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Dormagen: Biogasanlage offiziell in Betrieb

Dormagen : Biogasanlage offiziell in Betrieb

Am Freitag ist die Biogasanlage Randkanal Nord zwischen Thenhoven und Hackenbroich in Betrieb gegangen. Die Anlage arbeitet mit Mais und Grünroggen und versorgt 3000 Haushalte mit Strom und 1000 mit Wärme.

Dass der Betrieb einer Biogasanlage nicht ganz geruchlos vonstatten geht, davon konnten sich die Besucher des Areals am Straberger Weg überzeugen. Ein leicht muffiges Lüftchen wehte über das Gelände, während Uwe Schönberg, Vertriebsvorstand des Kölner Versorgers RheinEnergie, die Anlage auf der Grenze zwischen Thenhoven und Hackenbroich in Betrieb nahm — die Zeremonie war wegen des Regens ironischerweise auf die so genannte Mistplatte verlegt worden.

Der Probebetrieb läuft zwar bereits seit Ende 2011, offiziell aber werden erst seit gestern 3000 Haushalte mit Strom und 1000 mit Wärme versorgt. "Die Biogasanlage steht symbolisch für die Energiewende", meinte jedenfalls Schöneberg in seiner Ansprache. Die Zukunft der Energieversorgung sei hier erlebbar. Stichwort: Dezentralität. Immerhin 1000 Biogasanlagen von der Größe am Randkanal Nord wären notwendig, um ein Kernkraftwerk zu ersetzen.

Auch die Bürger von Hackenbroich profitieren von der rund fünf Millionen teuren Anlage. 1,2 Megawatt Wärmeenergie werden in das nahe gelegene Heizwerk der Energieversorgung Dormagen (evd) geleitet. Dabei ersetzt die Anlage Nahwärme, die bislang aus fossilen Ressourcen erzeugt wurde. "Die für den Betrieb benötigten Energiepflanzen werden in einem Radius von zehn Kilometern angebaut", so Schöneberg. Auf einer Fläche von etwa 400 Hektar wachsen die rund 20 000 Tonnen Biomasse, die in der Biogasanlage verwertet werden. Hauptsächlich Mais und Grünroggen werden dabei verarbeitet. Schöneberg. "Die natürliche Fruchtfolge wird dabei eingehalten." Insgesamt 16 Landwirte in der näheren Umgebung sorgen für Nachschub. Betreiber RheinEnergie weist auf den umweltschonenden Betrieb hin. Die Verbrennung von Biogas setze nur die Menge an Kohlendioxid frei, die die Pflanzen der Luft vorher entzogen hätten. Im Vergleich zur Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen ließen sich mit der Biogasanlage jährlich 7000 Tonnen Kohlendioxid einsparen; die 17 000 Tonnen Gärreste ließen sich als als hochwertiger Dünger wiederverwerten.

Michael Theben aus dem Umweltministerium des Landes sprach vom "regenerativen Zeitalter". Die Energiewende müsse wie hier von unten gestaltet werden. Es gelte die Bioenergie weiter auszubauen. Im Rahmen des so genannten Klimaschutzplans sollen immerhin 80 Prozent CO2 bis 2050 eingespart werden. Die Kölner Umweltdezernentin Henriette Reker lobte, dass mit einem Mix an Energiepflanzen gearbeitet werden. Eine "Vermaisung" werde so vermieden. Und: "Ökologie und Ökonomie schließen sich nicht aus."

(NGZ)