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Dormagen: Bunte Käfer-Parade weckt Erinnerungen

Dormagen : Bunte Käfer-Parade weckt Erinnerungen

Sein zweites Programm eröffnete die Initiative "Dormagen Kulturbunt" mit einem Käferfest auf dem Gelände des Alloheims. Passende Musik gab es vom Radio- und Phonomuseum. Elf weitere Veranstaltungen sind noch geplant.

"Weißt du noch, damals..", kaum ein Satz war am Samstagnachmittag öfter zu hören als dieser. Denn: An kaum einem Oldtimer hängt das Herz so wie am VW Käfer. Und deshalb war es für die Initiative "Dormagen Kulturbunt" nur konsequent, mit einem Käferfest in die zweite Saison zu starten. Am Samstag parkten 17 Käfer mit petrolfarbenem, rotem, silbernem oder schwarzem Lack auf der Wiese des Alloheims.

"Uns lag daran, mit ausschließlich historischen Käfern an einem Ort zu starten, an dem Menschen leben, die alt oder krank sind und die fast alle einmal einen solchen Käfer besaßen oder zumindest gefahren sind", erklärt Mitinitiator Volkmar Hess vom Phono- und Radiomuseum Dormagen, der auch gleich für die passende Musik sorgte: Von alten Abspielgeräten erklangen Stücke aus den 50er bis 70er Jahren, verschiedene Tanzgruppen, die zum Teil eine weite Anreise auf sich genommen hatten — darunter auch die Boogie-Friends NRW — zauberten 50er-Jahre-Stimmung und luden zu den Modetänzen der damaligen Zeit ein.

Auch Mathias Brandt, stellvertretender Leiter des Alloheims, war begeistert und streckenweise gerührt von dem Erfolg der Veranstaltung: "Wir haben sie lange vorbereitet und mit unseren Bewohnern über ihre Jugendzeit gesprochen, die sie in der Nachkriegszeit und der Wirtschaftswunderzeit erlebt haben. Damals sind sie mit dem Käfer bis nach Italien gefahren, was man sich ja heute nicht mehr vorstellen kann", sagt Brandt. Auch Besucherin Elisabeth Lehnen kam gleich ins Fachsimpeln, als sie die funkelnden Fahrzeuge sah.

"Ich weiß, dass mein Mann einen Käfer besaß. Aber da waren wir noch nicht verheiratet und ich hatte noch keinen Führerschein", erinnert sich die 75-Jährige. "Es ist schön für die Bewohner des Alloheims, wenn eine Veranstaltung angeboten wird, die Erinnerungen in ihnen weckt — schöne Erinnerungen." Eine Bewohnerin erzählt, wie ihr Freund sie zum ersten Mal mit dem Mofa abgeholt hat.

"Es sind diese Gerüche, die Autos und vor allem das Geräusch, wenn man sie anlässt", sagt Mathias Brandt. "Der Käfer hat einen großen Symbolcharakter für die älteren Menschen." Am Nachmittag ging es gemeinsam mit den Senioren auf eine Stadtrundfahrt durch Dormagen. Das Ziel: Auf dem Rathausplatz sollte weiter getanzt, gelacht und in Erinnerungen geschwelgt werden. Mit dabei war auch Marc Strobel, Pflegedienstleiter bei den Dormagener Maltesern. Er war mit seinem VW Käfer von 1971 gekommen, der in einem satten Rot mit creme- und rotfarbenen Ledersitzen ein Blickfang ist.

"Das ist inzwischen mein zweiter Käfer. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht und dort meine Leidenschaft für Oldtimer entdeckt. Besonders der Käfer hat es mir angetan."

Als er das Schätzchen kaufte, sei es in einem schlechten Zustand gewesen. "Er hatte zwar die gleiche Farbe, aber zerfledderte Sitze. Ich habe ihn restauriert und ihm neue Felgen in 60er Jahre-Optik verpasst." Mathias Brandt weiß die Zusammenarbeit mit dem Phono- und Radiomuseum zu schätzen: "Es arbeitet mit mehr als 40 Senioreneinrichtungen zusammen. Wir sind aber die einzige, die einen 50er Jahre Raum eingerichtet hat."

(NGZ)