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Massenunfall bei Dormagen: Brand an A57 : Die ungeklärte Katastrophe

Massenunfall bei Dormagen : Brand an A57 : Die ungeklärte Katastrophe

Vor einem Jahr kam es auf der Autobahnbrücke am Ernteweg nach einem Feuer zu dem Massenunfall mit einem Toten und 13 Verletzten. Ein Unglück, das allen Beteiligten das Äußerste abverlangte – auch Feuerwehrmann Stefan Meuter.

Vor einem Jahr kam es auf der Autobahnbrücke am Ernteweg nach einem Feuer zu dem Massenunfall mit einem Toten und 13 Verletzten. Ein Unglück, das allen Beteiligten das Äußerste abverlangte — auch Feuerwehrmann Stefan Meuter.

Heute Nacht jährt sich der Massenunfall auf der A 57-Brücke, bei dem ein Toter und 13 Verletzte zu beklagen waren. Kurz nach Mitternacht fuhren 21 Fahrzeuge in einer Rauchwand ineinander. Unbekannte hatten unter der Brücke einen Stapel mit Kunststoffrohren angezündet. Die starke Rauchentwicklung nahm den Auto- und Lkw-Fahrern die Sicht. Für einen 29-Jährigen aus Jüchen kam jede Hilfe zu spät. Es war das schwerste Unglück in Dormagen der vergangenen Jahre, zusammen mit dem Brand bei Ineos 2008 und dem Brand auf dem Tankschiff "Avanti" im Jahr 1999, bei dem es drei Tote gab.

Stefan Meuter war vor einem Jahr einer der ersten, der die Unglücksstelle erreichte. "Als wir dorthin fuhren, war uns das Ausmaß des Unfalls nicht klar", sagt der stellvertretende Kreisbrandmeister. Das Szenario, das sich dem 40-Jährigen bot, hat er bis heute nicht vergessen. "Wir mussten erst einmal sehen, wo fängt die Unfallstelle eigentlich an, und wie groß ist sie", erinnert er sich. Anfangs war die Lage völlig undurchsichtig, Chaos pur: Unter der Brücke löschte die Feuerwehr Dormagen den brennenden Stapel, darüber trafen aus beiden Richtungen die ersten Rettungskräfte an der Unfallstelle ein. Der Zusammenhang wurde erst allmählich deutlich. "Uns war zuerst nur ein Kleinbrand am Feldrand gemeldet worden", erinnert sich Dormagens Feuerwehrchefin Sabine Voss. Vor Ort wurde bald das tatsächliche Ausmaß klar.

Dann galt es, den Einsatz von rund einhundert Rettungskräften zu organisieren, binnen kürzester Zeit festzustellen, wo Leicht-, und wo Schwerverletzte in den Wagen auf Hilfe warten. Ein schlimmes Bild bot sich den Helfern am Auto des Jücheners, der unter einen Lkw gefahren war. "Da suche ich die Kollegen gut aus, die dort eingreifen müssen", sagt Voss. "Man muss in dem Moment die Gefühle beiseite schieben und einfach nur seinen Job machen", sagt Meuter. Als er nach gut neunstündigem Einsatz nach Hause kommt, lassen sich die Bilder im Kopf und der Geruch des ausgelaufenen Kraftstoffs nicht abschütteln. "Ein solches Trümmerfeld hatte ich in meinen 26 Jahren als Feuerwehrmann noch nicht erlebt."

Ein Brand und ein Massenunfall, die bis heute nachwirken. Nach wie vor sucht die Polizei nach den Brandstiftern. Die Autobahnbrücke am Ernteweg wurde so stark beschädigt, dass sie abgerissen werden musste. Erst sieben Wochen später, zu Ostern, konnte der Verkehr auf der A 57 über zwei Behelfsbrücken wieder mit Tempo 60 fließen. Im Frühjahr soll nun eine dritte Behelfsbrücke angelegt werden. Sie markiert den Auftakt des Neubaus, an dessen Ende ein Brückenbauwerk mit jeweils sechs Fahrspuren stehen soll.

Die Brückenplaner sind aktiv, die Kriminalpolizei nicht minder. Sie kann dennoch nach einem Jahr keinen Täter präsentieren. Dabei stellten Experten das Brandverhalten der Rohre nach, Polizei und Staatsanwaltschaft setzten einen Brandgutachter ein, Experten des LKA zeichneten den Tatort mittels 3-D-Technik auf. Die Ermittler nahmen, so erklärte die Polizei am Dienstag, "jedes Detail unter die Lupe". Ein gestohlener VW-Transporter geriet in den Fokus der Kripo, weil er kurz vor dem Brandausbruch dort verlassen aufgefunden wurde. Polizeibeamte verteilten mehr als 500 Fahndungsplakate in der näheren Umgebung.

"Bei der Polizei gingen in den letzten zwölf Monaten Hinweise im dreistelligen Bereich ein", sagt Polizei-Sprecher Hans-Willi Arnold. "Über hundert Personen gerieten ins Visier der Fahnder, dazu wurden viele Alibis überprüft." Trotz aller Anstrengungen ist der A 57-Fall ungelöst. Ein klarer Misserfolg der Polizei? "Manchmal dauert es länger, das gehört zum Beruf dazu", sagt der zuständige Düsseldorfer Staatsanwalt Matthias Ridder. "Wir geben nicht auf, wir haben einen langen Atem."

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, "dass es Menschen gibt, die mehr über die Tat wissen, als sie bisher gesagt haben", so Arnold. Auf deren Hinweise oder die des Täters selbst, den das schlechte Gewissen plagt — auch darauf setzen die Ermittler. Polizei-sprecher Arnold: "Wer etwas weiß, was mit dem Tod des jungen Mannes zu tun haben könnte, sollte sich bei uns unter 02131 3000 melden."

(NGZ/ac/top/url)