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Chempark Dormagen mit Rekord bei Auszubildenden

Industrie in Corona-Zeiten : Azubi-Rekord im Chempark Dormagen

Chempark-Leiter Lars Friedrich ist mit dem zurückliegenden Jahr zufrieden und sieht sogar in der Corona-Krise Chancen. Die Digitalisierung sei dadurch vorangekommen. Dauerbrenner bleibt die marode Infrastruktur in NRW.

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Aufgrund der Corona-Pandemie fand das Jahresgespräch des Chemparks Dormagen am Donnerstag nicht vor Ort statt. Stattdessen wandte sich Chempark-Leiter Lars Friedrich mit einem gut siebenminütigen Video an die Medien, um die Eckdaten für den Standort bekannt zu geben. Friedrich wirkte entspannt – weder der Blick in die Kamera, noch die aktuelle Lage des Chemparks Dormagen schienen ihn zu beunruhigen. Tatsächlich konnte Friedrich ungeachtet der Lungenepidemie viel Positives berichten. Er schaue sehr zufrieden auf das Jahr 2019 zurück, sagte der Chempark-Leiter, der sogar in der aktuellen Krise Lichtblicke entdeckte.

Einer davon: die Digitalisierung. „Viele Kollegen sind im Homeoffice. Wir haben dabei gelernt, Digitalisierung schnell an vielen Stellen einzuführen und gemerkt, dass diese Prozesse auch funktionieren“, sagte Friedrich. Für die Beschäftigten, die weiterhin vor Ort im Chempark arbeiten, hatte Chempark-Betreiber Currenta Maßnahmen zur Messung der Körpertemperatur eingeführt und diese später noch verfeinert. Mit Erfolg, wie Chempark-Sprecher Timo Krupp, berichtete: Im Chempark Dormagen habe niemand aufgrund erhöhter Temperatur mit Corona-Verdacht nach Hause zurückgeschickt werden müssen. Krupp führt dies auch darauf zurück, dass Beschäftigte in der chemischen Industrie aufgrund der dort herrschenden Sicherheitsregeln für solche Themen besonders sensibilisiert seien. Unterdessen können die Kantinen unter bestimmten Bedingungen – kontaktloses Bezahlen per Werksausweis, Abstand der Tische, Acrylscheiben – von den Mitarbeitern benutzt werden.

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Ein Highlight für Dormagen sind diesmal die Ausbildungszahlen. Ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet neuen Rekord im Chempark Dormagen. 570 Azubis sind hier beschäftigt. „Damit sind wir der größte Ausbilder in der Region“, betonte der Chempark-Leiter, der keinen Hehl daraus machte, dass Nachwuchskräfte mehr denn je gebraucht würden. Sie seien die Zukunft in Dormagen.

Stabil geblieben ist die Zahl der Beschäftigten am Standort (9546), die Investitionen in die Anlagen der Chempark-Unternehmen haben sich nach den teils sehr hohen Summen in der jüngeren Vergangenheit mit nun 342 Millionen Euro auf ein „gesundes Niveau“ (Friedrich) zurückbewegt. Der Gesamtinvest an allen drei NRW-Chemparks (außer Dormagen noch Leverkusen und Krefeld) betrug 2019 1,6 Milliarden Euro. Wichtig vor allem für den Handel in Dormagen und Umgebung ist die vom Chempark für 2019 auf 320 Millionen Euro bezifferte Nettolohnsumme der Beschäftigten im örtlichen Chempark, die ihnen zum Lebenshaltung und zum Konsumieren zur Verfügung standen.

Friedrich legte allerdings auch den Finger in einige Wunden. 2020 stehe der Chempark vor großen Herausforderungen, die Wirtschaft müsse belebt werden – zum Beispiel durch Steuersenkungen, die aber nicht zu Lasten der Kommunen gehen dürften. Die stark verbesserungswürdige Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen bleibe ein „Dauerbrenner“, es bestehe weiter Handlungsbedarf. Friedrich erhofft sich auch einen Bürokratieabbau, etwa durch eGovernment, und damit einhergehende Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Zudem würden dringend genehmigungsfähige Flächen für die Industrie gebraucht, um Arbeitsplätze in Dormagen zu sichern.

Der Chempark-Leiter unterstrich die Wichtigkeit der Produktion im Chempark gerade in Corona-Zeiten. Mit Erzeugnissen in den Bereichen Pflanzenschutz, Pharma und hochwertigen Werkstoffen im Bereich Medizintechnik sei die Chemie ein wichtiger Bestandteil der Industrie in der Krise.