Dormagen: Bürger gegen Bauen im Garten

Dormagen : Bürger gegen Bauen im Garten

Im Dormagener Stadtgebiet gibt es mehrere Pläne, auf freistehenden Flächen im Innenbereich der Straßen-Karrees Neubauten zu errichten. Viele Anwohner wehren sich gegen den Häuserbau in ihren Gärten.

Ein Stück unberührte Natur — das hat sich Roland Julius Endert gewünscht, als er vor fünf Jahren ein Haus an der Biesenbachstraße in Stürzelberg gekauft hat — inklusive schönem, großem Garten mit Streuobstwiese. Dieses Paradies sieht er nun gefährdet: "Die Stadt plant dort eine Bebauung mit bis zu 55 Wohneinheiten — und das gegen den Willen der Besitzer", erklärt er. Bei einer Informationsveranstaltung für die Anwohner habe die Stadt im Dezember erste Pläne dazu gezeigt.

Dort sei bereits großer Unmut spürbar gewesen, wie Enderts Nachbar, Jost Auler, bestätigt: "Etwa 90 Prozent der Bewohner waren gegen die Baupläne", erinnert sich Auler, der selbst nicht auf seine Idylle verzichten möchte: "Dort, wo jetzt meine zwei Schafe weiden, soll kein neues Haus gebaut werden." Auch Petra Hiller sieht die Bebauung skeptisch: "Die dann zu erwartende Verkehrsdichte würde den Dorfcharakter zerstören."

So wie in Stürzelberg soll an mehreren Stellen in Dormagen eine freistehende Fläche für die so genannte Nachverdichtung genutzt werden, auch an der Vom-Stein-Straße in der Innenstadt oder der Moselstraße/Düsselweg in Hackenbroich, wo das Grundstück der ehemaligen evangelischen Kirche mit 24 Häusern bebaut werden soll. Dort protestieren Anwohner wie Markus Stobrawe wegen der zu hohen Geschosszahl und wegen der geplanten Nutzung des Düsselweges als Durchgangsstraße: "Dort spielen unsere Kinder", sagt Stobrawe, der hofft, dass diese Pläne noch einmal überdacht werden.

"Die Bezirksregierung wird so ohne weiteres keine großen Neubau-Flächen mehr genehmigen", weist CDU-Ratsherr René Schneider aus Stürzelberg auf ein Dilemma hin: "Wenn wir die Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen, Nahversorgung in den Ortsteilen aufrecht erhalten wollen, brauchen wir junge Familien — und denen müssen wir Bauland anbieten." Er kann die Anwohner zwar verstehen, dass sie jetzt sich nicht vorstellen können, einen Teil ihres Gartens für Bauland herzugeben, hofft dabei aber auf Einsicht: "Diese Bauvorhaben sind auf lange Sicht geplant, nicht morgen oder übermorgen, sondern vielleicht in 15 Jahren — und dann könnte es ja sein, dass ein Kind oder Enkel der jetzigen Besitzer auf dem Grundstück bauen möchte. Diese Möglichkeit sollte ihnen niemand verbauen."

Die Stadt versucht beides: neue Baugebiete wie Nievenheim IV zu erschließen und die vorhandenen Freiflächen zu bebauen, wie CDU-Fraktionsvorsitzender Wiljo Wimmer MdL im Interview mit der NGZ nochmals klarstellte: "Wir wollen eine dezentrale Wohnraumentwicklung, aber auch eine innerstädtische Verdichtung, also Baulückenschluss."

(NGZ)