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Dormagen: "Bierdusche gehört zum Leben"

Dormagen : "Bierdusche gehört zum Leben"

Landtagskandidat und Fraktionsvorsitzender der Dormagener CDU, Wiljo Wimmer, spricht auf dem blauen NGZ-Sofa über Schalke, Norbert Röttgen und die Piraten.

Herr Wimmer, es ist vor Ostern, der Landtags-Wahlkampf hat noch nicht richtig begonnen. Was machen Sie eigentlich am Donnerstagabend?

Wiljo Wimmer (lacht) Sie meinen das Spiel Bilbao gegen Schalke? Das ist eines der wenigen internationalen Spiele der letzten Jahre, das ich nicht besuche — wegen des Wahlkampfes. Mein Sohn wird mich würdig in Bilbao vertreten.

Sie haben eine Dauerkarte, Stehplatz in der Nordkurve.

Wimmer Das ist erlebnisreich, man hat ständig andere Leute um sich, kommt mit unterschiedlichen Menschen schnell ins Gespräch, bekommt auch mal eine Bierdusche ab — das ist Leben live.

Zur Politik: Herr Wimmer, Sie haben sich dafür ausgesprochen, das Osterfest zu respektieren und auf eine Plakatierung zu verzichten.

Wimmer Die Frage ist, was erwartet die Bevölkerung von Politik. Wenn man sich christlichen Werten verpflichtet fühlt und Ostern als höchstes Fest feiern möchte, dann ist es eine Sache der Pietät, dieses zu respektieren und auf eine Plakatierung — ein Kampfmittel — zu verzichten. Von mir wird es erst ab Mitte nächster Woche Plakate geben.

Wann war für Sie klar, dass es Neuwahlen geben wird?

Wimmer In der Woche der zweiten Lesung des Haushaltes. Es waren von der SPD für die Zeit nach der Abstimmung schon weitere Gespräche mit den kleineren Parteien verabredet worden. Ich glaube, FDP und Linke wollten mit ihrer ablehnenden Haltung den Druck erhöhen. Daraufhin wurden angesichts der Ablehnung des Haushaltes Landtags-Juristen aufmerksam und es entstand eine enorme Dynamik.

Was erwarten Sie von den Neuwahlen?

Wimmer Dass wir klare Ergebnisse bekommen. Und ich hoffe, dass keine Mehrheitsbildung gegen die CDU möglich sein wird.

Dann müssen Sie auch nicht darüber nachdenken, was Norbert Röttgen macht...

Wimmer Er hat erklärt, nach NRW zu kommen, um Ministerpräsident zu werden. Dieses Ziel verfolge ich auch. Spätestens seit der Erklärung von Frau Kraft, sie könne sich nicht vorstellen, Oppositionsführerin zu werden, sollte das Thema durch sein.

Ein Blick in den Wahlkreis Neuss II: Sie hatten bei der letzten Wahl neun Prozentpunkte Vorsprung auf den SPD-Kandidaten Edmund Feuster. Bei einem "Swing" von 4,5 Prozentpunkten wird klar — das ist kein dickes Polster.

Wimmer Es ist nicht so, dass die automatisch beim SPD-Mitbewerber landen. Ich habe auch nicht vor, dass dieser "Swing" eintritt.

Dormagen, Rommerskirchen und Grevenbroich ist kein schlechtes Feld für die Sozialdemokraten. Da können Sie sich nicht gemütlich zurücklehnen.

Wimmer Das habe ich auch nicht vor. Das habe ich auch in den zurückliegenden zwei Jahren nicht gemacht. Vielmehr habe ich mich intensiv bemüht, die Landespolitik in die Kommune zu tragen, zu informieren und Landesthemen vor Ort greifbar zu machen. Ich glaube, dass ich einen ganz guten Job gemacht habe. Aber das ist hier kein Spaziergang.

Was erwarten Sie von den Piraten?

Wimmer Die Piraten sind eine Gruppierung, die die Rolle der damaligen Grünen übernommen haben. Alle, die unzufrieden sind, aber politisch interessiert, sammeln sich jetzt bei den Piraten. Wobei die Sozialstruktur bemerkenswert ist: sehr männerdominiert, technik- und internetaffin. Sie sprechen eine bestimmte Zielgruppe an. Aber man kann kaum greifen, wofür die Piraten sind. Wir werden sehen, ob sie in einem Flächenstaat wie NRW über die Fünf-Prozent-Hürde kommen.

Sie sprechen das Internet an. Ist es nicht ein Lebensgefühl und Lebenswirklichkeit? Eine Karte, die die etablierten Parteien bislang zu wenig spielen?

Wimmer Sicherlich ist das Internet Lebenswirklichkeit. Als Hilfs- und Informationsmittel — ja. Aber kein Lebensraum, in dem ich mich nur noch virtuell bewege. Ich nutze das Internet, lebe dort aber nicht.

Welchen Gestaltungsraum hat Kommunalpolitik angesichts schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen?

Wimmer Sie müssen den Mangel so verwalten, dass es bestmöglich für die Bürger in den jeweiligen Ortsteilen ist. Die Einschnitte dürfen nicht so krass sein, dass sie an die Substanz geht.

Und in Dormagen?

Wimmer Unter den Bedingungen eines Haushaltssicherungskonzeptes gibt es zum Beispiel eine Bestandsgarantie für die kulturellen Einrichtungen. Wenn wir die nicht mehr haben, ist die Stadt nicht mehr lebens- und liebenswert.

Dormagen hat drei Bäder, das zweieinhalb Mal größere Neuss auch. Hat Neuss zu wenig Bäder oder Dormagen zu viel?

Wimmer Dormagen hat zwei Bäder in städtischer Trägerschaft, eines in der eines Chemieunternehmens bzw. eines von ihm unterstützten Sportvereins. Nun ist man mit dem "unsittlichen Angebot" an uns herangetreten, uns an den Betriebskosten zu beteiligen. Wir müssen überlegen, welche Bedarfe gibt es in Dormagen, was muss in einer Stadt mit 63 0000 Einwohnern zur Verfügung gestellt werden?

Aus Reihen der CDU kommt der Vorschlag eines Neubaus am Straberger See. Ist das nicht zu weit weg?

Wimmer Geografisch liegt es im Zentrum. Aber die Frage ist, wie sich Dormagen zwischen den umliegenden Großstädten positioniert? Wie können wir eine Marke Dormagen entwickeln? Die Idee ist nicht abwegig, sie besitzt Charme.

Der DHC spielt bald nicht mehr in der schönen Halle. Erwarten Sie auch dort ein "unsittliches Angebot"?

Wimmer Das würde ich nicht erwarten, sondern befürchten. Es kommt darauf an, wie sich der TSV insgesamt künftig aufstellen wird.

Klaus D. Schumilas fasste das Gespräch zusammen.

(NGZ)