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Dormagen: Bufdis können nicht alle Zivi-Lücken schließen

Dormagen : Bufdis können nicht alle Zivi-Lücken schließen

Nach dem Wegfall des Zivildienstes sind Freiwillige in vielen Einrichtungen unersetzlich. Doch immer wieder gibt es Engpässe.

Der Nievenheimer Christoph Böker (28) trat 2006 seinen Zivildienst in der Seniorenresidenz Alloheim an und hat diesen Schritt seither keinen Tag bereut: "Damals habe ich herausgefunden, was ich beruflich machen will", sagt er. Zwar habe er die Einrichtung nach dem Zivildienst verlassen, aber nur für kurze Zeit: "Nach meiner Ausbildung im Bereich Lager und Logistik war ich drei Jahre als Tierpfleger in einem Tierheim beschäftigt, bis ich mich zum Kommunikationsassistenten für Gebärdensprache ausbilden ließ und zurück ins Alloheim in die Pflege ging."

Dort wurde er mit offenen Armen empfangen. "Einige Senioren von meiner früheren Station erkannten mich wieder und haben sich gefreut, dass ich wieder da bin", sagt Böker. Ein gutes Gefühl, dass jetzt vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen verwehrt bleiben wird, weiß Mathias Brandt, Leiter der Sozialen Dienste des Pflegeheims: "Die Zivis haben die Abläufe erleichtert."

Sie übernahmen Fahrten zu Ärzten, Einkaufsfahrten oder die Betreuung der Senioren, so konnten sich die Pflegekräfte intensiver um die Bewohner und die Dokumentation kümmern. "Mit ihrem Wegfall standen wir plötzlich vor einem großen Problem", so Brandt. Heute versucht das Heim, die acht Zivistellen mit einer 400-Euro-Kraft auszufüllen. "Das funktioniert natürlich nur teilweise", so Brandt. Einen Bundesfreiwilligendienstleistenden (Bufdi) beschäftigt das Heim nicht, weil Bewerber fehlen.

Im Gegensatz dazu kann das Seniorenzentrum Markuskirche des Diakonischen Werkes auf drei Bufdis und FSJler — Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren — bauen. "Früher hatten wir fünf Zivi-Stellen. Unsere drei Freiwilligen können die Lücke nicht schließen, aber wir sind froh, dass wir sie haben", sagt Leiter Franz-Josef Laermanns. Ein Vorteil sei es, dass sich auch ältere Menschen als Bufdis einbringen: "Bei uns arbeitet etwa eine Mutter, die bald ihr zweites Kind erwartet und sich eine erfüllende Tätigkeit wünscht." Der befürchtete Engpass blieb aus: "Bufdis und FSJler können Zivis ersetzen."

Als Verbesserung schätzt Christa Bruns, Leiterin der St.-Augustinus-Seniorenhilfe, den Wegfall des Zivildienstes ein: "Tatsächlich vermissen wir die Zivis nicht. Sie waren immer zusätzlich eingeplant, mit sechs Monaten war der Dienst kurz." Mit Bufdis und FSJlern sei die Zusammenarbeit besser. "Sie kommen freiwillig und sind geschult." In Dormagen unterstützen drei Bufdis und drei FSJler die Hauptamtlichen. "Sie sind eine Bereicherung, wir sind begeistert", so Bruns.

In allen Einrichtungen freuen sich die Senioren über die Menschen, die Zeit haben, mit ihnen zu reden, zu spielen oder spazieren zu gehen. "Sie gehen anders auf Senioren zu als Profis, führen Gespräche frei von der Leber weg", sagt Brandt.

(NGZ/rl)