Dormagen: Brückensperrung kostet Speditionen Geld

Dormagen : Brückensperrung kostet Speditionen Geld

Fahrzeuge mit einem Gewicht von über 3,5 Tonnen dürfen die marode Rheinbrücke an der A 1 zwischen Leverkusen und dem Linksrheinischen nicht mehr nutzen. Das sorgt für große wirtschaftliche Schäden - gerade bei örtlichen Betrieben.

Tanja Köhler sagt es klipp und klar. "Für Unternehmen wie uns, die vor allem im Regional- und Nahverkehr unterwegs sind, bedeutet die Sperrung der Leverkusener Rheinbrücke für Lastwagen wegen des schlechten Zustandes des Bauwerks riesige Probleme. Das betrifft uns ganz massiv", urteilt die Geschäftsführerin der Dormagener Spedition Malzburg. Zeitverlust, höhere Mautkosten und Mehrausgaben für Sprit - "die wirtschaftlichen Auswirkungen für unseren Betrieb sind schon gravierend", betont Köhler. Etwa 25 Kilometer mehr pro Wegstrecke fielen bei Malzburg an, weil die Fahrer auf Rheinquerungen in Köln oder Düsseldorf ausweichen müssen. Ein Zeitverlust von einer Stunde am Tag entspreche in etwa dem Wegfall einer Tour. "Allein das sind rund 250 Euro weniger Einnahmen", rechnet die Geschäftsführerin vor.

Ähnlich sieht es bei der Hoyer GmbH aus. Alle Transporte, die in Dormagen beginnen und in Leverkusen zu laden sind, seien betroffen, teilte Ewelina Jankowski von Hoyer mit. "Unser Depot ist linksrheinisch und wir müssen rechtsrheinisch laden. Die Mehrheit der Transporte geht dann zum Kombibahnhof Köln-Eifeltor oder dient der Werksversorgung Richtung Dormagen, Neuss und Krefeld - diese Transporte sind doppelt betroffen, da sie zurück auf die linksrheinische Seite müssen." Die einzig vernünftigen Umgehungen seien via A 46, A 59 und dann über die A 3 (Ausfahrt Leverkusen) - ca. 20 Kilometer Umweg.

Ernst Grigat, Leiter der Chemparks in Leverkusen, Dormagen und Krefeld beziffert den Schaden für die dort ansässigen Unternehmen auf einen mittleren fünfstelligen Betrag - pro Tag wohlgemerkt. Gelassener sein können Friedhelm Mindermann, Dormagener Niederlassungsleiter des Speditions- und Logistikunternehmens Barth&Co sowie Janine Breuer von der Spedition Heinz Hintzen, die viele Aufträge für das Umschlag-Container-Terminal (UCT) in Stürzelberg erledigt. "Unsere Kundschaft ist mehr in nördlicher Richtung zu finden, deshalb hat die A 1-Brücke für uns keine große Bedeutung", erklärt Mindermann. Auch bei Hintzen sind nicht viele Lkw betroffen.

Unterm Strich aber soll die erneute Sperrung der Rheinüberquerung für schwere Fahrzeuge schon jetzt einen Schaden in Höhe von mehr als 6 Millionen Euro verursacht haben, so die Schätzung von Experten. Diese Summe lasse sich leicht von jenen 80 Millionen Euro herunterbrechen, die das Institute for Economic Research and Consulting 2013 ermittelt hatte, als die Brücke 92 Tage für Lkw über 3,5 Tonnen blockiert gewesen war, erläuterte Holger Schilp, Sprecher des Interessenverbandes "Pro Mobilität". Für Rüdiger Ostrowski, Geschäftsführer des Verbandes Spedition und Logistik Nordrhein-Westfalen, ist die erneute Sperrung eine Katastrophe und gleichzeitig ein "Beweis für politisches Versagen auf ganzer Linie".

Nachdem viele Brummifahrer die Sperrung ignoriert hatten, macht die Polizei ernst und kontrolliert genau. Am vergangenen Wochenende waren rund 180 "Falschfahrer" erwischt worden. Und auch gestern hatten die Beamten wieder reichlich zu tun. Gegen 9.30 Uhr winkten sie in Fahrtrichtung Köln vier Lasterfahrer auf den Seitenstreifen, die über die Brücke gebrettert waren.

(NGZ)
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