Dormagen: Bürger vermuten weitere Pläne

Dormagen : Bürger vermuten weitere Pläne

Delrath Die Berichterstattung der NGZ über die Ungereimtheiten und Verzögerungen bei der Planung der Autobahnanschlussstelle Delrath sorgt für viel Wirbel.

Viele Bürger in Delrath schütteln den Kopf über die geplante Lösung, die weiträumig ihr Naherholungsgebiet vor der Haustüre zerschneiden soll.

Sie und der BUND (Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland) fragen, warum plötzlich in so großem Stil landwirtschaftlich genutzte Flächen verschwendet werden, statt wie zunächst vorgesehen, es bei einer flächenschonenden Lösung zu belassen.

Diese bescheidene Lösung hatte die SPD noch 2003 in einem Flugblatt propagiert, hatte bereits nachrichtlich Eingang in die neueste Fassung des Gebietsentwicklungsplanes (GEP) bei der Bezirksregierung in Düsseldorf gefunden.

Bei den Bürgern wächst eine Vermutung: "Hier sollen Flächen für andere Zwecke reserviert werden", so Peter Jacobs (63). Der diplomierte Bau- und Verkehrsbau-Ingenieur wohnt am Elvekumer Weg am Ortsrand von Delrath und weiß, wovon er spricht: Er war 36 Jahre lang im heutigen Landesbetrieb Straßenbau in die Verkehrsplanung eingebunden.

Peter Jacobs konkretisiert seine Vermutung. "Dort ist entweder der große Autohof geplant oder aber eine Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen."

Beides würde Sinn machen: Bürgermeister Heinz Hilgers spracht längere Zeit von einem Autohof im Bereich Delrath - die in den jetzigen Plänen ausgewiesene Fläche 37,4 Hektar westlich der Autobahn bis zur Straße zur Anschlussstelle, mit weiteren knapp 22 Hektar bis zur Eisenbahnlinie.

Auch der zweite Gedanke ist nicht abwegig. Gegen die bereits beschlossenen Windkraftanlagen in Gohr regt sich weiterhin heftiger Widerstand bis zur gerichtlichen Auseinandersetzung.

Das Areal an der Autobahn wäre eine denkbare Alternative. Das Gebiet ist als ein denkbarer unter sieben Standorten für Windkraftanlagen im Stadtgebiet von einem Gutachter benannt.

Und angesichts der weiträumigen Straßenführung könnten die vorgeschriebenen Abstände zu Straßen und Wohnbebauung mühelos eingehalten werden. Jacobs Vermutung: "In diese Richtung wird sich dort etwas tun."

Bürgermeister Heinz Hilgers tritt solchen Vermutungen energisch entgegen: "Die weite Schleife wurde gewählt, um von der Zufahrtsstraße zur eigentlichen Auffahrtsschleife nicht zu nah an die Delrather Wohnbebauung heranzurücken."

Das hätte wiederum Proteste bei anderen Bürgern erzeugt. Hilgers tritt auch der Vermutung für einen Autohof entgegen: "Wir sprechen derzeit wegen eines solchen Projekts im Bereich des neuen Gewerbegebiets in Höhe Hackenbroich."

Laut Hilgers sei vorgesehen, das Gelände weiter als landwirtschaftliche Fläche zu beackern. Ob das allerdings noch Sinn macht, wenn Zufahrtsstraßen und Autobahnzufahrt das Areal durchschneiden ist fraglich.

Hilgers hat angekündigt, mit Landrat Dieter Patt und dem Neusser Bürgermeister Herbert Napp über Alternativflächen auf Neusser Gebiet für die Landwirtschaft zu verhandeln. Vielleicht denkt der Grundstückseigentümer auch über den Verkauf weiterer, dann zerstückelter Flächen nach und kommt der Stadt mit ihren Plänen entgegen?

Das Argument der Verzögerung um mehr als zwei Jahre kann Jacobs nicht nachvollziehen. "Die Planung wird einfach auf die neue Trasse projeziert - das ist ein erprobtes und angewandtes Verfahren." Verhindern aber wollen die Bürger den Anschluss auf keinen Fall.

(NGZ)
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