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Dormagen: Chancen für ältere Bewerber

Dormagen : Chancen für ältere Bewerber

Die berufliche Perspektive für ältere Arbeitnehmer wird besser. Unternehmen wie Ineos setzen auf auf spezielle Demografie-Konzepte. Und sogar die Agentur für Arbeit sieht neue Möglichkeiten für ältere Fachkräfte.

Mehr als 500 Bewerbungen hatte der Mann geschrieben, als er an der Edisonstraße das Bauschild bemerkte. Die Errichtung einer Fabrik für Schaumglasschotter war darauf angekündigt. Also bewarb der Mann sich noch ein letztes Mal. Inzwischen produziert das Schweizer Unternehmen Misapor im Zwei-Schicht-Betrieb. "Die Hälfte unserer Belegschaft ist 52 Jahre alt oder älter", sagt Norbert Heymann, Produktionsleiter bei Misapor. Viele von ihnen seien arbeits- und hoffnungslos gewesen, als sie sich bewarben.

Das Unternehmen bildet mit seinem Konzept, älteren Bewerbern eine Chance zu gehen, keine Ausnahme mehr. Der Chemieriese Ineos, der im Chempark über 2000 Mitarbeiter beschäftigt, hat jüngst ein "Standortkonzept 2020" verabschiedet. Derzeit liegt der Ineos-Altersschnitt bei 42 Jahren, doch das wird sich in der Zukunft ändern. "300 Mitarbeiter werden in den kommenden zehn Jahren in Rente gehen", sagt Geschäftsführer Patrick Giefers. Der Bedarf nach Chemikanten und Ingenieuren ist bei dem Chemiekonzern nach wie vor vorhanden. "Viel schlimmer ist aber der Fachkräftemangel", sagt Betriebsratschef Schulz. Das Unternehmen will den Wissenstransfer zur kommenden Generation sicherstellen und setzt dafür auf ein Drehtürmodell. Ältere Mitarbeiter vor der Rente und jüngere sollen im Tandem arbeiten, Personalabbau soll es nicht geben. "Wir müssen ein betriebliches Gesundheitsmanagementsystem etablieren", ergänzt Betriebsratsvorsitzender Siegfried Schulz. Dazu seien Investitionen in die Belegschaft notwendig. Ineos will seine Mitarbeiter mit Ernährungsprogrammen, Stressbewältigung und Rückenschulungen binden. Ähnlich ist die Situation beim Faserfabrikanten Dralon. "Wir wollen die Gesundheitsförderung forcieren und stehen dafür mit den Krankenkassen in Kontakt", sagt Personalchefin Helga Davideit, die auch an Arbeitsgruppen der Stadt zum Thema Demografie teilgenommen hat.

Viktor Sauer, Leiter der Dormagener Zweigstelle der Agentur für Arbeit, glaubt ebenfalls, dass ältere Arbeitnehmer künftig bessere Chancen haben: "Viele Arbeitgeber erkennen, dass Know-how eine große Rolle spielt." Rosig sind die Möglichkeiten allerdings in bestimmten Sparten: "Die Chemiebranche sucht in Dormagen verstärkt, doch auch Speditionen, Einzelhandel oder der Pflegebereich ist um Fachkräfte bemüht." Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die Arbeitslosenquote in Dormagen liegt derzeit bei 4,4 Prozent; bei der Gruppe der Männer und Frauen zwischen 50 und 65 nur bei 5,1 Prozent. Viktor Sauer ist hoffnungsvoll, dass sich die Entwicklung 2012 fortsetzt.

Misapor-Produktionsleiter Heymanns jedenfalls hält große Stücke auf seine Belegschaft 50 plus: "Von unseren älteren Mitarbeitern ist bisher noch keiner krank gewesen."

(NGZ)