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Chempark Dormagen kämpft nach Katastrophe in Leverkusen um Vertrauen

Nach Katastrophe in Leverkusen : Chempark Dormagen kämpft um Vertrauen

Die katastrophale Explosion im Leverkusener Chempark hat auch Menschen am Chempark-Standort in Dormagen aufgeschreckt. Viele bleiben trotzdem gelassen. Die Stadt Dormagen zeigt sich schockiert. Ein Stimmungsbild aus Stadt und Chempark.

Die weithin hörbare Detonation, die schwarze Rauchwolke und die bedrückenden Fernsehbilder mit der Horrornachricht von mehreren Toten in der Müllverbrennungsanlage am Chempark Leverkusen haben auch in Dormagen Bestürzung hervorgerufen. Das Thema sorgt für ähnlich viel Gesprächsstoff wie die Hochwasserkatastrophe vor zweieinhalb Wochen. Allerdings: Viele Dormagener reagieren mit Blick auf mögliche Gefahren vor ihrer Haustür relativ gelassen. Ein erhöhtes Aufkommen von besorgten Nachfragen aus Dormagen habe man nach dem Unglück nicht verzeichnet, versicherte Maximilian Laufer, Sprecher des Chempark-Betreibers Currenta, auf Anfrage. Bei der Stadt war die Rede von vereinzelten Fragen von Bürgerinnen und Bürgern zu dem Thema. Das Bild der vergleichsweisen Ruhe deckt sich mit Nachfragen unserer Redaktion am Freitagvormittag am Markttag auf der Kölner Straße.

„Ich bin hier groß geworden, und daher kann ich sagen, dass man um die Gefahr weiß, aber man weiß auch, wie hoch die Sicherheitsvorkehrungen im Chempark sind und dass die auch mit Hinblick auf den Umweltschutz immer höher werden“, sagte Alex Klein, „deswegen mache ich mir in der Regel keine Sorgen.“ Ähnlich äußerte sich Uschi Schneider: „Es ist natürlich schrecklich, wenn man so etwas hört wie von dem Vorfall in Leverkusen. Es beschäftigt einen natürlich, das würde es aber auch, wenn man woanders wohnen würde. Wahrscheinlich wird der Chempark auch aus diesem Vorfall wieder gelernt haben und darauf reagieren. Ich fand die Kommunikation vom Chempark sehr gut. Ich bin nicht in Sorge, zumindest nicht mehr, als man es sonst ist.“ Michael Lorenz urteilte differenziert: „Wir sind hier deutlich unbesorgter, als wir es vielleicht sein müssten. Damit schließe ich mich auch ein. Wir kennen es nicht anders, die halbe Stadt arbeitet gefühlt im Chempark, und wir sind an die mögliche Gefahr gewöhnt.“

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Die Verantwortlichen bei der Stadt Dormagen im Rathaus zeigten sich von der Katastrophe auf der anderen Rheinseite schockiert. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Verstorbenen und Vermissten. Wir hoffen, dass zügig die Ursache für die verheerende Explosion ermittelt wird, damit aus dem Unglück die richtigen Schlüsse gezogen werden können“, hieß es. Und weiter: „Das Ereignis führt uns vor Augen, dass keine Technologie ganz ohne Risiko zu betreiben ist. Gleichwohl sind wir nach wie vor überzeugt, dass die Verantwortlichen des Chemparks mit diesen Risiken sehr verantwortungsbewusst umgehen und die Sicherheit der Mitarbeiter und Bürger an erster Stelle steht.“

Tatsächlich hat der Chempark-Betreiber Currenta seit einigen Jahren viel investiert, um das Vertrauen in die chemische Industrie vor Ort zu stärken. Die unter dem früheren Chemparkleiter Ernst Grigat initiierte Linie mit möglichst viel Transparenz, direkten Kontakten zu den Bürgern, Informationsangeboten wie Broschüren und Besuchertagen im Chempark oder auch mit dem Nachbarschaftsbüro Chempunkt Unter den Hecken ist von seinem Nachfolger Lars Friedrich weiterverfolgt worden. Diesen Kampf um Vertrauen wird das Unternehmen nach dem Unglück in Leverkusen sicherlich weiterführen (müssen).

 Die Stadt wies am Freitag im Hinblick auf mögliche ähnliche Ereignisse in Dormagen darauf hin, dass für die Gefahrenabwehr im gesamten Chempark neben der Werkfeuerwehr die Berufsfeuerwehr Köln zuständig sei, Aufsichtsbehörde sei die Bezirksregierung Köln. Auf deren Anforderung würde die Feuerwehr Dormagen in einer solchen Situation unterstützend tätig werden. Die Stadt und der Rhein-Kreis unterhielten ein mehrschichtiges Warnsystem, um die Dormagener mittels Sirenen, Lautsprecherdurchsagen, Social Media, Radiodurchsagen, Warn App etc. zu warnen und zu informieren. Bei einem größeren Koordinierungsaufwand könne die Feuerwehr mit Nachbarkommunen einen Einsatzleitstab einberufen und die Stadtverwaltung einen Stab für außergewöhnliche Einsätze (SAE) bilden.