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Dormagen: Bildhauern lernen in Zons

Dormagen : Bildhauern lernen in Zons

In Zons fand jetzt wieder die Sommerakademie für Bildhauerisches Arbeiten statt. Eine der Teilnehmerinnen war Ellen Czygan. Sie hat schon viel über das Kunsthandwerk gelernt, jetzt gestaltete sie eine abstrakte Marmor-Figur.

Schon von weitem ist das laute Geräusch der Flexmaschinen, die über die rohen Steine geführt werden, zu hören. Das Geklirre der Hämmer und Meißel kommt bei genauem Hinhören dazu. All diese groben Arbeiten hat Ellen Czygan zwar schon hinter sich gebracht, doch fertig ist sie mit ihrer Skulptur noch nicht. "Bewegtes Band" nennt sie ihre Marmor-Figur, die mit zahlreichen Maserungen verziert ist. Es ist eine wellenförmige Figur, die zu ihren Enden hin sehr dünn wird. "Die Gefahr ist groß, dass der Stein abbricht", erklärt Czygan. Der Marmor fühlt sich noch rau an, doch am Ende des Tages will die 63-Jährige die Schleifarbeiten beendet haben.

Sommerakademie in Zons

Ellen Czygan ist eine von 14 Teilnehmern der Sommerakademie für Bildhauerisches Arbeiten, die seit dreißig Jahren in Zons stattfindet. Unter der Leitung des renommierten Bildhauers Johannes Dröge sowie seiner Kollegin Elisabeth Mette kommen im Sommer viele handwerklich Begeisterte zusammen, um für zwei Wochen eifrig an Skulpturen zu werkeln und zu schleifen. Den Anfängern empfehlen die Leiter erst per Hand zu arbeiten. "Die Maschinen arbeiten sonst schneller als die eigenen Gedanken", sagt Elisabeth Mette.

Die zwei Leiter gucken den Teilnehmern regelmäßig über die Schultern, helfen ihnen, doch die künstlerische Freiheit bleibt. "Man kann ausprobieren, was man möchte", sagt Ellen Czygan. "Es gibt viele Ratschläge, aber keine Vorschriften." Das gefällt ihr gut. Die Betreuung sei optimal und fachlich sehr kompetent.

Die Skulpturen unterscheiden sich in ihrer Form, ihrer Größe und in ihrem Stein. Keine Figur gleicht der anderen. Eine Skulptur ist bei der Arbeit durchgebrochen. Doch hier wurde improvisiert. "Die Bruchstelle ist jetzt ein weiteres Gestaltungselement", sagt Mette. Die meisten Teilnehmer waren schon mehrfach bei der Sommerakademie dabei.

Auch Ellen Czygan nimmt zum vierten Mal teil. Wenn sie über die Arbeit an ihrer Figur redet, hört sie sich sehr erfahren an. "Man muss die Idee vorher im Kopf haben", sagt sie. Das Resultat variiere am Ende nur leicht von der Ausgangsidee. Für die Gestaltung sei es wichtig, sich den Stein genauer anzuschauen. Ist der Stein lebendig – also mit vielen Maserungen versehen – solle man die Figur abstrakt halten. Zu viele Details würden von der Maserung erschlagen. Für Ellen Czygan gehört die Sommerakademie zum Sommer dazu. Nicht nur die abstrakte Marmor-Figur hat sie während der zwei Wochen gefertigt. Zwei Wandtafeln sind ebenfalls das Resultat der Woche. Die Feinarbeit der Tafeln muss allerdings noch zu Hause erledigt werden.

(NGZ)