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Dormagen: Chempark-Chef zieht Bilanz

Dormagen : Chempark-Chef zieht Bilanz

Der scheidende Chempark-Chef Dr. Walter Leidinger über Investitionen am Standort Dormagen, Zukunftstechnologien, politisches Engagement und seinen Nachfolger bei Currenta, Dr. Ernst Grigat

Herr Dr. Leidinger, Sie gehen am 1. Oktober in den Ruhestand. Die naheliegendste Frage vorab: Wer wird Ihr Nachfolger?

Dr. Ernst Grigat Foto: UM

Walter Leidinger Es wird Dr. Ernst Grigat. Das ist eine gute Lösung. Grigat ist ein erfahrener und sympathischer Kollege.

Auf welche Herausforderungen muss sich der Chempark vorbereiten?

Leidinger Ich denke, dass die Arbeit der vergangenen Jahre Früchte getragen hat. Unter anderem haben wir umfangreich in den Chempark investiert: in Straßen, Energie, Kläranlage, Abluftverbrennung — die Infrastruktur stimmt. Wir haben mit der TDI-Anlage, Kemira oder Air Liquide Großprojekte vermelden können.

Wird der Wettstreit mit Standorten im Ausland sich verschärfen?

Leidinger Derzeit ist eher von einer Wiederentdeckung des Standorts Deutschland die Rede. Wir haben hier vor Ort stabile Rahmenbedingungen. Sorgen macht mir allerdings, wie die Energieversorgung in Zukunft gehandhabt wird, wie sich die Strompreise entwickeln. Das zweite große Thema ist die Akzeptanz in der Bevölkerung. Diesem Thema wollen wir weiterhin mit Transparenz begegnen. Ich denke aber, dass wir gut aufgestellt sind.

Sie haben zuletzt einige geplante Ansiedlungen von Firmen wie zum Beispiel Kemira oder Air Liquide gemeldet. Wie viel Platz ist für die weitere Expansion eigentlich noch vorhanden?

Leidinger Zunächst einmal suchen wir nach Unternehmen, die sich in das Netzwerk des Chemparks einpassen. Kemira ist solch ein Fall perfekter Symbiose. Eine spezielle Gruppe bei Currenta kümmert sich um die Ansiedlungen, sucht nach passenden Unternehmen. Doch diese Früchte können natürlich nicht jeden Tag geerntet werden, das ist ein langer Prozess. Zudem konnten wir 2011 mit 230 Millionen Euro die bisher höchste Investitionssumme vermelden.

Eine Großinvestition ist die TDI-Anlage von Bayer MaterialScience, die sich bereits im Bau befindet. Die Bezirksregierung Köln hat die Betriebsgenehmigung noch nicht erteilt. Wann rechnen Sie damit?

Leidinger Die Bezirksregierung sprach zuletzt von einem Ergebnis in diesem Jahr. Damit rechnet Bayer weiterhin.

Welche spannenden Zukunftstechnologien wird es im Chempark geben?

Leidinger Neben Praxair und Linde produziert Air Liquide künftig Kohlenmonoxid. Aber auch Wasserstoff wird das Unternehmen in Dormagen künftig hergestellen, der kann wie Benzin als Treibstoff genutzt werden. Ich war in Düsseldorf bei der Inbetriebnahme der ersten Wasserstoff-Tankstelle und habe ein mit Wasserstoff betriebenes Auto ausprobiert. Eine tolle Technologie.

Es gibt viele neue Antriebs-Technologien — wird sie sich durchsetzen?

Leidinger Das wird sich ähnlich verhalten wie damals mit der Videokassette. Es gab Video 2000, VHS und Betamax. Die beste Technologie wird sich am Ende durchsetzen.

Sie werden künftig mehr Freizeit haben. Wird man Sie häufiger an der Piwipp sehen?

Leidinger Ich werde mich künftig noch mehr dem Ruderverein widmen und hoffe, dass ich auch selbst öfter rudern kann; außerdem habe ich einen Lehrauftrag an der Fachhochschule und auch mein Engagement für den Rotary Club werde ich aufrecht erhalten. Zudem werde ich mich sozialen Projekten in meiner Heimat Peru widmen. Es ist jetzt Zeit für mich, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Sie sind kulturell interessiert. Kann sich Currenta in Zeiten knapper städtischer Kassen noch mehr in diesem Bereich einbringen?

Leidinger Wir haben in der Vergangenheit bereits Akzente gesetzt: zum Beispiel mit der Unterstützung des Festivals Alte Musik oder der Restaurierung des Steinway-Flügels der Kulle.

Ist für Sie ein politisches Engagement denkbar?

Leidinger Nein. Ich denke, die jungen Leute in Dormagen sind jetzt dran und sollten mehr Verantwortung bekommen.

Jens Krüger führte das Gespräch.

(NGZ/rl)