Dormagen: Busfahrpläne ständig auf dem Prüfstand

Dormagen: Busfahrpläne ständig auf dem Prüfstand

Dormagens System aus Stadtbussen und Anruflinientaxis steht auch in Zukunft vor immer neuen Herausforderungen.

Beschwerden müssen nicht grundsätzlich negativ sein. Wer sie ernst nimmt und die richtigen Schlüsse daraus zieht, dem bieten sie auch Chancen - Chancen, besser zu werden, zum Beispiel. Nach dieser Maßgabe wird bei der Stadtbus Dormagen GmbH verfahren. "Wir nehmen Beschwerden und Wünsche unserer Kunden sehr ernst", betont jedenfalls deren Vertriebsleiterin Andrea Kunz. Solche Hinweise seien schließlich für ein passendes Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) überaus hilfreich. Denn so lasse sich nachvollziehen, wo sich der Bedarf geändert habe und wo Nachbesserungen sinnvoll seien. "Ich bitte die Leute aber, die Beschwerden schriftlich einzureichen, damit wir Wünsche oder gestiegene Nachfrage auch dokumentieren können", sagt Kunz.

Mitunter sind es aber auch die Nutzerzahlen bei den Anruflinientaxis, die zu Veränderungen führen. Wie jüngst in Rheinfeld: Dort ist vor gut drei Wochen eine neue Nachtexpress-Linie, die NE 3, eingeführt worden, die dritte in Dormagen. In Rheinfeld war das Beförderungsinteresse in den späten Stunden so groß, dass sich der Einsatz einer neuen Buslinie anstelle des Anruftaxis lohnte. Allein im vergangenen April hatte es Bedarf für rund 300 Fahrten gegeben.

Dass die Stadtbus Dormagen GmbH mit flexiblen Reaktionen auf veränderte Situationen und Rahmenbedingungen richtig liegt, zeigt die Resonanz. "Wir haben sehr positive Rückmeldungen bekommen, und die neue Linie wird von den Rheinfeldern sehr gut angenommen", berichtet Kunz. Der Nachtexpress verkehrt bis um kurz vor 3 Uhr nachts und kann auch Kinderwagen, Rollstühle, Rollatoren und Fahrräder an Bord nehmen. Er bedient die Strecke von Rheinfeld über den Bahnhof Dormagen nach Hackenbroich und wieder zurück und "ist unser einziger Ringverkehr", wie Andrea Kunz ergänzt.

Neue Herausforderungen werden auch in Zukunft zu meistern sein. Wer regelmäßig oder zumindest desöfteren in Dormagen Bus fährt, bekommt mit, dass es den Fahrern immer schwerer fällt, die Fahrpläne einzuhalten. Denn seit der frühere SVGD-Geschäftsführer Ulrich Pfister ein Basissystem für den Busverkehr in der Chemiestadt ausgearbeitet hat, sind mehr als 20 Jahre vergangen und der Verkehr ist seitdem viel dichter geworden. Zeit-Puffer, die es früher noch gab, sind mittlerweile ausgereizt. Folglich ist absehbar, dass - wahrscheinlich schon in der näheren Zukunft - das gesamte Fahrplankonstrukt neu aufgestellt werden muss. Dafür allerdings müsste zunächst die Politik grünes Licht geben. Im Busverkehr der Zukunft wird ohne Frage auch die Umweltverträglichkeit eine große Rolle spielen. In manchen Städten laufen bereits Versuche mit alternativen Antrieben bzw. Kraftstoffen. Getestet werden unter anderem Wasserstoffbusse, zum Beispiel bei der Kraftverkehr Wupper-Sieg (Wupsi) auf der anderen Rheinseite in Leverkusen.

Auch die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) hat auf ihrer Internetseite bereits angekündigt, dass sie ihre gesamte Fahrzeugflotte mit konventionellen Verbrennungsmotoren nach und nach durch Fahrzeuge mit umweltfreundlichen alternativen Antrieben ersetzen möchte. Für die Anschaffung von 30 Brennstoffzellen-Hybridbussen und zwei Wasserstoff-Tankstellen erhält sie im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie eine Förderung in Höhe von 7,4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Die 13 Dormagener Stadtbusse rollen zwar mit Diesel, allerdings haben die zuletzt angeschafften fünf den höchsten Umweltstandard nach Kategorie Euro VI.

(ssc)