt, mit dem sie beim „Festival Alte Musik“ in Knechtsteden gastierten. Inhaltlich ging es um menschliche Not, die Bitte um göttliche Hilfe, die Sehnsucht nach Befreiung und Frieden. Vier erschütternde, von unbändigem Lebenswillen kündende Gedichte, die die 18-jährige Selma Merbaum im Konzentrationslager schrieb, unterstrichen die Vokalwerke. Rainer Iwersen las sie mit spürbarer Anteilnahme – leider weit hinten im Altarraum und nicht immer verständlich.

„Vox Bona“ ist ein sorgfältig und minutiös geschulter Chor professioneller Laien, der über ebenso viele Männer- wie Frauenstimmen verfügt. Karin Freist-Wissing leitete energisch, immer aufmunternd und freundlich - ihre hörbar stimmtechnisch geschulten Choristen dankten es ihr mit hoher Aufmerksamkeit. „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen“, eine Motette, in der Johannes Brahms dichte atmosphärische Ausdrucksmelodik und dramatische Ausformung zur Vollendung führt, wurde in der Wiedergabe der Bonner Gäste zu einem Höhepunkt des Konzertes.

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Im Jahre 1906 schrieb Arnold Schönberg, kurz bevor er sich der Zwölftonmusik zuwandte, den Chorsatz „Friede auf Erden“. Samuel Barber (1910-1981) unterlegte dem beliebten Adagio seines Streichquartetts op.11, das zum allgegenwärtigen Trauerstück zu verkommen drohte, den Text des liturgischen „Agnus Dei“. Der Schwede Jan Sandström (geb.1954) besang die „Friedenstaube“, und Benjamin Britten (1913-1976) vertonte in Achtstimmigkeit einen Text von Randall Swingler – „Advance Democracy“. Alle diese beachtlichen Herausforderungen meisterte der Kammerchor mit erlesener Klangkultur, fein austarierter Homogenität, treffsicherer Intonation, großer dynamischer Bandbreite und klarer Diktion.

Der achtstimmigen Bachmotette „Komm, Jesu, komm“, mit der das Konzert begann, folgte das interessanteste und vermutlich schwierigste Werk des Abends – eine Komposition des Schweden Sven-David Sandström (geb.1942), der den gesamten Text in „seine“ Klangsprache übersetzte. Für den reichen Applaus in der gut besuchten Basilika dankten die Vokalisten mit einer Zugabe in finnischer Sprache.

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