Dormagen: Bürger sollen Stadt-Projekte finanzieren

Dormagen : Bürger sollen Stadt-Projekte finanzieren

Die Liberalen wollen mit dem Finanzierungsmodell "Crowdfunding" das bürgerschaftliche Engagement stärken.

Mit einer "Vergissmeinnicht-Aktion" hat der Förderverein Jugend- und Sozialarbeit (FJS) im vergangenen Monat Politik und Verwaltung daran erinnert, die dringend erforderliche Sanierung des Kinderspielplatzes an der Platanenstraße in Nievenheim nicht zu vergessen. Eine gelungene Aktion. Doch ob's hilft? Das Geld fehlt. Geht es nach den Dormagener Liberalen könnte "Crowdfunding" die Lösung sein. Ein Finanzierungsmodell auf kommunaler Ebene, bei dem die Bürger mit im Boot sind. Ein entsprechender Antrag wird im kommenden Hauptausschuss auf die Tagesordnung kommen. Die Finanzierung über Crowdfunding ist in Deutschland noch relativ neu. Erste kleine erfolgreich finanzierte Projekte gab es 2010 und 2011.

Bei dieser Finanzierungsmethode unterstützen viele, meist Privatpersonen ein Projekt mit relativ kleinen Geldbeträgen. Der Koordinator des Finanzierungsprojektes muss daher genügend Menschen von seiner Idee überzeugen, damit das Kapital zusammenkommt. Gelingt dies nicht, so wird das Geld wieder zurückgezahlt. "Diese Finanzierungsform ist einem gesellschaftlichen Wandel geschuldet", sagt Torsten Günzel. Der Rastherr und Stadtverbandsvorsitzende der Liberalen nennt Silicon Valley in den USA, wo kleine Firmen mit neuen Geschäftsideen, so genannte Start ups, auf eben diesem Weg sich finanzieren. Günzel ist überzeugt: "Um künftig Projekte finanzieren zu können, benötigen wir mehr bürgerschaftliches Engagement." Dormagen sind, wie anderen Kommunen auch, aufgrund eines Haushaltssicherungskonzeptes, finanziell die Hände gebunden. Bezahlt werden müssen nur Pflichtaufgaben, weitere Ausgaben müssen dem Landrat als Aufsichtsbehörde vorgelegt, begründet und von diesem genehmigt werden. Der Spielraum ist also eng. In Leverkusen-Leichlingen gibt es derzeit Überlegungen, die Diepental-Talsperre per Crowdfunding als Erholungsgebiet zu sichern. Eine Million Euro wären mindestens nötig, plus weiteres Geld für den Betrieb. Leichlingens Bürgermeister Ernst Müller sagt: "Wenn jeder, der in Facebook als Unterstützer der Dieptalsperre auftritt, 500 Euro spendet, haben wir die Summe für den ersten Sanierungsschritt zusammen."

Im Rathaus wird die FDP-Idee positiv bewertet: "Grundsätzlich ist eine Bürgerbeteiligung in Form von Finanzierungsbeteiligung sehr zu begrüßen", heißt es in einer Stellungnahme, "da sie zum einen die Möglichkeit der Umsetzung von freiwilligen Projekten schafft, für die im Rahmen des Haushalts keine Mittel zur Verfügung gestellt werden können. Und zum anderen wird dadurch auch die Verbundenheit mit der Stadt Dormagen verstärkt." Und genau den Spielplatz an der Platanenstraße schlägt die Verwaltung als Einstiegsprojekt vor. "Anhand dieser Sanierungsmaßnahme sollte die Umsetzbarkeit einer Finanzierung über Crowdfunding überprüft werden." Als Anreiz sieht die FDP weniger den eher mageren Zinssatz, der bei bisherigen Projekten bei 0,75 Prozent lag. "Dem Bürger ist es wichtig, dass er ein direktes Ergebnis sehen kann", glaubt Torsten Günzel. Projekte für das Gemeinwohl — das sind die Ansatzpunkte der Liberalen. Wie die Renovierung von öffentlichen (Spiel-)Plätzen oder eine Investition in die Freizeitanlage Tannenbusch. "Statt einem bestimmten Zinssatz kann dann der Geldgeber ja auch eine andere Gegenleistung erhalten. Zum Beispiel ein Jahr kostenloses Parken oder Ähnliches."

(NGZ)
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