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Dormagen: Chefin in der Chemie

Dormagen : Chefin in der Chemie

Diane Carini ist seit 2009 Betriebsleiterin des CI-Betriebes von Bayer Crop Science im Chempark Dormagen. Als Frau ist sie in dieser Funktion eine absolute Ausnahme. Doch Chemie ist für die 39-Jährige pure Passion.

Eine Frau, die beruflich in einer typischen Männerdomäne Fuß fasst, muss zumindest "ticken" wie ihre männlichen Kollegen – oder? Wer das Industrieanlagenbüro von Diane Carini betritt, findet dieses Klischee scheinbar bestätigt. An der Magnetwand hängen drei Autogramme von prominenten Ex-Profis ihres Lieblingsclubs Bayer 04 Leverkusen. Ansonsten schmücken den Schreibtisch lediglich eine politisch korrekte Currenta-Kaffeetasse und die Bürowand ein chinesisches Bild – ein Erinnerungsstück, sagt die 39-jährige Betriebsleiterin des CI-Betriebs (CI steht für Carbamat Insektizide).

Dr. Diane Carini. Foto: H. Jazyk

Drei Jahre war sie für Bayer in Ostasien, hat eine Anlage in China mit aufgebaut und festgestellt, dass Chefinnen im Reich der Mitte häufiger sind als etwa in Japan – oder bei uns. "Im Pflanzenschutzbereich ist sie als Chefin eine Ausnahme", sagt Produktionsassistent Holger Hopp. Der 48-jährige Tagschichtmeister, der schon seit 1982 im CI-Betrieb arbeitet, schätzt seine Vorgesetzte: "Sie ist absolut anerkannt, das war von Anfang an so", betont er. "Sie hat einen angenehmen Führungsstil, dem relativ überschaubaren Betrieb mit seinen rund 55 Mitarbeitern angepasst." Er glaubt, dass Frauen sich leichter tun, ein familiäres Klima zu schaffen – Diane Carini bestätigt das.

"Ich rede viel mit den Leuten", sagt sie. "Dabei erzählen mir die Mitarbeiter auch Dinge, die sie einem Mann nicht erzählen würden", sagt die gebürtige Schweizerin. Schließlich interessiere Männer meist nicht, wie es den Kindern anderer geht. Hauptgesprächsthema aber ist die komplexe, hochtechnisierte Arbeit, mit der sich die verheiratete Wahl-Düsseldorferin stark identifiziert – schon seit dem Studium an der ETH Lausanne, an der sie Chemieingenieurwesen studierte. "Eigentlich wollte ich Parfums kreieren", erzählt sie. In ihrer Doktorarbeit widmete sie sich bereits industriellen Abwässern. Beim Interview trägt sie ein hellblaues Polo-Shirt, auf dem die Produktnamen "Envidor" (ein Mittel gegen Obst-Milben) und "Oberon" stehen, die seit 2010 in Dormagen produziert werden. Mehrere Insektizide und ein Fungizid stellen sie und ihre Kollegen her – Chemie, die einen Beitrag zur Versorgung der Weltbevölkerung leisten soll: "Wir werden 2050 neun Milliarden Menschen sein. In Asien merkt man das Wachstum stärker als in Europa", sagt sie. Die Erträge der Landwirtschaft müssten deshalb wachsen.

Für Effizienz im Betrieb sorgt der genau geplante Tagesablauf, der um 7.30 Uhr mit dem Austausch mit den Meistern beginnt. Diane Carini checkt Fehlermeldungen, veranlasst etwaige Reparaturen. Viel Zeit brauchen ständige Sicherheitsprüfungen. Nebenbei wird über Fußball gesprochen. Wenn's um Lieblingsclubs geht, hat sie einen schweren Stand: "Hier verläuft die Grenze zwischen Gladbach- und Köln-Fans", weiß sie.

(NGZ)