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Dormagen: Baustelle: Kunden meiden Nievenheim

Dormagen : Baustelle: Kunden meiden Nievenheim

Ende der Woche soll der Bauabschnitt auf der Straße "In Ückerath" fertig sein. Für die Händler in Nievenheim ist das ein schwacher Trost, denn Kunden müssen noch bis Ende des Jahres eine Umleitung fahren. Schilder sollen nun helfen.

Das Ende der Baustelle kommt für Uwe Fischer zu spät. Wenn die Bauarbeiter am Freitag den Abschnitt der Straße In Ückerath zwischen Dante- und Heerstraße fertigstellen, öffnet der Buchhändler zum letzten Mal sein Geschäft. "Seit Mai mache ich dreißig Prozent weniger Umsatz", sagt der Inhaber der Buchhandlung.

Seit die Baustelle vor seiner Tür ist, fehlen ihm vor allem die Kunden aus dem benachbarten Gohr. Früher konnten sie bei der Durchfahrt durch Nievenheim noch kurz bei ihm anhalten. Das war in den vergangenen Monaten nicht mehr möglich. Vor dem Hintergrund des ohnehin schwierigen Buchmarkts, der zunehmend von Internethändlern dominiert wird, habe sich Fischer zur Geschäftsaufgabe entschieden.

Ab Freitag entspannt sich für die übrigen Händler entlang der Straße In Ückerath die Situation etwas. "Bis zum Schützenfest ist der Bauabschnitt fertig", sagt Thomas Wedowski, Leiter der Stadtentwässerung. Die Arbeiten seien nach Plan verlaufen, man sei sogar besser vorangekommen als geplant.

Seit dem Frühjahr wurde zwischen Dante- und Heerstraße von den Kreiswerken Grevenbroich eine neue Wasserleitung verlegt, die Technischen Betriebe Dormagen haben gleichzeitig den Kanal saniert. Im Zuge der Arbeiten wird die Straße neugestaltet. Die Bauarbeiten an der Kreisstraße werden allerdings weitergehen. Auf die Fertigstellung der Bauarbeiten an der Straße In Ückerath folgt nun der Abschnitt der Hindenburgstraße zwischen Heer- und Clemens-August-Straße. Später wird am Abschnitt bis zur Sebastianusstraße gearbeitet. "Bis zum Ende des Jahres wollen wir fertig sein — vorausgesetzt, das Wetter spielt mit", sagt Wedowski.

Um die Umsatzeinbußen der Händler bis dahin etwas abzumildern, hat Stefan Maxeiner eine Idee. Der Vorsitzende des Gewerbevereins Nievenheim-Delrath-Ückerath will an den Absperrungen Schilder anbringen, die Kunden zeigen, welche Geschäfte sie noch mit dem Auto erreichen können. Für Edeka Fausten und Knell existieren bereits Hinweistafeln. "Viele Kunden sind von dem Schild ,Anlieger bis Baustelle frei' abgeschreckt", sagt Maxeiner.

Einigen sei nicht bewusst, dass sie als Kunden ein berechtigtes Anliegen haben und bis zu den Geschäften fahren dürfen. Die Stadt steht dem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber. "Wir werden mit der Bauleitung sprechen", sagt Wedowski.

Die derzeitige Lösung wird von vielen Händlern kritisiert. "Die Absperrungen stehen zu weit vor der Baustelle", sagt Michaela Elfmann vom Lottogeschäft Bieker. Während die Nievenheimer wüssten, wie sie zu fahren haben, würden Auswärtige davon abgeschreckt. Sie schätzt, dass rund 70 Prozent der Gohrer Kunden nicht mehr kommen. Umsatzeinbußen beklagt auch Karin Nielsen vom Blumenstübchen Vergissmeinnicht. Um nicht alle auswärtigen Kunden während der Bauzeit zu verlieren, liefert sie selbst geringe Blumenmengen aus.

"Die Frage ist doch, ob die Kunden nach dem Ende der Baustelle wiederkommen", sagt Nielsen. Sie sieht zwar die Notwendigkeit der Baustelle. Doch hätte sie sich gewünscht, dass am Wochenende die Durchfahrt durch den Ortskern mit einer Ampelschaltung ermöglich worden wäre.

(NGZ)