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Dormagen: Chlor fürs Trinkwasser

Dormagen : Chlor fürs Trinkwasser

Ab Donnerstag chloren die Kreiswerke Grevenbroich das Trinkwasser im Wasserwerk Mühlenbusch. Für zwei Wochen riecht und schmeckt das Wasser anders. Experten zufolge ist die Beigabe unschädlich für die Gesundheit.

In den Bereichen Nievenheim, Gohr und Ückerath riecht und schmeckt das Trinkwasser ab Donnerstag anders. Für zwei Wochen versetzen die Kreiswerke Grevenbroich das Wasser mit Chlor. Der Versorger gibt 0,1 Milligramm Chlorgas pro Liter Wasser Flüssigkeit bei. Gemäß Trinkwasserverordnung ist eine Beigabe von 0,2 Milligramm gesetzlich zulässig.

Behälter gesäubert

"Eine geringe Konzentration, die nur der Vorsorge dient", erklärt Dr. Jörg Kaulitzky, Technischer Leiter bei den Kreiswerken. Nötig geworden ist die Maßnahme aufgrund von Reinigungs- und Wartungsmaßnahmen am Reinwasserbehälter im Wasserwerk Mühlenbusch. Der Behälter sei gesäubert, Schäden begutachtet worden.

Nicht alle der 192 000 Haushalte, die von den Wasserwerken Mühlenbusch und Driesch aus im Verbund versorgt werden, werden die Chemikalie merken. "Am Anfang werden etwa 1000 Haushalte etwas bemerken, nach zwei Wochen sind es rund 5000", erklärt Kaulitzky. Risiken für die Verbraucher sieht er nicht. Lediglich Menschen mit einer Chlorunverträglichkeit, die im Schwimmbad rote Augen bekommen, sollten etwas aufpassen. Teetrinker könnten eine Geschmacksbeeinträchtigung feststellen.

Laut Philip Held, Wasserexperte bei der Verbraucherzentrale NRW, hängt eine gesundheitliche Schädigung von zwei Faktoren ab: "Wie lange man das Chlor einnimmt; wie weit der Weg ist, den das Wasser durch die Leitung zum Verbraucher zurücklegt." Für Hermann Dieter, Trinkwassertoxikologe beim Umweltbundesamt, ist nicht das Chlor selbst das Problem, sondern das toxikologische Nebenprodukt Trihalogenmethan. Chloroform gehört zu dieser Gruppe.

Diese Trihalogenmethane sind ab 50 Mikrogramm gesundheitsschädlich. Besondere Risikogruppen wie Kinder oder Schwangere macht der Experte nicht aus. In anderen Ländern wie England oder Frankreich ist das Trinkwasser ohnehin mit Chlor versetzt. Entwarnung gibt Birgit Mendel, Referentin beim Bundesgesundheitsministerium. "Chlor zur Desinfektion zu nutzen ist gängig", sagt sie. Unproblematisch — so lange die Grenzwerte, die in der so genannten Paragraph-11-Liste festgelegt sind, eingehalten werden. Für die Überprüfung der Vorgänge ist das Gesundheitsamt zuständig.

Das Wasserwerk Mühlenbusch existiert seit 1976 und startete mit zwei Brunnen; 1999 ging das erweiterte Zentralwasserwerk Mühlenbusch in Betrieb. Es versorgt die Gebiete Dormagen, Rommerskirchen, Grevenbroich und Neuss. Die beiden Reinwasserbehälter fassen ein Volumen von 11 000 Kubikmetern.

(RP)