1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Betroffener arbeitet in Dormagen: Coronatest lieferte falsches Ergebnis

Betroffener arbeitet in Dormagen und warnt : Coronatest lieferte falsches Ergebnis

Wolfgang Müller-Breuer, Leiter des Jugendmigrationsdienstes Rhein-Kreis Neuss mit Büro in Dormagen, war mit dem Coronavirus infiziert und warnt nun vor zu schnellen Lockerungen der Schutzmaßnahmen.

Jedes Jahr im Dezember organisiert Wolfgang Müller-Breuer vom Jugendmigrationsdienstes Rhein-Kreis Neuss mit vielen Mitstreitern die Friedenslichtaktion an St. Michael in Dormagen. Der Leiter des Integrationsdienstes mit Büro im Römerhaus in Dormagen wohnt in Leichlingen, wo er auch Ratsherr der Grünen ist. Er war einer der ersten der bisher 469 Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis, die an Covid-19 erkrankten. 436 davon sind genesen, 21 gestorben. Müller-Breuer warnt davor, die Corona-Schutzmaßnahmen zu schnell abzubauen.

 Im Karneval saß Wolfgang Müller-Breuer mit seiner Frau Eva Breuer und Freunden in Köln im Café. Wenige Tage dann die Schocknachricht für das Ehepaar: Eine Freundin aus Berlin, die in der Domstadt dabei war, informierte sie, dass sie positiv auf das Virus getestet sei. Sein erster Gedanke: „Das klingt nicht gut.“

Freitags informierte das Paar das für Leichlingen zuständige Gesundheitsamt, am nächsten Tag berieten sie sich mit einer Ärztin. Noch einen Tag später, einem Sonntag, waren sie in Bergisch Gladbach zum Test, Montag erhielt er sein Ergebnis: Wolfgang Müller-Breuer hatte sich infiziert.

Tatsächlich hatte er sich bereits seit ein paar Tagen erkältet gefühlt mit leichtem Husten und erhöhter Temperatur. Nun also die Bestätigung. „Ich musste alle Kontakte benennen, die ich in den letzten Tagen länger als 15 Minuten gesehen hatte“, erzählt er. Dazu zählten nicht nur die Mitglieder seiner Grünen-Fraktion in Leichlingen, sondern auch Kollegen und Klienten. Ergebnis: Alle mussten zwei Wochen in Quarantäne.

Seine Ehefrau bekam ihr Ergebnis zwei Tage später. Sie aber war negativ auf das Virus getestet, obwohl auch sie Symptome wie ihr Mann zeigte. Erst nach fünf Wochen bestätigten Wiederholungstests, dass die Eheleute mittlerweile beide negativ waren. Soweit, so klar; dann aber entwickelte sich die Geschichte merkwürdig.

„Ich bin in die Uniklinik Köln gefahren und habe testen lassen, ob ich Blutplasma spenden kann. Dazu wurde mein Blut untersucht und festgestellt, dass ich tatsächlich Antikörper gegen das Virus entwickelt hatte“, berichtet Wolfgang Müller-Breuer.

Bei ihrem Arzt ließ sich auch Eva Breuer untersuchen. Dabei zeigte sich: Auch sie hatte Antikörper gebildet, obwohl die Tests bei ihr die ganze Zeit über negativ gewesen waren. Sie muss also mit dem Virus infiziert gewesen sein.

„Ich glaube deshalb, dass die Abstriche keine 100-prozentig sichere Aussage liefern, ob sich jemand mit Covid-19 angesteckt hat oder nicht“, sagt Wolfgang Müller-Breuer. Je nachdem, wie die Tests durchgeführt würden, könnten die Ergebnisse offenbar unterschiedlich ausfallen. Er rät deshalb: Die Menschen sollten weiterhin vorsichtig sein und die Hygienekonzepte einhalten, weil sie sich möglicherweise bei viel mehr Leuten anstecken könnten, als die statistischen Zahlen vermuten lassen. „Es ist natürlich ein Abwägen: Angebote in Kitas und Schulen sind wichtig, aber Partys sollten wir noch nicht wieder feiern“, plädiert Müller-Breuer.

Jeden Tag alle Nachrichten zur Corona-Krise in Ihrer Stadt - bestellen Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter „Total Lokal“ mit täglicher Corona-Sonderausgabe!