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Dormagen: Betrugsvorwürfe gegen Tierschützer

Dormagen : Betrugsvorwürfe gegen Tierschützer

Trotz eines neuen Vorstandes herrscht im Tierschutzverein Unruhe. Gegen den Ex-Vorsitzenden Heinz-Karl Rehbein liegt eine Anzeige vor. Rehbein hat ebenfalls Anzeige erstattet. Streitpunkt ist auch eine geerbte Immobilie.

Ein Mitglied hat Anzeige wegen Betruges gegen den ehemaligen Vorsitzenden des Tierschutzvereins Dormagen erstattet. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte dies gestern auf Anfrage der NGZ. Heinz-Karl Rehbein sieht sich zu Unrecht beschuldigt und erhebt seinerseits Vorwürfe gegen Mitglieder des neuen Vorstandes, den die Jahreshauptversammlung am Mittwoch nach rund vierstündiger Debatte wählte.

Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer bestätigte gestern, dass der Staatsanwaltschaft Köln eine Anzeige gegen Heinz-Karl Rehbein in dem Sachgebiet Betrug und Untreue vorliegt. Die Ermittlungen dazu würden andauern.

"Ich habe über meinen Anwalt Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft beantragt, um die genauen Vorwürfe zu erfahren", sagt Rehbein. Wie der ehemalige Vorsitzende erklärt, habe auch er Anzeige erstattet. "Dabei geht es um eine Immobilie, die der Tierschutzverein geerbt hat", erläutert Rehbein. Näher wollte er sich mit Hinweis auf die Ermittlungen nicht äußern.

Nach Informationen unserer Zeitung soll durch die Staatsanwaltschaft geklärt werden, ob Rehbein Erlöse aus dem Verkauf geerbter Einrichtungsgegenstände ordnungsgemäß auf die Konten des Tierschutzvereins eingezahlt hat. Dass der Verein in den Vorjahren mehrfach geerbt hatte, bestätigt Rehbein: "Wir haben Geldbeträge und zwei Immobilien — eine in Dormagen sowie eine in Köln — geerbt."

Mit Schreiben vom 27. März hatte das Amtsgericht Neuss einen Notvorstand eingesetzt, der die Geschäfte des Tierschutzvereins übergangsweise leiten sollte. Grund dafür: Der ehemalige Vorstand um Rehbein hatte nicht rechtzeitig zu Mitgliederversammlung und Neuwahlen eingeladen. "Laut Satzung hätte die Versammlung bis zum 16. März stattfinden sollen. Herr Rehbein wollte diese jedoch noch verschieben", erklärt der neue Vorsitzende Jörg Kalkowsky. Er forderte zusammen mit weiteren Mitgliedern Rechenschaft über die vergangenen Geschäftsjahre des Tierschutzvereins.

Als gerichtlich bestellter Notvorstand leitete Kalkowsky die Mitgliederversammlung am Mittwoch, an deren Ende er an die Vereinsspitze gewählt wurde. "Es liegt vieles im Argen, und daran wurde seit Jahren nichts geändert", sagt er. Kalkowsky kündigt umfassende Renovierungsarbeiten und eine Aufarbeitung der vergangenen Jahre an.

Streit gab es in der Geschichte des Tierschutzvereins häufig. 2009 drohte eine Finanzierungslücke. Damals kürzte die Stadt zunächst die Zuschüsse für den Verein, die das Ordnungsamt für die Betreuung von Fundtieren zahlt, laut Rehbein von 43 000 auf 30 000 Euro. "Der jährliche Finanzbedarf des Vereins liegt bei etwa 250 000 Euro", ergänzt er. Um diese Ausgaben zu decken, sei der Tierschutzverein neben der Unterstützung durch die Stadt auf Mitgliedsbeiträge, Spenden, Vermittlungen und Erbschaften angewiesen. Inzwischen soll es dem Verein finanziell sehr gut gehen. "Eine Rücklage ist jedoch auch notwendig, um die Arbeit für die kommenden Jahre zu gewährleisten", sagt Rehbein. Kalkowsky sähe die hohen Rücklagen lieber "in die Sanierung des maroden Tierheims investiert".

(NGZ/top)