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Dormagen - mit Video: Chemie sichert den Standort

Dormagen - mit Video : Chemie sichert den Standort

Chempark-Leiter Walter Leidinger erwies sich auf dem blauen NGZ-Sofa als angenehmer und sehr unterhaltsamer Gesprächspartner. NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten blieb er keine Antwort schuldig.

Herr Leidinger, wer ist für Sie der bedeutendste Peruaner?

Walter Leidinger Mario Vargas Llosa, der Nobelpreisträger. Ich habe viel von ihm gelesen. Aber Sie dachten wahrscheinlich mit Blick auf das heutige Spiel an Jefferson Farfan... (Mittwochabend spielte Schalke 04 in der Champions League mit Stürmer Farfan, Anm.d.Red.)

Zwei Beispiele für bekannte Peruaner. Auch Sie sind in Lima geboren...

Leidinger Ja. mein Großvater, ein gebürtiger Münchener, ist 1921 dorthin ausgewandert. Ich bin die dritte Generation.

Fühlen Sie sich als Peruaner oder Deutscher?

Leidinger Ich habe zwei Nationalitäten. Ich bin auf peruanischem Boden geboren, aber meine Familie ist deutsch. Man ist dort zuhause, wo die Freunde sind – und die leben in Deutschland.

Wie sind Sie zur Chemie gekommen?

Leidinger Mein Vater war begeisterter Naturwissenschaftler und Chemie-Ingenieur – ich bin also familiär vorbelastet. Ich habe in Peru mein Chemie-Diplom gemacht und bin dann mit Hilfe eines Stipendiums zur Promotion nach Heidelberg gekommen. Das war eine schöne Zeit, auch wenn ich Einiges aufgrund von Regularien wiederholen musste. So hatte ich Zeit, mich einzuleben und deutsch denken zu lernen.

Wann erfolgte der Schritt unters Bayer-Kreuz?

Leidinger In Peru gab's nur eine große Chemiefirma, und das war Bayer. Eigentlich wollte ich forschen, aber Bayer war immer in meinem Blickfeld. Jetzt bin ich 28 Jahre im Konzern – und habe dank Bayer auch meine Frau kennengelernt.

Als Chempark-Leiter üben sie eine anderer Funktion aus als Ihre Vorgänger, die klassische Werksleiter waren.

Leidinger Ja, richtig. Was früher ein Bayerwerk war, ist heute ein Standort mit 30 verschiedenen Unternehmen. Das spiegelt den Trend wider, sich in der Produktion und bei Dienstleistungen auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Wir bei Currenta als Chemiepark-Betreiber sind das beste Beispiel dafür. Der Chempark-Leiter wiederum ist der Koordinator innerhalb des Verbundes und das Gesicht nach außen.

Wie führen Sie den Verbund?

Leidinger (lacht) Ich bin so etwas wie der Bürgermeister im Chempark. Es geht darum, die Zusammenarbeit zu regeln, Richtlinien aufzustellen und den Chempark zu entwickeln. Das ist bei der Größe auch notwendig: Am Standort sind 6500 Mitarbeiter plus etwa 3000 von Fremdfirmen tätig.

In welchen Bereichen?

Leidinger Dormagen ist im Wesentlichen Produktionsstandort. Darauf sind wir stolz. Es arbeiten nur wenig Mitarbeiter in der Verwaltung.

Gibt es noch so etwas wie ein Wir-Gefühl im Chempark?

Leidinger Wir haben 30 verschiedene Unternehmenskulturen, aber zum Beispiel eine gemeinsame Sicherheitsphilosophie. Und einen Geist: Wir sind Dormagen.

Was sind Stärken Ihres Standorts?

Leidinger Vor allem die Verbund-struktur. Die Unternehmen arbeiten teilweise eng zusammen und beliefern sich gegenseitig mit Produkten und Rohstoffen. Wir fragen immer: Was passt dazu? Bei Bayer Material Science fällt beispielsweise Salzsäure als Nebenprodukt an – genau das , was die finnische Firma Kemira braucht, die sich deshalb 2011 bei uns ansiedeln möchte. Das sind langfristige Investitionen, die den Standort sichern.

Was brauchen Sie an Unterstützung von außen?

Leidinger Wir brauchen vor allem Akzeptanz vor Ort. Dahin zielt ja auch die Lokale Allianz, an der wir uns beteiligen. Unser Ziel ist es, den Nutzen der Industrie für die Bürger wieder stärker begreifbar machen, bezogen sowohl auf die Produkte als auch auf die Bedeutung der Industrie als Arbeitgeber.

Wie ist Ihr Verhältnis zur Stadt und ihren Bürgern?

Leidinger Sehr gut. Wir versuchen, ein Teil der Gesellschaft und ein guter Nachbar zu sein. Wir sagen, was wir vorhaben und nehmen Sorgen sehr ernst. Offenheit ist heute das Maß aller Dinge.

Auch im Krisenfall – siehe Japan?

Leidinger Die Nachbarschaft hat ein Recht auf Information. Mit dem Thema Sicherheit gehen wir offen um, auch im Krisenfall.

Was wäre Ihr beruflicher Gau?

Leidinger Dass wir stehenbleiben. Wir müssen immer besser werden. Ich bin Ruderer – wenn sie aufhören, zu rudern, treiben sie.

Was steht an im Chempark?

Leidinger Im Mai werden konkretere Pläne für die TDI-Anlage von BMS vorgestellt. Diese Großinvestition erzeugt Aufbruchstimmung im gesamten Werk.

Wird Dormagen Chempark-Standort bleiben und wird weiterhin eine emotionale Identifikation bestehen?

Leidinger Wir werden hier bleiben. Ich sehe unsere Zukunft in Dormagen. Hier wollen wir Arbeitsplätze erhalten.

Ludger Baten stellte die Fragen, Heiko Schmitz fasste das Gespräch zusammen.

(NGZ)