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Dormagen: Berliner Distel begeistert Fanschar erneut mit Kabarett der Spitzenklasse

Dormagen : Berliner Distel begeistert Fanschar erneut mit Kabarett der Spitzenklasse

Bereits zum dritten Mal trat jetzt das Kabarett-Theater "Die Distel" von der Berliner Friedrichstraße in der Dormagener Kulturhalle auf, und die Fangemeinde war komplett. Seit November 2016 waren alle 200 Karten weg. "Einmal Deutschland für alle!" hieß das Programm, das zwischen heiterer Komödie ("Fun Food Fuzzys") und bitterböser Polit-Satire ("Tanz um das goldene Kalb") changiert.

Mit der kleinen Ballade "Der Baum ist nicht tot" beginnt Matthias Felix Lauschuss (Drums, Gitarre) ganz harmlos, bis der Pizzabote Michael Nitzel hineinplatzt: "Einmal Deutschland für alle, bis alle für Deutschland sind." Er wird gleich zum Ensemblemitglied und wundert sich über das Publikum: "So sehen Leute aus, die ins Kabarett gehen? Fast normal!"

Das Team komplettieren Sebastian Wirnitzer, der trotz gebrochenem Knöchel spielt, und Dagmar Jaeger. Die ausnahmslos perfekten Songs begleitet Fred Symann an Flügel und Keyboard. Im ersten Teil geht es vor allem um deutsche "Tugenden", etwa die, anderen ungefragt zu erklären, was sie besser machen müssen. Einzelne Politiker (Andrea Nahles: "Schutzmatrone für Alleinerziehende"), Parteien (AfD: "Alternative für Demente") und Unternehmen (VW: "Die Skandale der letzten zehn Jahre sind mit zwei Worten zu beschreiben - Impuff und Auspuff!") stehen für "typisch deutsch". Was sagt Angela Merkel dazu? Der tolle Sketch mit zwei Strippenziehern degradiert sie zur Marionette.

Blitzschnell werden Garderobe und ein für ein Tourneetheater geradezu opulentes Bühnenbild gewechselt. "Afrika hungert" und drei Flüchtlinge im Boot auf dem Weg nach Deutschland setzen sich bitterstböse mit der Willkommenskultur auseinander. "Integration - eine deutsche Kernkompetenz?" Der zweite Teil fällt komödiantischer aus. Farbenprächtige Pizzas konkurrieren um personalisiertes Essen, um Trinkgeld, um Millionenerbe, mit dem die Firma "Fun Food Fuzzys" gegründet wird. Gelegentliche politische Einschläge torpedieren den Witz nicht, und als sich in der Zugabe Obama, Putin und Merkel in einem köstlichen Song treffen, ist klar: Das war ein nachdenklicher, zugleich sich wohltuend vom Comedianniveau der meisten Medien abhebender Abend. Klar ist auch: "Die Distel" kommt wieder nach Dormagen, am 18. November 2018.

(nima)