1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Chemieindustrie stärkt Hafen

Dormagen : Chemieindustrie stärkt Hafen

Während andere Binnenhäfen Einbrüche erlitten, konnte der Hafen Stürzelberg seinen Güterumschlag zwischen Januar und März im Vergleich zum Vorjahr um 19,2 Prozent steigern. Anschub leistete die Chemiebranche.

Dormagens Wirtschaftskraft am Wasser erschließt sich jedem Autofahrer, der die B 9 nach Süden fährt. Mächtige Kräne erheben sich am Horizont, Container und Stahl. Dass der Stürzelberger Hafen wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt ist — und zwar mit Wachstumspotenzial —, bestätigt jetzt das Statistische Landesamt IT.NRW: Hafenbetreiber UCT konnte den Güterumschlag zwischen Januar und März 2012 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 297 000 auf 354 000 Tonnen und damit um 19,2 Prozent steigern. Damit wächst der Hafen gegen den Trend. In den nordrhein-westfälischen Binnenhäfen wurden von Januar bis März 2012 30,1 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Das waren 6,3 Prozent weniger als noch im Vorjahr, so IT.NRW.

Hafenbetreiber UCT wollte sich gestern zu den positiven Zahlen nicht äußern, IHK-Verkehrsexperte Wolfgang Baumeister indes sieht einen Zusammenhang mit der starken Chemieindustrie: "Es gibt derzeit zwei Güterbereiche, denen der Wachstum folgt: der Chemiebereich und die Containerisierung." Der Rhein ist für Baumeister eine goldene Ader, barrierefrei, bei der Ladung gibt es keine Grenzen in der Höhe. Der Wasserweg sei insbesondere eine preisgünstige Option für Güter, die nicht zeitkritisch transportiert werden müssten. "In West-Ost-Richtung sind die Straßen und die Schiene zu", so der Verkehrsexperte. Auch für die Zukunft sieht es aus seiner Sicht rosig aus: "Die Firmen in der Region und am Rhein beweisen Standorttreue." Das gelte für die chemische genauso wie für die Aluminium-Industrie.

Immerhin 60 000 Quadratmeter groß ist das Hafengelände, davon 6000 Quadratmeter überdacht. Neben der Chemieindustrie und Schüttgütern ist die Aluminiumbranche ein wichtiger Zweig des Unternehmens an der Sachtlebenstraße in Stürzelberg. Bis zu 32 Tonnen schwer sind die Barren, die aus Island, Norwegen oder Russland verschifft werden.

Dormagens Wirtschaftsförderin Gabriele Böse scheint auch ein wenig stolz sein auf den starken Wirtschaftszweig am Rhein zu sein: "Das Schiff ist ein Verkehrsmittel mit Perspektive und für Dormagen ein super Standortvorteil." Doch sie weiß auch, dass dem Unternehmen Grenzen gesetzt sind: auf der einen Seite Wohnbebauung, auf der anderen Landschaftsschutzgebiet. UCT habe zuletzt schon einmal versucht, sein Areal zu erweitern.

Im September diskutiert die IHK Mittlerer Niederrhein in einer Regionalkonferenz über potenzielle Fläche — auch in Dormagen, auch am Wasser. "Dann", sagt Baumeister, "wird möglicherweise auch eine überraschende Idee präsentiert."

(NGZ)