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Dormagen: Bauprojekt: Gastwirt nimmt Politik ins Visier

Dormagen : Bauprojekt: Gastwirt nimmt Politik ins Visier

Der Nievenheimer Heinrich Robens greift auch den Bürgermeister an. Hoffmann spricht von einer "Provinzposse" und kritisiert das Zentrum.

Ausgerechnet zu Beginn des großen Heimatfestes stört eine "Provinzposse" (so Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann) die friedliche Stimmung in Nievenheim. Es geht um die Gaststätte Robens, es geht um den geplanten Bau von sechs Wohnhäusern, und es geht um Wahlkampf. Den hat, davon sind Hoffmann und die CDU überzeugt, Zentrums-Politiker Hans-Joachim Woitzik angezettelt. Er soll, da sind sie sich sicher, hinter dem Brief von Gastwirt Heinrich Robens stecken, der am Freitag auftauchte und in dem Bürgermeister sowie CDU, SPD, Grüne und FDP angegangen werden. Nur eine Fraktion kommt gut weg: das Zentrum.

Eigentlich sollte das Krisengespräch am Dienstag zwischen Bürgermeister und den örtlichen Vereinen die Situation rund um das Bauvorhaben befriedet haben. "Ein Gespräch in sehr guter Atmosphäre", schildert Hoffmann. "Die Vereine haben alle Unterlagen aus der Offenlage bekommen." Für ihn ziehen letztlich alle an einem Strang. Aber offenbar nicht in die gleiche Richtung. Denn Robens schert aus. Er hatte noch nach diesem Gespräch eine am 28. Juni verfasste "Resolution der Nievenheimer Vereine" verteilt, in dem sich die Unterschreiber gegen die Baupläne wenden, weil diese den Bestand der Gaststätte und des einzigen großen Saals im Ort gefährden. Aber dieser Inhalt schien jetzt längst überholt.

Doch am späten Donnerstagabend holte der langjährige Gastwirt erst richtig aus: "Verwundert" reagierte er auf den Bericht unserer Zeitung über den Austausch zwischen Hoffmann und den Vereinen. Er habe "unmissverständlich" gesagt, dass er die Wohnbauplanung "grundsätzlich ablehnt", weil nur so die uneingeschränkte Nutzung des Festsaals gewährleistet bleibt. Die Aussage von Hoffmann, das von der Eigentümerin des Nachbargrundstücks beigebrachte Schallschutzgutachten sei nach Einwendungen von Robens nachgebessert worden, sei "unwahr". Hoffmann habe Politik und Öffentlichkeit "getäuscht". Robens unterstellt dem Bürgermeister die "besondere Fähigkeit zu Tricksereien" und "Heuchelei" wenn es um den Fortbestand der Traditionsgaststätte geht.

Hoffmann spricht von einem "verfrühten Kommunalwahlkampf". Er schreibt die Diktion des Briefes nicht Heinrich Robens, sondern Zentrums-Chef Hans-Joachim Woitzik zu: "Das sind dessen typische Formulierungen, die man auch aus dem Rat kennt." Hoffmann will "den Ball flach halten. Es geht um einen Vorgang, der rechtlich und politisch zu bewerten ist". Letztlich gehe es nur um zwei Häuser, deren Bau noch streitig ist. Das gehe auch aus der aktuellen Stellungnahme Robens' hervor. Klar ist, der Saal wird von der Wohnbauplanung "nicht tangiert". Auch CDU-Fraktionschef Wiljo Wimmer spricht von einem "O-Ton Woitzik" und "reiner Parteipolitik". Niemand könne ernsthaft erwarten, dass dieses Areal unbebaut bleibt. "Die Interessen des Grundstückseigentümers und das Schutzbedürfnis der Gaststätte müssen gegeneinander abgewogen werden." SPD-Fraktionschef Bernhard Schmitt zeigt Verständnis für die Sorgen des Wirtes. Denn die Gefährdung des Saals sei "nachvollziehbar", weil dort eine "völlig neue Art der Bebauung geplant ist". Schmitt bezweifelt aber, dass die Diktion des Briefes zum Erfolg führt. Schmitt: "Das Thema wird vor Gericht ausgetragen, das ist klar."

(NGZ)