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Bibliotheksabend in Knechtsteden zur Kindheitsgeschichte Jesu

Kloster Knechtsteden : Die Kindheitsgeschichte Jesu philosophisch diskutiert

Bibliotheksabend im Kloster Knechtsteden zum Thema „Kindheitsgeschichte Jesu und seine Ahnenreihe“.

Das war ein Abend „am Rand des Kämpferischen“, wie Pater Hermann-Josef Reetz sagte. Zur „Kindheitsgeschichte Jesu und seine Ahnenreihe“ ging es in der Klosterbibliothek Knechtsteden um Erkenntnisse in Geschichte, Philosophie und Religion. Dabei wurde die Fülle der Bibel-Aussagen durch steile Thesen des Philosophen Peter Sloterdijk gewürzt.

Die historisch-kritische Jesus-Forschung schimmerte im Vortrag eher durch. Die Kindheitsgeschichte Jesu wurde textnah beim Wort genommen, es wurden Übereinstimmungen in den vier Evangelien benannt, aber Widersprüche nicht ausgelassen. So berichten Markus und Johannes überhaupt nicht über Jesu Geburt, sondern setzen erst mit der Taufe des erwachsenen Jesus ein oder notieren: „Er war ein Mensch, der Gott geworden ist.“ Beim nichtjüdischen Evangelisten Lukas bündeln sich Überlieferung und Überzeugung zu einem laut Reetz „waschechten Roman“. Jungfrauengeburt („Gnadenlehre“) und Gottessohnschaft („unverdientes Geschenk Gottes an die Menschen“) werden von Lukas aus dem Alten ins Neue Testament übertragen. Diese Kindheitsgeschichten aus unterschiedlichen Federn sind nicht kompatibel. Kaum historisch belegt ist der Kindermord.

Manche Passagen im Neuen Testament wollen die Menschwerdung Gottes aus dem Alten Testament herleiten. Mit ellenlagen Ahnenreihen versuchen sie, den Messias bis auf König David und Adam zurück zu verfolgen. Lukas befindet dagegen: „Jesus ist für alle geboren.“ Ist solch ein Umgang mit der Heiligen Schrift ein Angriff auf das Christentum? Pater Reetz verneint: „Der historisch-kritische Zugang führt uns viel besser zu dem, was die Evangelisten uns sagen wollen.“

Ausgesprochen rabiat geht Sloterdijk mit der Heilsgeschichte um: Religion und Moderne schließen sich aus. Ihm gilt Jesus als „das schrecklichste Kind der Weltgeschichte“. Spätestens bei Beleidigungen, so wendet Reetz gelassen ein, werde deutlich: „Sloterdijks Sprache ist oft besser als seine Denke.“