Dormagen: Bildhauer für ein Wochenende

Dormagen: Bildhauer für ein Wochenende

Zum ersten Mal bot Berthold Welter einen Workshop in der Galerie-Werkstatt an: Acht Teilnehmer meißelten, knüpfelten und schliffen.

Es wird gehämmert, mit Eisen und Knüpfel Schicht um Schicht abgetragen, vorsichtig Staub weggepustet, um das Geschaffte zu begutachten. Am Wochenende konnten alle, die ihrer Fantasie Ausdruck verleihen wollten, am Bildhauerkursus des Kunstvereins Galerie-Werkstatt Bayer Dormagen in Knechtsteden teilnehmen und von den Erfahrungen des Steinmetzes und Bildhauers Berthold Welter profitieren.

Bei blauem Himmel und Sonnenschein zog es die meisten Hobby-Künstler schnell in den Außenbereich. Auch Eckard Höft bearbeitete seinen Baumberger Sandstein aus dem Münsterland sorgfältig. "Aus ihm soll ein Knoten entstehen", erklärte er, während er seine Schutzbrille justierte. Bereits vor einem Jahr hatte der passionierte Maler schon einmal einen Bildhauer-Workshop besucht und sich der neuen Herausforderung selbstbewusst gestellt. "Ich habe ein Arbeitsleben lang einen trockenen Versicherungsjob ausgeübt. Das Handwerk ist dabei zu kurz gekommen. Ich mag es, auch mal fest zuzupacken, mich mal dreckig zu machen." Während er sich beim Malen auch mal überraschen lassen könne, müsse er beim Bildhauen gut aufpassen, um nicht zu viel Material abzutragen. "Dabei kann ich total abschalten, weil ich mich nur auf mein Werk konzentriere."

Und genau diese Freiheit im Kopf ist es, was Berthold Welter vermitteln will: "Was ich mache, ist losgelöst von jeglicher Funktion", sagt der gebürtige Straberger, der vor 42 Jahren bei Davertshoven in die Lehre gegangen ist. "Das Ergebnis ist, was es ist. Und es ist so geworden, weil ich es so wollte." Dabei habe er sein ganzes Leben lang nie das Gefühl gehabt, zu arbeiten. "Für mich ist es ein Spiel. Ich spiele mich sozusagen durchs Leben. Ein großer Luxus." So vermittelt er den Teilnehmern neben der Technik auch das Loslassen von Konventionen. "Viele sind oft unsicher, ob das, was sie denken oder machen, auch richtig ist. Ich unterstütze sie, indem ich sie darin bestärke, sich einfach auszuprobieren, bremse sie aber auch, wenn ich sehe, dass hier oder da zu viel Material abplatzen könnte."

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Niederlagen gibt es in seinen Kursen nicht, nur Erfahrungen. Und die macht auch Irene Fleisch-Fechter gerne: Sie arbeitete an einem Engel aus Alabaster. Bereits im Rohzustand bietet das Material viel Raum für Licht. "Und wenn ich erst einmal fertig bin, den Engel poliert habe, dann fühlt er sich fast so an, als sei er aus Glas", sagte sie voller Vorfreude. "Ich habe keine Eile", sagt sie lachend. "Ich kann mein Werk ganz in Ruhe vollenden. Auf mich wartet auch noch rosafarbener Alabaster, den ich ebenfalls zu einem Engel verarbeiten möchte."

Wer einmal die Liebe zur Bildhauerei entdeckt hat, wird die Begeisterung für diese Kunstform nie wieder verlieren, da ist sich Welter sicher. "Als Kind besuchte ich das Gymnasium in Knechtsteden - allerdings war ich selten in der Schule und habe lieber die Handwerksbetriebe in der Umgebung besucht. Die Steinmetz-Ausbildung war ein Geschenk. Ich wusste: Ich will nie wieder etwas anderes tun."

(NGZ)